Schweiz siegt nach harzigem Start

Von Martin Merk
Schweiz
4
0 - 1 - 3
Kasachstan
1
1 - 0 - 0
20.05.2025
A-Nationalmannschaft
0:1‧1:0‧3:0
Spielbericht

Nach einem harzigen Start fand die Schweiz ins Spiel und bezwang Kasachstan 4:1. Erstmals war dabei Nino Niederreiter im Team, der in drei verschiedenen Linien getestet wurde.

Beide Mannschaften stiegen mit Ambitionen ins Spiel. Die Schweiz wollte die drei Punkte um mindestens Zweiter, mit etwas amerikanischer Schützenhilfe sogar Erster zu werden. Kasachstan benötigte mindestens einen Punkt um dem Abstieg zu entringen und die rote Laterne den Ungaren abzugeben. Das Schweizer Team konnte so quasi mitentscheiden, welche dieser beiden Nationen der Schweizer Verband nächstes Jahr bei der Heim-WM in Zürich und Fribourg empfangen würde. Dass Ungarn mit seinen auch in Herning lautstark präsenten Fans mehr in die Kasse der Organisatoren spülen würde, ist kein Geheimnis. Die Schweiz gewann die letzten beiden Begegnungen (2022, 2023) und hatten in sechs WM-Spielen nur eine Niederlage, bei Fischers erster WM als Nationaltrainer 2016. Die Siegesserie konnte heute verlängert werden, aber einfach war es nicht.

Vor dem Viertelfinale stand das Spiel im Zeichen der Integration des neusten und letzten NHL-Zuzugs Nino Niederreiter, der rund zwei Stunden nach der Landung in Dänemark bereits zum Aufwärmen auf dem Eis stand. 40 Minuten vor dem Aufwärmen kam er in der Arena an mit einem Gipfeli statt Pasta im Magen. Im Flug von Minneapolis nach Amsterdam konnte er noch etwas schlafen in der Business-Klasse bevor es nach Dänemark ging. Er wollte unbedingt jetzt schon auf dem Eis stehen und nicht erst im Viertelfinale. «Es war für mich persönlich wichtig, das Spiel zu bestreiten», sagte Niederreiter.

Die Kasachen nahmen in der Abwehr Umstellungen vor nach der 1:6-Niederlage gegen die USA. Die Partie gegen die Schweizer schien dabei zu Beginn jener gegen die Amerikaner zu ähneln. Es waren nämlich die Kasachen, welche nach dem Anspiel die Initiative übernahmen und sich die ersten Chancen erspielten. Die Beste hatte nach neun Minuten Dinmuchamed Kajyrschan als er alleine vor Stéphane Charlin auftauchte. 45 Sekunden später erst registrierten die Statistiker den ersten Schuss aufs Tor der Schweizer.

In der 16. Minute dröhnte dann schliesslich der Torsong aus der kasachischen Steppe durch die spärlich besetzte Arena ausgerechnet als die Schweizer etwas mehr aufgekommen waren. Erstmals waren es nicht die Schweizer, die das erste Tor schossen. Janis Moser verlor in der Ecke hinter dem Tor die Scheibe im Zweikampf gegen Roman Startschenko, diese kam zu Nikita Michajlis. Nach dem Rückpass zu Adil Beketajew lenkte Arkadi Schestakow den Abpraller entscheidend ins Tor. Die Kasachen gingen dabei energischer und offensiver ans Werk und profitierten davon, dass die Schweizer Stürmer sich nach vorne orientierten anstatt ihre Gegenspieler zu bewachen.

Mit der 1:0-Pausenführung wurden die Kasachen für ihre Bemühungen belohnt. Dies auch dank ihrem Torhüter Maxim Pawlenko, der in der 18. Minute mit einem blitzschnellen Seitenwechsel im Stile einer Goalieparade im Fussball den Ausgleichstreffer durch Niederreiter verhinderte.

Fürs zweite Drittel wechselte der Nationaltrainer Patrick Fischer die Sturmreihen. Timo Meier rückte in die Linie mit Malgin/Andrighetto vor, Niederreiter spielte neu mit Moy/Fiala.

«Wir hatten schon im ersten Drittel unsere Chancen. Dann probierten wir es mit verschiedenen Centern, am Schluss mit Büehli. Das lief auch gut», sagte Niederreiter. «Wie wir am Donnerstag spielen, muss nun Fischi entscheiden.»

Niederreiter stand auch wieder im Mittelpunkt als er eine Strafe wegen hohen Stocks von Dmitri Breus herausholte. Doch im Powerplay fehlte die Präzision um für wirkliche Gefahr zu sorgen. Immerhin schwang aber das Momentum in die andere Richtung und es waren vor allem die Schweizer die aufs Tor schossen, doch Pawlenko zeigte eine starke Leistung und hatte im Ernstfall auch das Gehäuse zur Hilfe. Doch es schien bei dem hohen Druck eher eine Frage der Zeit, bis die Schweizer treffen würden.

Mit 16:4 Torschüssen im mittleren Spielabschnitt gab es genug Möglichkeiten um den Ausgleich zu erzielen und 4,4 Sekunden vor Drittelsende ging während eines weiteren Powerplays die Scheibe doch noch rein. Nach einem Schuss Denis Malgins aufs Tor lenkte Kevin Fiala mit dem Schlittschuh ab.

Auch im Schlussdrittel ging es mit Einbahnhockey weiter bis die Schweiz ihr zweites Powerplay-Tor erzielte. Sehr geduldig spielten sie die Scheibe durchs Angriffsdrittel bis Malgin vom linken Bullypunkt aus Sven Andrighetto rechts an der Torlinie sah, der die Scheibe zwischen Pawlenkos Schonern zur erstmaligen Schweizer Führung versenkte.

«Wir wussten, dass sie um einen Punkt spielen. Sie machten es uns nicht einfach, aber wir haben es dann doch noch geschafft», sagte Andrighetto.

Zu einer Schlussoffensive der Kasachen kam es nicht mehr. In der 58. Minute erhöhten Andres Ambühl und sehenswert Damien Riat auf 4:1. Bei Ambühls Tor war dieser Center mit Niederreiter und Fiala – die mögliche Sturmreihe für übermogen im Viertelfinale?

«Nino und Kevin harmonieren gut, Denis und Ghetto kann man nicht auseinandernehmen», sagte Fischer ohne allzu viel preisgeben zu wollen. «Wir haben es schon im Kopf, wie wir weitermachen. Morgen werden wir uns auf den Gegner vorbereiten. Dank der Euro Hockey Tour kennen wir die Gegner auch besser und die Fehler werden schneller aufgezeigt.»

Damit steigt Kasachstan nach fünf Jahren ab und die Schweizer übernehmen temporär die Tabellenführung in der Gruppe. Auf wen sie am Donnerstag im Viertelfinale treffen und wo, werden wir in der Nacht wissen. Aus der Stockholmer Gruppe sind Kanada, Finnland und Österreich mögliche Gegner entweder hier in Herning oder in Stockholm. Im Szenario, dass Schweden Erster bleibt und sich in Herning Dänemark qualifiziert, können die beiden Co-Gastgeber nicht aufeinandertreffen und die Viertelfinals würden intern gespielt, womit Dänemark oder die USA mögliche Gegner wären. Wir halten euch in unseren News auf dem Laufenden.

Schweiz – Kasachstan 4:1 (0:1, 1:0, 3:0)

Jyske Bank Boxen, Herning. – 3833 Zuschauer. – SR: Ofner (Ö) / Vikman (FIN), Durmis (SLK) / Nyqvist (S).

Tore: 15:17 Schestakow (Beketajew, Michajlis) 0:1. 39:55 Fiala (Malgin, Kukan / Ausschluss Wolkow) 1:1. 47:15 Andrighetto (Malgin, Moser / Ausschluss Kolesnikow) 2:1. 57:06 Ambühl (Niederreiter, Fiala) 3:1. 57:44 Riat (Knak) 4:1.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3-mal 2 Minuten gegen Kasachstan.

Schüsse aufs Tor: 39:16 (7:5, 16:4, 16:7)

Schweiz: Charlin (Ersatz: Aeschlimann); Kukan, Siegenthaler; Berni, Moser; Fora, Marti; Egli; Niederreiter, Malgin, Andrighetto; Meier, Moy, Fiala; Riat, Jäger, Knak; Bärtschi, Ambühl, Schmid; Baechler.

Kasachstan: Pawlenko (Ersatz: Kudrjawtsew); Gajtamirow, Breus; Danijar, Beketajew; Koroljow, Metalnikow; Michajlow; Startschenko, Schestakow, Michajlis; Panjukow, Lichotnikow, Sawitski; Kolesnikow, Omirbekow, Rymarew; Muratow, Wolkow, Kajyrschan; Muchametow.

Bemerkungen: Schweiz ohne Hischier (verletzt), Genoni, Glauser und Hofmann (alle überzählig). Kasachstan ohne Amirbekow, Orechow und Assetow. – 30:59 Kajyrschan verletzt ausgeschieden. – 58:10 Time-out Kasachstan. – Kasachstan von 58:15 bis 59:11 und von 59:35 bis Spielende ohne Torhüter.

Resultat:

4:1