Dänemark besiegt Kanada, trifft auf die Schweiz!
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Spielbericht
Die WM-Spiele am Zweitspielort Herning enden mit einer Riesensensation: Dänemark schaltet Kanada in letzter Minute mit einem 2:1-Sieg aus und trifft am Samstag im Halbfinale in Stockholm auf die Schweiz!
Erstmals in der Geschichte schafft es Dänemark ins Halbfinale der WM. Die Dänen waren noch nie besser als auf dem achten Platz. Kanada dagegen verpasst erstmals seit 2014 eine Top-4-Klassierung.
«Wir wissen, dass wir Aussenseiter sind. Wenn wir das Spiel 100 Mal spielen, ist dies vielleicht der einzige Sieg, den wir bekommen, aber irgendwie machten wir es möglich. Es ist fantastisch», sagte Nicklas Jensen, der für die SC Rapperswil-Jona Lakers stürmt.
Die Kanadier dominierten gegen Dänemark das Startdrittel chancenmässig und Frederik Dichow im Tor der Gastgeber musste einige starke Paraden zeigen. Die Dänen kamen nur selten zum Abschluss, waren aber in der 19. Minute mit einem Alleingang von Morten Poulsen einer überraschenden Führung nahe. Zu Beginn des Mitteldrittels war auch Jonas Røndbjerg mit einem versuchten «Buebetrickli» nahe dran.
Die Dänen wurden, angepeitscht von 10'500 Fans, euphorischer und bekamen vor allem die Defensivarbeit gegen die Kanadier im Mitteldrittel besser in Griff. Sie gingen ohne Angst vor grossen Namen Crosby, MacKinnon oder O’Reilly in die Zweikämpfe.
Vier Minuten vor Drittelsende bejubelten die Spieler und Fans schliesslich den vermeintlichen Führungstreffer durch Poulsen durch eine Kontermöglichkeit, doch die Unparteiischen annullierten es sofort wegen eines vorangegangenen Handpasses.
«Wir wussten, dass es ein hartes Spiel würde. Sie sind das beste Team der Welt, wenn man die Aufstellung anschaut. Unser Plan war solange wie möglich im Spiel zu bleiben mit einem knappen Resultat. Gute Teams können dann frustriert werden», sagte der dänische Captain Jesper Jensen Aabo. «Wir wurden besser und besser. Wir kreierten mehr Chancen während des Spiels. Wir machten gut Druck im dritten Drittel. Ich weiss nicht, ob wir es über 60 Minuten verdient haben, aber am Schluss haben wir es definitiv verdient.»
Die Dänen begannen auch das Schlussdrittel mit Selbstvertrauen und Momentum und hatten die ersten Chancen des Spielabschnitts. Doch wie es so oft ist: Wenn man die Tore nicht macht, kassiert man sie. In der 46. Minute brachte Travis Sanheim nach einem Rückpass Sidney Crosbys die Kanadier 1:0 in Führung.
Die Dänen machten unbeirrt weiter und erhöhten den Druck. Mit einem Powerplay waren sie zwar erfolglos, doch bei sechs gegen fünf Feldspielern erlöste Nikolaj Ehlers mit seinem Ausgleichstreffer zwei Minuten vor dem vermeintlichen Ende die Fans.
«Wir haben schon gewusst, dass etwas ganz Spezielles passieren muss. Aber wir haben eigentlich sehr gut gespielt. Wir haben schon gewusst, dass Kanada den Puck öfters haben wird, dass sie mehr Chancen kreieren werden. Aber die grossen Chancen haben sie eigentlich nicht bekommen», sagte der Winnipeg-Stürmer Nikolaj Ehlers. «Wir haben sie gut aussen spielen lassen und standen ihnen keine grossen Chancen im Slot zu. Unser Torhüter hat natürlich auch ein paar super Saves gemacht. Wir hatten eigentlich die grösseren Chancen. Von dem her bin ich superstolz auf unsere Leistung heute.»
Die Richtung ging weiter auf das kanadische Tor und 48,5 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit staubte Nick Olesen vor dem Tor nach guter Vorarbeit von Jensen zur erstmaligen Führung ab. Und diese gaben die Dänen in der kurzen Zeit nicht mehr aus der Hand.
Die Sekunden wurden runtergezählt und die ganze Mannschaft ging aufs Eis zu Torhüter Dichow um den Sieg gemeinsam mit der Mannschaft zu feiern.
«Es ist sicher ein Drittel, dass lange in Erinnerung bleiben wird zusammen mit all den Fans, unseren Familien und dänischem Eishockey. Es ist ein grosser Moment. Es ist wie ein Märchen. Wir spielten daheim, voller roter und weisser Farben auf der Tribüne. Unsere Freunde waren hier, unsere Familien waren hier. Ein Grossteil Dänemarks schaute wahrscheinlich das Spiel», sagte Jensen Aabo.
«Nun spielen wir um Medaillen. Nur dies zu sagen gibt mir Gänsehaut und hört sich surreal an.»
Kanada – Dänemark 1:2 (0:0, 0:0, 1:2)
Jyske Bank Boxen, Herning. – 10’500 Zuschauer (ausverkauft). – SR: Ansons (LET) / Holm (S), Hautamäki (FIN) / Hynek (CZ).
Tore: 45:17 Sanheim (Crosby, Konecny) 1:0. 57:43 Ehlers (Lauridsen, Russell / Dänemark ohne Torhüter) 1:1. 59:11 Olesen (Nicklas Jensen) 1:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kanada, 5-mal 2 Minuten gegen Dänemark.
Schüsse aufs Tor: 40:33 (18:4, 12:7, 10:22)
Kanada: Binnington (Ersatz: Fleury); Spurgeon, Sanheim; Dobson, Weegar; Montour, Matheson; Evans; Konecny, MacKinnon, O’Reilly; Foerster, Crosby, Celebrini; Johnson, Fantilli, Cuylle; Martone, Danault, Schenn.
Dänemark: Dichow (Ersatz: Dahm); Jesper Jensen Aabo, Bruggisser; Markus Lauridsen, Lassen; Oliver Lauridsen, Koch; From, Nicholas B. Jensen; Ehlers, Mølgaard, Olesen; Nicklas Jensen, Russell, Røndbjerg; Blichfeld, True, Aagaard; Bau, Wejse, Poulsen.
Bemerkungen: 36:04 Tor von Poulsen aberkannt (Handpass). – Dänemark von 57:24 bis 57:43 ohne Torhüter. Kanada ab 59:15 ohne Torhüter.
