Dänemark gewinnt Nordsee-Krimi
Deutschland
Dänemark
Spielbericht
Dänemark setzte sich im Nachbarschaftsduell um den letzten Viertelfinalplatz gegen Deutschland im Penaltyschiessen durch. Erstmals seit neun Jahren im Viertelfinale, trifft der Co-Gastgeber auf Kanada. Im anderen Spiel der KO-Runde in Herning trifft davor der Gruppensieger Schweiz auf Österreich.
Dänemark und Deutschland boten sich bis zum letzten Spiel ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit neun Punkten aus sechs Partien. Die Entscheidung um den letzten Viertelfinalplatz des Turniers entschied sich in der Direktbegegnung.
An gleicher Spielstätte in Herning bezwangen die Dänen ihren Nachbarn 3:2 nach Penaltyschiessen – seither gab es in den drei Aufeinandertreffen knappe Siege für die Deutschen, die aufgrund der Weltranglistenposition als Favorit ins Spiel gingen.
Doch Dänemark spielt daheim, hat unter den 10'500 Fans akustisch klaren Heimvorteil und mit dem Winnipeg-Star Nikolaj Ehlers heute noch zusätzliche Verstärkung eingeflogen erhalten. Der Stürmer mit Bieler Vergangenheit nahm gleich die Position im Paradesturm mit dem SCRJ-Stürmer und Lokalhelden Nicklas Jensen sowie Patrick Russell ein.
Ehlers landete wie sein Winnipeg-Teamkollege Nino Niederreiter erst heute. Er konnte allerdings nicht mit Niederreiter fliegen. «Weil mein Hund mitkam und das bei KLM nicht ging», wie er sagte. So landete er um 15 Uhr und das im weiter entfernten Kopenhagen. «Ich schlief etwa zweieinhalb, drei Stunden im Flug. Und noch eine auf der Fahrt von Kopenhagen. Ich bin definitiv müde», sagte er mit einem Schmunzeln nach dem Medienmarathon, der nach dänisch und englisch auf Schweizerdeutsch endete.
Angepeitscht von den vielen Fans in einer Stadt, wo sonst etwas über 2000 Fans die Spiele der heimischen Liga verfolgen, glitten die Dänen sichtbar beflügelt über das Eis und hatten das Startdrittel mit 14:5 Torschüssen für sich. Nur Tore gab es keine.
Im Mitteldrittel lief das Spiel eher in die Gegenrichtung und die Deutschen konnten sich mehr Spielanteile sichern. Was blieb war der makellose Auftritt der Torhüter: Frederik Dichow auf dänischer wie auch Philipp Grubauer auf deutscher Seite waren verlässliche Schlussmänner für ihre Mannschaften und trugen das Ihrige dazu bei, dass es nach 39 Minuten 0:0 stand. Doch dann wurden die deutschen Bemühungen doch noch belohnt: mit ihrem elften Schuss des Drittels trafen sie zum 1:0. Korbinian Geibel schoss von der blauen Linie und die Scheibe ging an Freund und Feind vorbei ins Netz. Anfänglich wurde der Treffer dabei Yasin Ehliz zugesprochen, der vor dem Tor die Sicht verdeckte, die Scheibe aber nicht abgelenkt hatte.
Die Dänen versuchten im Schlussdrittel das Spiel in die Hand zu nehmen, die Deutschen gestanden ihnen aber nur wenig zu – bis genau 10 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit Ehlers links entwischen konnte und Grubauer zum 1:1-Ausgleich bezwang. Er lief einem von Oscar Mølgaard in luftleerem Raum gespielten Puck nach und verwandelte die Vorlage mit Bravour.
«Es ist unglaublich. Das ist, wofür ich heimkam. Sie haben wochenlang darauf hingearbeitet. Ich war 2018 nicht hier, als Dänemark Gastgeber war, daher war es ein spezielles Erlebnis», sagte Ehlers.
Das Nordsee-Duell war damit neulanciert, doch die Teams gestanden sich wenig Tormöglichkeiten zu, so dass das Nachbarschaftsduell in die drei gegen drei gespielte Verlängerung musste. Die Dänen konnten sich dabei leichte Vorteile erspielen, die Entscheidung musste aber im Penaltyschiessen fallen.
«Die Dänen begannen stark. Wir haben uns zurückgekämpft. Das Tor von Nikolaj [Ehlers] war ein smarter Spielzug. Es war ein ausgeglichenes Spiel, wenn man die Schussstatistik anschaut. Wir haben die drei Muss-Spiele gewonnen und heute alles gegeben», sagte der deutsche Nationaltrainer Harold Kreis.
Angetrieben vor ihrem Publikum brachten Nick Olesen und Joachim Blichfeld die Dänen nach zwei Runden 2:0 in Führung, während die Deutschen unter Pfiffen allesamt scheiterten. Als Dominik Kahun als vierter Schütze verschoss, war die Partie gegessen.
«Sie waren die bessere Mannschaft. Wir haben sie stark erwartet. Grubi hat klasse gehalten. Wir haben uns vorgenommen das beste Spiel des Turniers zu bestreiten. Wir hatten genügend Chancen, aber es reichte leider nicht», sagte der Lausanne-Stürmer nach dem Spiel.
Dänemark kommt weiter und trifft in Herning auf Kanada, Deutschland fährt nach Hause. Deutschland verpasst nach ein paar starken Jahren damit erstmals seit der Heim-WM 2018 das Viertelfinale, Dänemark dagegen ist erstmals seit der WM 2016 wieder unter den besten Acht.
In zwei Tagen werden die Dänen erneut von den lokalen Fans angepeitscht. Der Gegner Kanada wird aber ungemein härter.
«Es wird hart. Sie sind gute Hockeyspieler, einige der besten der Welt. Wir brauchen eine wirklich gute Leistung um eine Chance zu haben. Es wird eine Herausforderung, aber wir nehmen sie gerne», sagte Ehlers.
Deutschland – Dänemark 1:2 (0:0, 1:0, 0:1, 0:0, 0:1) n.P.
Jyske Bank Boxen, Herning. – 10’500 Zuschauer (ausverkauft). – SR: Ansons (LET) / Holm (S), Briganti (USA) / Hynek (CZ).
Tore: 39:14 Geibel (Wagner, Samanski) 1:0. 50:00 Ehlers (Mølgaard, Olesen) 1:1.
Penaltyschiessen: Olesen 0:1, Schütz scheitert; Blichfeld 0:2, Pföderl verschiesst; Ehlers scheitert, Stützle verschiesst; Nicklas Jensen scheitert, Kahun verschiesst.
Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Deutschland, 5-mal 2 Minuten gegen Dänemark.
Schüsse aufs Tor: 26:27 (5:14, 12:4, 6:5, 3:4).
Deutschland: Grubauer (Ersatz: Niederberger); Müller, Seider; Geibel, Wagner; Mik, Hüttl; Kälble; Stützle, Michaelis, Tiffels; Kahun, Stachowiak, Schütz; Ehliz, Samanski, Pföderl; Kastner, Wiederer, Ehl; Noebels.
Dänemark: Dichow (Ersatz: Dahm); Jesper Jensen Aabo, Bruggisser; Lassen, Markus Lauridsen; Koch, Oliver Lauridsen; Nicholas B. Jensen, From; Ehlers, Russell, Nicklas Jensen; Aagaard, Mølgaard, Blichfeld; Olesen, Wejse, Rondbjerg; Poulsen, True, Bau.
