SCB verliert nach Aufholjagd in der Overtime

Von Roman Badertscher
SC Bern
2
0 - 0 - 2
HC Davos
3
1 - 1 - 0
19.12.2025
National League
Zuschauer: 15689
0:1‧0:1‧2:0
Spielbericht

Der SC Bern geriet gegen den HC Davos früh in Rückstand und musste fast das ganze Spiel einem Rückstand nachrennen. Dank zwei Toren in der 54. Minute fand der SCB zurück und erzwang die Overtime. Dort entschied ein haltbarer Schuss über den Zusatzpunkt.

Ein Lapsus führt zum Berner Rückstand – Mats Alge mit Lattenschuss nahe am Ausgleich

Nach der Nati-Pause war sowohl beim SC Bern als auch beim HC Davos viel Energie im Tank. Emil Bemström kam in der Startminute sogleich zur ersten Grosschance, die Luca Hollenstein mit dem Stockende abwehrte. Einen Augenblick später folgte ein grober Aussetzer von Berns Aleksandr Iakovenko. Zuerst verlor er den Puck an der offensiven blauen Linie und liess den flinken Filip Zadina zu einfach vor Sandro Zurkirchen ziehen. Mit einem platzierten Schuss bezwang der Tscheche den Berner Goalie zum frühen 0:1.

Der SC Bern hatte das Spiel bis auf den Lapsus weitgehend im Griff. Erst in der achten Minute schaffte der HCD es, eine kurze offensive Druckphase aufzubauen. Zurkirchen war gefordert und hielt dicht. Der einzige Torschütze Zadina wanderte vor Drittelhälfte auf die Strafbank. Er stellte Waltteri Merelä ein Bein und traf ihn zugleich mit dem Ellbogen am Kopf. Doch der SCB machte aus dem Powerplay zu wenig.

Mats Alge war dem Berner Treffer am Nächsten. Sein Schuss streifte in der zwölften Minute die Torlatte. Somit musste der SCB mit dem 0:1-Rückstand die erste Pause antreten. Es blieb aber noch viel Zeit zur Korrektur.

Kurioser zweiter HCD-Treffer und eigenartiger SCB-Auftritt

Die Berner konnten eine weitere Überzahl nicht für sich nutzen. Davos wurde danach besser und nahm erstmals das Zepter in die Hand. Die Druckphase dauerte eine Weile. So war der zweite Treffer des Leaders nur eine Frage der Zeit. Ein Schuss von Tino Kessler landete kurios im Berner Tor, da Romain Loeffel diesen mit seinem Schlittschuh noch unglücklich ablenkte.

Ganz eigenartig war der Auftritt des SCB nach dem 0:2. Immer wieder liess man die Bündner fast ungehindert in die Zone und zu Abschlüssen kommen. Das Zweikampfverhalten vermisste man auf Berner Seite. Man ging dem Gegner lieber aus dem Weg, als unter die Haut.

Immerhin kam dann noch ein Lebenszeichen. Marc Marchon sah wie sein Schuss nach einer toll herausgespielten Situation im Fanghandschuh von Hollenstein verschwand. Es war die beste Chance der Mutzen im zweiten Abschnitt. Das Gebotene schlug sich auch auf die Stimmung im Stadion nieder, die gegen Ende des Drittels zwar wieder etwas besser wurde.

Zuerst war aber noch Marco Lehmann das Sinnbild falscher Entscheidungen. Aus aussichtsreicher Position zog er es vor, den Puck nochmals abzugeben, als selber zu schiessen und auf einen Abpraller zu hoffen. Wenn der SCB noch was reissen wollte, musste er im Schlussdrittel mehr dafür tun.

Die späte Aufholjagd

Ein Haken von Merelä hinderte den SC Bern zu Beginn der letzten 20 Minuten aber daran, eine schnelle Reaktion zu zeigen. Die Berner überstanden die Unterzahl. In der 47. Minute blieb Simon Ryfors in der Berner Zone liegen, doch ein harter Check musste er gemäss den Videobildern nicht einstecken. Eine komische Situation und Josh Holden war wütend. Er glaubte auch nicht, dass er bald sein Time-out nehmen musste.

Ab der 51. Minute spielte nämlich nur noch der SC Bern. Eine schöne Kombination konnte Alain Graf beinahe vollenden, doch sein Schuss landete am Pfosten. Es war der dritte Berner Metalltreffer. Drei Zeigerumdrehungen später verkürzte der SCB auf 1:2. Simon Kindschi erzielte dabei sein erstes Saisontor. Das Momentum kippte zugunsten des SCB und Marco Lehmann traf nach einem schönen Querpass von Merelä nur 54 Sekunden später erneut. Ausgleich!

Wer hätte das nach dem 0:2-Rückstand gedacht? Natürlich erwähnen wir an dieser Stelle, dass Marco Lehmann seine falsche Entscheidung aus dem Mitteldrittel mit dem Ausgleich wettmachte und nun der gefeierte Held war. Davos wird es ärgern. Der Berner Punktgewinn war nach dieser Rückkehr und aufgrund der Spielanteile mehr als verdient.

Overtime

Es war ein Geduldspiel und Sandro Zurkirchen schlussendlich der grosse Verlierer. Er liess einen haltbaren Schuss von Klas Dahlbeck unter seinem Schoner passieren. Dies soll seine gute Leistung heute Abend aber nicht schmälern. Er hat übers ganze Spiel gesehen einen guten Job gemacht.

Stimmen zum Spiel:

Fabian Ritzmann: „Wir waren über 60 Minuten nicht gut genug und müssen über die ganze Zeit das Spiel machen. Im Mitteldrittel hatte Davos gute Wechsel und das Momentum auf ihrer Seite. Als wir die Scheibe jeweils rausbrachten, kamen sie schnell wieder rein in unsere Zone. So findet man dann schwieriger ins Spiel zurück. Wir gaben nie auf und zum Glück konnten wir einen Doppelschlag erzielen. Der Punkt ist aus meiner Sicht verdient, da wir im ersten und letzten Drittel viel Druck erzeugt haben. Wir müssen uns aber vorne mehr festbeissen.“

SC Bern – HC Davos 2:3 n.V. (0:1, 0:1, 2:0, 0:1)

PostFinance Arena, Bern. – 15‘689 Zuschauer – Schiedsrichter: Borga/Piechaczek (GER), Stalder/Bürgy.

Tore: 2:17 Zadina 0:1, 28:56 Kessler 0:2, 53:02 Kindschi (Ejdsell) 1:2, 53:56 Lehmann (Merelä, Müller) 2:2, 62:36 Dahlbeck 2:3.

Strafen: 1 x 2 und 1 x 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe (Scherwey) gegen den SC Bern, 2 x 2 Minuten und 1 x 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe (Zadina) gegen den HC Davos.

Schüsse aufs Tor: 40:23 (15:9, 9:8, 16:5, 0:1)

SC Bern: Zurkirchen (Ersatz: Henauer); Lindholm, Loeffel; Rhyn, Untersander (C); Kindschi, Iakovenko; Füllemann; Ejdsell, Aaltonen, Bemström (PF-TS); Lehmann, Müller, Merelä (A); Marchon (A), Graf, Vermin; Alge, Ritzmann, Scherwey; Schild.

HC Davos: Hollenstein (Ersatz: Aeschlimann); Gross, Fora; Dahlbeck, Frick; Jung (A), Andersson; Barandun, Gredig; Asplund, Corvi (A), Stransky (C, PF-TS); Tambellini, Ryfors, Frehner; Zadina, Nussbaumer, Kessler; Parrée, Egli, Knak.

Bemerkungen: SC Bern ohne Serkins (abwesend), Häman Aktell, Simon Moser, Kreis, Baumgartner (verletzt), Reideborn (überzählig), Fuss, Levin Moser, Weber, Riatsch, Ryser, Schenk (Swiss League), Bont, Zürcher (Nachwuchs). HC Davos ohne Guebey, Lemieux (überzählig), Solèr, Minder (Swiss League), Waidacher, Müller (Nachwuchs). – 12:00 Lattenschuss Mats Alge (SC Bern). – 51:00 Pfostenschuss Alain Graf (SC Bern). – 53:56 Time-out HC Davos.

Resultat:

2:3 nV

S. Kindschi, M. Lehmann
T. Kessler, F. Zadina, K. Dahlbeck