Schnellzug durch Löwen umgeleitet
ZSC Lions
EV Zug
Spielbericht
Der EV Zug dominierte ein intensives Playoff-Spiel im Zürcher Stadiönli und verlor dennoch mit 2:4. Die ZSC Lions und ein überragender Ari Sulander verstanden es, den Gegner spielen zu lassen und eine früh erlangte Führung zu verwalten.
Der EV Zug zog in seiner letzten Meisterschaftspartie der Saison weite Kreise durchs Zürcher Stadiönli. Während 60 Spielminuten rollte ein Schnellzug auf Ari Sulander, allen voran Oleg Petrov und Mike Fisher. Zweimal trafen die Zuger die Maske von Ari Sulander, ebenfalls zweimal traf Mike Fisher den Pfosten. Weitere Zuger Angriffsbemühungen wurden von der aufmerksamen Zürcher Verteidigung geschickt in die Ecken abgedrängt und was von da auf den Finnischen Torhüter der Lions kam, das hielt dieser magistral. Ganz anders die ZSC Lions, welche sich heute mit offensiver Schonkost begnügten. Die Chancen, die sich den Stadtzürchern aber boten, die nutzten diese kaltschnäuzig aus. Bereits nach einer Spielminute konnte Toni Virta die Lions mit dem ersten Schuss auf Lars Weibel in Führung bringen, ab diesem Zeitpunkt rannte der EV Zug einem Rückstand hinterher. Gegen Mitte des ersten Drittels schickte der teils strenge, teils grosszügige Schiedsrichter Rochette gleich zwei Zürcher auf die Strafbank. Die Zuger konnten mit einem statischen Powerplay nie wirklich gefährlich vor Ari Sulander auftauchen und so tankten die Lions nur zusätzliche Kraft für den weiteren Spielverlauf. In der letzten Minute des ersten Spielabschnitts war es dann Andreas Camenzind, welcher Lars Weibel in Überzahl mit einem Buebetrickli bezwang. Zu diesem Zeitpunkt glaubten bereits die meisten Zuschauer im erneut nicht ausverkauften Stadiönli an den Playoff Final, dies obschon vor Allem die Zuger das Spiel bestimmten.
Anders sollte es auch im zweiten Spielabschnitt nicht aussehen, doch nun fanden die Zuger den direkten Zug auf das Zürcher Tor. Als mehr Gefahr vor Ari Sulander entbrannte, verteidigte Andri Stoffel seinen Finnischen Kollegen vehement. Gegen Frédéric Rothen zeigte er eine Boxeinlage, welche nach Punkten wohl an den Bündner im Zürcher Dress gegangen wäre. Schiedsrichter Rochette schickte beide Akteure unter die Dusche. Die Lions verloren nun zusehends die Kontrolle über das Zuger Spiel und es bedurfte einiger Big Saves durch Ari Sulander, um das Resultat zu halten. Zu Spielmitte war aber auch er geschlagen, Gian-Marco Crameri traf zum Anschluss. Auch das erst noch überragende Powerplay der Zürcher verkam nun zur offensiven Schonkost und so konnten die Lions auch ein unbeherrschtes Revanchefoul von René Back nicht ausnutzen. Wieder bei Vollbestand war es dann aber der heute omnipräsente Mike Fisher, der zwei Sekunden vor der Drittelspause für die Zuger ausgleichen konnte. Geschickt wartete er, bis der Zürcher Verteidiger seinem heute überragenden Torhüter die Sicht verdeckte.
Der Pausentee muss die Lions zu alter Effizienz zurückgebracht haben, kaum waren die Akteure wieder auf dem Eis, traf Toni Virta zu seinem zweiten persönlichen Tor des Abends. Barry Richter verlor zuvor die Scheibe an der offensiven blauen Linie. Nun konnten die Zürcher wieder mit frühem Forechecking und konsequenter Zonenverteidigung den Zuger Schnellzug in ungefährliche Bahnen lenken. Randy Robitaille hätte in der sechsten Spielminute des letzten Drittels die Vorentscheidung eigentlich auf dem Stock gehabt, er bezwang Lars Weibel, traf aber das leere Tor nicht. Obwohl sie das bereits seit Spielbeginn versuchten, mussten die Zuger nun noch mehr offensiven Druck auf das Zürcher Tor machen. So bot sich den Lions die Chance zu gefährlichen Kontern. Zwei Minuten vor Spielende entwischte Sven Helfenstein, René Back wusste sich nur noch mit einem Foul zu helfen. Den folgenden Penalty verwandelte Jan Alston routiniert und die Türe zum Playoff Final stand erneut weit offen. Oleg Petrov trieb den Zuger Schnellzug noch einmal an. Als Ari Sulander aber einen seiner Angriffe erneut unter seiner Fanghand begrub, schlug Petrov nach. Somit fehlte der Motor des Schnellzugs in der letzten Phase des Spiels. So konnten die Innerschweizer denn auch ohne Torhüter nichts mehr bewegen. Der diesjährige NLA-Playoff-Final findet also unter der Teilnahme einiger illustrer NHL Stars in der Trainingshalle Kebo – „Stadiönli“ genannt - statt. Gegensätzlicher könnte diese ehe schon verrückte NLA-Saison nicht zu Ende gehen.
Sean Simpson blieb es, den ZSC Lions für ihre geschlossene Mannschaftsleistung zu gratulieren. Er war stolz auf den Charakter, den seine Mannschaft nach einem Zweitore-Rückstand gezeigt hat. Zuletzt erinnerte er, dass der EV Zug vor zwei Jahren fast in die Nationalliga B abgestiegen wäre, somit sei diese Halbfinalteilnahme ein voller Erfolg. Christian Weber fühlte sich natürlich grossartig, zum ersten Mal als Trainer in einem Playoff Final zu stehen. Nun erwartet er aber einen Gegner, der auf dem Papier viel stärker ist als seine ZSC Lions. Und so fand heute Abend der unterlegene Trainer die positiveren Worte für die Zukunft, als dies der siegreiche Trainer tat. Nun, auch das sind einfach die Playoffs, the show must go on.
Shots on Goal: 18:39 (5:15, 5:11, 8:13)
PP Shots: 4:8 (1:5, 2:1, 1:2)
PP Goals: 2:0 (1 Penalty ZSC Lions)
SH Shots: 0:0
