Moralstarke Bieler besiegen Luganesi in extremis

Von Robert Szendröi
EHC Biel
3
0 - 0 - 2
HC Lugano
2
0 - 1 - 1
16.09.2025
National League
Zuschauer: 5321
0:0‧0:1‧2:1
Spielbericht

Der EHC Biel bezwingt den HC Lugano dank Moral, Hartnäckigkeit und Wettkampfglück mit 3:2 nach Verlängerung. Insgesamt war beiden Teams anzumerken, dass beidseitig noch viel Arbeit ansteht, um sich aus dem Tabellenkeller zu verabschieden.

Der HC Lugano hat zwar erst einen Zähler auf dem Konto, doch die Vorstellungen der Bianconeri waren in den ersten drei Meisterschaftsrunden doch frohlockender, als diejenigen der Seeländer, welche tatsächlich nur beim Auftakt bei den ZSC Lions einen überraschend bemerkenswerten Eindruck hinterliessen. Danach zu Hause gegen den HC Davos (1:4) und im ausverkauften Heimstadion von Fribourg-Gottéron (4:0-Pleite) machten die Schützlinge von EHCB-Trainer Martin Filander einen von allen guten Geistern verlassenen Anschein.

Die Luganesi ihrerseits holten den erwähnten einen Punkt in Fribourg (2:3 n.V.), verloren darauf daheim gegen den EV Zug (1:2) und kassierten eine nur resultatmässige klare Niederlage (1:5) in der Limmatstadt. Die Leistung der Südtessiner war nämlich viel mehr wert, als es das Resultat vermuten liess, wie der Zürcher Denis Hollenstein auf Blick.ch nach Spielende untermalte: „Die Bianconeri hatten sich viele Chancen erspielt, aber unser Goalie Simon Hrubec parierte einige Mal exzellent und bei uns im Angriff fielen die Pucks einfach rein“.

Entsprechend gespannt, durfte man auf den Start in die 4. Qualifikationsrunde in der Tissot-Arena warten. Tabellenmässig konnte man sogar von einer Art Kellerkinder-Derby sprechen.

Erstes Drittel

Immerhin liessen die Seeländer im Vergleich zu den beiden letzten Partien gegen Davos und Gottéron die Fesseln fallen und versuchten das Zepter gegen die Luganesi umgehend in die Hand zu nehmen. In engagierter Manier gelang dies ansprechend. Der Lohn für die leichte Überlegenheit blieb indes auf der Matchuhr unbemerkt. Auch 42 Sekunden in doppelter Überzahl konnte die Tissot-Truppe nicht in einen Vorsprung ummünzen. EinzigLias Andersson hatte schon vorher mit einem Pfostenknaller aus der Kurzdistanz Pech. Seitens der Luganesi wartete man mehrheitlich auf brandgefährliche Konterchancen. Dabei manövrierte sich zweimal HCL-Abwehrcrack Jesper Peltonen vor Biel-Keeper Harri Säteri in den Slot, doch das Wettkampfglück blieb auf Seeländer Seite. Somit überrascht der torlose Spielstand nach 20 Minuten keineswegs.

Zweites Drittel

Immer wieder bewahrheitetet sich im Puck- und Ballsport die Weisheit, wer seine Tore nicht erzielt, wird bestraft. So geschehen im zweiten Abschnitt gegen die Bieler. So konnten die Einheimischen eine 5-Minuten plus Spieldauer-Disziplinarstrafe gegen Bianconeri-Legionär Brendan Perlini nicht zum Führungstreffer ausnutzen. Dabei wurde Biels Abwehrdirigent Oskari Laaksonen, durch Perlinis Kniecheck so stark verletzt, dass er nicht nur für den Rest der Partie, sondern wohl (viel?) länger ausfallen wird. Schliesslich konnte er den Eisrink zwar selbst, aber nur auf dem rechten Bein verlassen. Dass die Südtessiner noch vor der zweiten Sirene sogar das 1:0 zu ihren Gunsten erzielten, war schon fast zu erwarten. Dabei liess es HCL-Verteidiger David Aebischer nach einer butterweichen Mike Sgarbossa Rückpassvorlage mit einem scharfen Slapshot so richtig krachen. Biel-Hüter Säteri blieb dabei keine Paradechance.

Drittes Drittel

Logisch, dass die Jungs von Biel-Coach Martin Filander im letzten Drittel Moral beweisen mussten, um der Partie noch eine Kehrtwende zu verleihen. Dies gelang vorerst nur ohne zählbare Wirkung. Im Gegenteil: Die Schützlinge von HCL-Trainer Tomas Mitell nutzten in der 49. Minute ein Powerplay eiskalt aus, als Zach Sanford, den Schuss von Carrick Connor zum vorübergehenden 2:0-Vorsprung für die Bianconeri verwertete. In der Tissot-Arena hatte man allgemein mit keinem Resultatumbruch mehr gerechnet. Allerdings fingen sich die Seeländer noch rechtzeitig auf und so gelang Peter Cajka der 2:1-Anschlusstreffer mit einem satten Handgelenkabschluss. Der Glaube im Bieler Lager schien zurück zu sein. Dadurch verdienten sie sich zuerst den vielumjubelten Ausgleich vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit.Dabei traf PostFinance-Topscorer Marcus Sylvegaard mit einem eigentlich missratenen Schuss zum glückhaften 2:2-Remis.

Overtime

Am Ursprung des Bieler Siegestreffer war eine spektakuläre Schonerabwehr von EHCB-Schlussmann Säteri. Daraus entstand ein rasanter Konter, der zur kaum erwarteten 3:2-Siegesmouche zugunsten der Seeländer avancierte. Dabei bediente Gaëtan Haas den mitstürmenden Toni Rajala, der mit einem Flachgeschoss seine Farben in extremis noch in einen Siegestaumel versetzte.

Resultat:

3:2 nV

M. Sylvegaard, P. Cajka, T. Rajala
Z. Sanford, D. Aebischer