Schweizer Stängeli in seltenem Duell
Ungarn
Schweiz
Spielbericht
Die Schweiz fertigte den Aufsteiger Ungarn gleich mit einer 10:0-Packung ab – so hoch siegte an diesem Turnier noch keine Mannschaft. Der Gegner stieg zwar motiviert ins Spiel, konnte den Klassenunterschied aber nicht kaschieren. Andres Ambühl hatte einen Hattrick, während Dominik Egli und Timo Meier sich als Doppeltorschützen feiern lassen konnten.
«Wir haben hinten gut gespielt und vorne viel kreiert. Es war ein Charaktertest für uns. Wir wissen, wie wir spielen müssen, egal ob gegen Ungarn, gegen Kasachstan oder im Viertelfinale und das haben wir gemacht. 10:0 gewonnen und ein Hattrick für Büehli – eine tolle Story», bilanzierte der Nationaltrainer Patrick Fischer.
Erstmals seit 1939 bestritten die Schweiz und Ungarn ein Spiel auf diesem Niveau. In sechs Spielen der 30er-Jahren holte die Schweiz fünf Siege und ein Unentschieden. Das letzte Aufeinandertreffen eine Stufe tiefer gewannen die Schweizer an der B-WM 1985 in Fribourg mit 9:1, wobei über alle Stufen die Bilanz 19 Siege, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen lautet. Ein Spiel gegen Ungarn – selbst Ambühl und Fischer mit ihren langen Nationalteamkarrieren konnten an dieser WM noch etwas Neues erleben.
Es sollte also eine klare Sache erwartet werden, doch handkehrum gönnte Fischer den drei Leistungsträgern Sven Andrighetto, Denis Malgin und Jonas Siegenthaler eine Verschnaufpause und liess mit sieben Verteidigern und elf Stürmern gegen den Aufsteiger spielen. Es sollte völlig ausreichen.
Die Startminuten waren etwas verhalten, doch mit dem dritten Torschuss ging der Favorit bereits in Führung durch die vierte Linie. Ambühl verdeckte vor dem Tor dem ungarischen Torhüter Adam Vay die Sicht und lenkte einen Weitschuss Dominik Eglis ins Netz.
Zwei Minuten später ertönte erneut «Richi, i ha gseit du söllsch di guet hebe!» Meier wurde an der blauen Linie von Dean Kukan eingesetzt als die ungarische Abwehrspieler Zeleny Hadobas und Tamas Ortenszky vom EHC Winterthur die Mitte fahrlässig weit offen liessen. Meier nutzte die Einladung zu seinem ersten Turniertreffer kaltblütig aus.
«Die Mentalität, wie wir es durchgezogen haben, war eine reife Leistung. Solche Spiele können sehr schwierig sein. Nun müssen wir im nächsten Spiel das Spiel erneut 60 Minuten durchziehen und den Fokus auf das nächste Spiel setzen und von Anfang an den richtigen Mindset haben», sagte Meier nach dem Spiel.
Die Ungarn waren zwar heiss auf das Spiel und erhielten ebenfalls lautstarken Fansupport in Herning, doch zu Chancen kamen sie nur gelegentlich, während es auf der anderen Seite öfters brenzliger wurde und ein weiterer Schweizer Treffer in der Luft lag. Dies zumal Akos Mihaly den Schweizer Stürmer Christoph Bertschy mit einem hohen Stock erwischte, ohne dass die Schweizer ihr erstes Powerplay ausnutzten.
Mit der frühen 2:0-Führung hatten die Schweizer jedoch früh ihren Beitrag geleistet, dass es kein zähes Ringen gegen den Aufsteiger würde.
Das Mitteldrittel lief lange verhalten. Die Ungaren konnten nicht viel mehr, die Schweizer schienen an Geradlinigkeit nach vorne verloren zu haben ehe in der 32. Minute mit dem dritten Schuss aufs Tor Egli erneut von der blauen Linie abzog und diesmal selbst den Treffer zugeschrieben erhielt. Die Scheibe ging durch Verkehr vor dem Tor und wurde berührte noch den Körper des ungarischen Verteidigers Zsombor Garat.
«Ich hatte nicht die Hoffnung, dass ich Tore schiesse. Ich wollt einfach, wenn ich Eiszeit habe, geradlinig spielen, wie wir es uns vorgenommen haben, und tun was von mir erwartet wird. Aber es ist schön, wenn man Tore schiessen kann und der Mannschaft so helfen kann», sagte Egli.
97 Sekunden später erhöhte Meier mit seinem zweiten Tor zum 4:0 als er nach einem abgewehrten Schuss Tyler Moys abstauben konnte. Es ging gleich weiter im Takt: Zwei Minuten später erhöhte Janis Moser mit einem Hammerschuss von hinter dem Bullykreis zum 5:0.
Auch im Schlussdrittel liessen die Schweizer dem Gegner kaum etwas zu. In der 45. Minute jubelten sie dem vermeintlichen sechsten Tor zu, doch weil Fiala den Torhüter in dessen Torraum bedrängte, winkten die Unparteiischen umgehend ab. Dass die Schweizer Fans auch im Schlussdrittel etwas zu jubeln hatten, dafür sorgte erneut Egli mit einem weiteren Schuss aus dem Hinterhalt zum 6:0. 48 Sekunden später erhöhte Ambühl zum 7:0, der in der Mitte schön von Sandro Schmid eingesetzt wurde. Mit einem weiteren Weitschusstreffer kam es fünf Minuten vor Schluss sogar noch zum 8:0 durch Andrea Glauser und eine Minute vor Schluss fiel das neunte Tor durch Ambühl. 39,9 Sekunden vor der Schlusssirene gelang schliesslich Fiala das «Stängeli» – daran konnte auch ein Witz eines Coaching Challenges der Ungaren nichts mehr ändern.
«Es ist eine hübsche Zugabe», sagte Ambühl zum Hattrick an seiner 20. und letzten Weltmeisterschaft. Doch für ihn gilt den Fokus nun dem nächsten Gegner. «Es waren in den letzten Jahren enge Spiele. Für sie geht es um viel, um den Klassenerhalt. Wir müssen bereit sein.»
Auf der anderen Seite lief wenig. Leonardo Genoni musste ganze fünf Schüsse abwehren um sich seinen Shutout zu verdienen.
Damit übernehmen die Schweizer zumindest temporär die Tabellenführung von den Tschechen und könnten diese übermorgen mit einem Sieg gegen Kasachstan festigen – sofern die Tschechen in ihren Spielen gegen Deutschland und den USA mindestens zwei Punkte liegen lassen. Der erste Platz würde ein Viertelfinalspiel hier in Herning sichern selbst für den Fall, dass der Gastgeber Dänemark weiterkommen und der Tabellenzweite nach Stockholm reisen müsste.
Soweit denken die Schweizer aber nicht und fokussieren sich auf das, was sie beeinflussen können. Gegen Kasachstan wird die Schweiz wieder in Bestbesetzung spielen. Mit Nino Niederreiter von den Winnipeg Jets stand das Management heute in Kontakt, zu bestätigen gab es aber noch nichts. Fischer hofft morgen eine definitive Antwort zu haben. Eine möglichst positive Antwort.
Ungarn – Schweiz 0:10 (0:2, 0:3, 0:5)
Jyske Bank Boxen, Herning. – 2846 Zuschauer. – SR: Brander (FIN) / Ofner (Ö), Beresford (GB) / Briganti (USA).
Tore: 5:44 Ambühl (Egli, Moser) 0:1. 7:25 Meier (Kukan) 0:2. 31:57 Egli (Glauser, Fiala) 0:3. 33:24 Meier (Moy, Fiala) 0:4. 35:21 Moser (Baechler) 0:5. 50:03 Egli (Moser, Meier) 0:6. 50:51 Ambühl (Schmid, Marti) 0:7. 54:49 Glauser (Jäger) 0:8. 58:53 Ambühl (Fora, Moser) 0:9. 59:20 Fiala (Moy, Marti) 0:10.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Ungarn, 2-mal 2 Minuten gegen die Schweiz.
Schüsse aufs Tor: 6:37 (3:11, 1:10, 2:16)
Ungarn: Vay (Ersatz: Dominik Horvath); Garat, Milan Horvath; Hadobas, Ortensky; Szabo, Szathmary; Tornyai; Szongoth, Hari, Gallo; Erdely, Papp, Vincze; Bence Horvath, Nagy, Mihalik; Ambrus, Nemeth, Mihaly; Laskawy.
Schweiz: Genoni (Ersatz: Charlin); Kukan, Berni; Glauser, Moser; Fora, Marti; Egli; Meier, Moy, Fiala; Riat, Jäger, Hofmann; Bertschy, Schmid, Knak; Ambühl, Baechler.
Bemerkungen: Schweiz ohne Hischier (verletzt), Andrighetto, Malgin und Siegenthaler (alle geschont). Ungarn ohne Balizs, Nilsson und Terbocs.
