Schweizer U18-Nati verliert auch gegen Deutschland

Von Rolf Schwarz
Deutschland
5
2 - 2 - 1
Schweiz
4
1 - 1 - 2
27.04.2025
long.u18
2:1‧2:1‧1:2
Spielbericht

Mit der 4:5 Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland steht fest, dass die Schweiz am Mittwoch gegen den Gruppenletzten der Gruppe A gegen den Abstieg spielen muss.

Die Schweiz muss punkten, und zwar voll. Ein Dreier muss her, will man noch ins Viertelfinale kommen können und nicht bereits definitiv gesetzt sein, das Relegationsspiel bestreiten zu müssen. Den Deutschen hingegen reicht ein Punkt, um ins Viertelfinale vorzustossen, weil Deutschland gegen Tschechien in der Verlängerung gewonnen hat und dadurch bereits zwei Punkte auf dem Konto stehen hat. Gegenüber gestern tritt die Schweiz praktisch unverändert an. Es gibt auch keinen Grund für Veränderungen, hat doch vieles grundsätzlich gut funktioniert im Spiel gegen Tschechien.

Offener Schlagabtausch zwischen den beiden Kontrahenten zu Beginn der Partie: Mit der Passgenauigkeit hapert es aber beidseits noch sehr. Viele Aktionen sind überhastet. Dadurch entstehen für den Gegner immer wieder Möglichkeiten, die Angriffe zu unterbinden und den Gegenangriff zu lancieren. So etwas wie eine Mini-Druckphase der ZSC-Fraktion um Troxler, Bouvard und Peter, welche zu ein paar Abschlüssen kommen, bringt der Schweiz zur Drittelshälfte optische Überlegenheit. Nach 11 Minuten kommt’s zur ersten Strafe des Spiels gegen Deutschland. Die Schweizer können sich im gegnerischen Drittel festsetzen und Nappiot erzielt für die Schweiz in Überzahl das erste Tor. Beim Ausgleich für Deutschland sind die Schweizer zu passiv und schauen zu, wie Gustavs Griva unbedrängt den Pass zu Torschütze Carlos Händel spielen kann. Deutschland doppelt gleich nach im Powerplay. Es ist wieder Captain Händel, welcher das Heft in die Hand nimmt und mit einem Distanzschuss für die Pausenführung für sein Team sorgt. Für Goalie Trachsel war die Sicht bei diesem Treffer verdeckt.

Nur eine Minute nach Wiederbeginn kommt die Schweiz mit einem blauen Auge davon, als die Schiedsrichter ein On Ice-Goal der Deutschen nach Konsultation der Videobilder überraschend wieder annullieren. Die Verunsicherung der Schweiz ist aber dadurch nicht kleiner geworden. Schenk wandert wegen eines Hakens auf die Strafbank. Die Schweiz übersteht diese Druckphase unbeschadet. Nur Schade, muss Schenk nach nur 9 Sekunden zurück auf dem Eis schon wieder auf die Bank. Und diesmal gelingt den Deutschen der dritte Treffer durch Lewandowski. Wichtig aus Schweizer Sicht ist es, dass der Anschlusstreffer nicht lange auf sich warten lässt. Aeschlimann kann exakt zur Spielhälfte mit einem direkt abgezogenen Handgelenkschuss das Zuspiel von Neuenschwander zum 2:3 verwerten. Willhoft kann von Bichsel nur noch mit einer Notbremse gestoppt werden. Die Deutschen bekommen naher einen Penalty zugesprochen, welchen Willhoft gleich selbst in der 36. Minute sicher verwandelt und den Zweitore-Vorsprung wieder herstellt.

Franzina kann auf Zuspiel von Mundy und Pedrotti wieder verkürzen und den dritten Schweizer Treffer markieren. Das gibt den Eidgenossen wieder Aufwind und sie drücken jetzt vehement auf den Ausgleich. Es bräuchte aber noch zwei Tore. Eine nächste Gelegenheit ergibt sich bei einem weiteren Überzahlspiel. Und weil gleich noch eine Strafe verhängt, wird gegen Deutschland kann die Schweiz mit 5:3 Feldspielern agieren. Nun benötigen die Schweizer nicht viel Zeit und da «het’s gschället»: Schenk haut sich den Frust vom Leib und gleicht das Spiel zum 4:4 aus. Noch bliebe genügend Zeit, um in Überzahl noch einmal zu treffen. Aber es bleibt vorerst beim 4:4. Dreieinhalb Minuten vor Ende der regulären Spielzeit besiegelt Spath Mariscal das Schicksal der Schweiz mit dem fünften Treffer für Deutschland. Die Schweizer Nati ersetzt Trachsel drei Minuten vor Ende nach einem Timeout durch den 6. Feldspieler. Mehr als ein Pfostenschuss schaut aber nicht mehr heraus. Deutschland gewinnt die Partie und sichert sich so die Viertelfinalteilnahme. Die Schweiz verpasst erstmals seit 2019 den Einzug in die Viertelfinals und muss am Mittwoch das Relegationsspiel bestreiten.

«Wir haben passiv begonnen, die Deutschen haben recht clever gespielt. Dann ein paar individuelle Fehler. Wir sind dann gut zurückgekommen, haben «gepresst» aber es ging dann zum Schluss nicht auf», gibt der Torschütze zum zwischenzeitlichen 4:4 Ausgleich für die Schweiz, Florian Schenk Auskunft. Davon ausgehend, dass das Relegationsspiel voraussichtlich gegen Norwegen wird stattfinden wird, lässt er verlauten, dass es sich dabei um einen Gegner handelt, der recht physisch spielt. Es gebe nun nichts Anderes, als diesen Match zu gewinnen.

Coach Fabio Schumacher ist nicht zufrieden mit der Passivität seines Teams. Dabei hätten sie doch loslegen wollen, da wo sie gestern aufgehört hätten. «Dann die beiden Tore in Unterzahl, die nicht hätten passieren dürfen. Und der Penalty, welchen wir verschulden, weil wir offensiv fokussiert sind und dabei gar nicht offensiv spielen. Und dann auf einmal ist 4:4, ok – wir sind im Spiel. Und wir wussten, wir brauchen 3 Punkte, also nehmen wir den Goalie raus.» Und dann hätten sie einfach wieder ein Tor erhalten, welches man nicht beschreiben könne. Alles wieder zu passiv. Auch er geht davon aus, dass der Gegner nun Norwegen sein wird. «Wir haben sie noch nie gespielt. Das wird sicher eine Überraschung werden für beide Teams. Jetzt braucht’s eine gute Vorbereitung, Pre-Scout. Denn wir wollen in dieser Liga bleiben, das ist ganz klar. Die Enttäuschung ist noch da. Aber das muss morgen wieder anders sein. Wir müssen uns erholen, danach ein gutes Training machen und dann sind wir gegen Norwegen gewappnet. Wenn wir so spielen wie am Ende heute, haben wir morgen eine Chance und sonst nicht!»

Telegramm

Deutschland – Schweiz 5:4 (2:1, 2:1, 1:2)

Comerica Center, Frisco - Schiedsrichter: Magnusson/Zak, Makinen/Sostumoen.

Tore: 12:13 Nappiot (van der Kaaij, Mundy; Ausschluss Spath Mariscal) 0:1; 17:36 Händel (Griva G.) 1:1; 17:55 Händel (Ausschluss Schenk) 2:1; 28:42 Lewandowski (Schneider, Händel, Ausschluss Schenk) 3:1; 30:00 Aeschlimann (Neuenschwander) 3:2; 35:51 Willhoft (Penaltyschuss) 4:2; 46:37 Franzina (Mundy, Pedrotti) 4:3; 51:14 Schenk (Pedrotti, Neuenschwander; Ausschlüsse Bleicher und Warnecke) 4:4; 56:43 Spath Mariscal (Penkin, Ziergiebel) 5:4.

Strafen: 4 x 2 Minuten gegen Deutschland, 3 x 2 Minuten gegen die Schweiz.

Schussverhältnis: 32:42 (13:10, 9:11, 10:21)

Deutschland: Stuhrmann (Oswald); Hempel, Händel (C); Bleicher, Warnecke; Rolsing, Kruger; Bicker; Lewandowski, Schafer (A), Schneider; Griva G., Griva R., Willhoft; Penkin, Kose (A), Zwickl; Ziergiebel, Spath Mariscal, Reinwald; Grin.

Schweiz: Trachsel (Birchler); van der Kaaij (C), Lehmann N.; Haas, Bichsel; Nappiot (A), Pedrotti; Moret; Schenk, Neuenschwander, Aeschlimann; Mundy, Franzina, Aebli; Troxler, Bouvard, Peter (A); Hasler, Lehmann L., von Rohr; Andrey.

Bemerkungen: Deutschland ohne Kose, Brandt und Kaiser; Schweiz ohne Steinmann, Baer und Dandois; Best Player Deutschland: Händel; Best Player Schweiz: Franzina.

Resultat:

5:4