Patrick Fischer wagt Schritt an Öffentlichkeit

09.06.26 - Medienmitteilung

Der ehemalige Nationalcoach Patrick Fischer äussert sich erstmals seit seiner Freistellung zu den Hintergründen der Covid-Affäre, zum Druck des Verbands, zum Umgang des SRF mit einem vertraulichen Gespräch – und blickt auf die erfolgreichste Ära der Schweizer Nationalmannschaft zurück.

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Erstmals seit seiner Freistellung äussert sich Patrick Fischer öffentlich zu den Ereignissen der vergangenen Monate. In einem rund 35-minütigen TV-Interview auf seinem eigenen YouTube-Kanal spricht der ehemalige Nationaltrainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft über die Verwendung eines gekauften Covid-Zertifikats, einen Vertrag mit finanziellen Sanktionen des Schweizer Eishockeyverbands sowie die Rolle des SRF. Gleichzeitig zieht Fischer Bilanz über seine Zeit als Nationalcoach, ordnet die jüngste Weltmeisterschaft ein und gibt einen Ausblick auf seine persönliche Zukunft.

«Ich wollte die Weltmeisterschaft abwarten. Aus Respekt gegenüber der Mannschaft, den Fans, dem Turnier und allen Menschen, die mit viel Leidenschaft zu diesem Anlass beigetragen haben. In den letzten Wochen wurde viel spekuliert. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, meine Sicht darzulegen», sagt Fischer.

Fischer macht deutlich, dass seine klare Haltung zur Covid-Impfung innerhalb des Verbands bekannt gewesen sei. Vor diesem Hintergrund habe ihm der Verband im Herbst 2021 einen Vertrag mit einer Covid-Klausel vorgelegt. Diese verpflichtete ihn, sämtliche geplanten Einsätze als Nationaltrainer wahrzunehmen: «Der Vertrag sah hohe finanzielle Sanktionen vor, falls ich aufgrund des fehlenden Impfzertifikats bestimmte Verpflichtungen in der Funktion als Head Coach nicht wahrnehmen könnte.»

Der Druck, eine Lösung für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking zu finden, sei entsprechend gross gewesen. Heute sei ihm bewusst, dass sein damaliger Entscheid falsch gewesen sei: «Rückblickend wäre es der richtige Entscheid gewesen, den Vertrag nicht zu unterschreiben und die Konsequenzen zu tragen.»

Fischer verteidigt zudem seine damalige Einschätzung hinsichtlich eines möglichen Gesundheitsrisikos für Team und Delegation während der Olympischen Spiele in Peking. Aus seiner Sicht habe das umfassende Test- und Schutzregime ein vertretbares Risiko dargestellt. «Weil wir vor der Abreise, bei der Einreise und während der gesamten Olympischen Spiele täglich getestet wurden. Positive Fälle wurden sofort isoliert.» Auch konkrete Quarantäne-Fälle innerhalb des Teams hätten gezeigt, dass das System funktionierte.

Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews betrifft die Veröffentlichung seiner Aussagen zum Covid-Zertifikat durch SRF. Fischer schildert, dass die Gespräche während eines gemeinsamen Mittagessens zustande kamen, welche nicht Teil der Dreharbeiten waren. Sie waren ausdrücklich als vertraulich und «offthe record» deklariert.

Dabei verweist er auf eine E-Mail des SRF-Journalisten Pascal Schmitz an Finn Sulzer, Medienchef des Schweizer Eishockeyverbands. Darin schreibt Schmitz am 19. März 2026: «Ich schreibe dir bezüglich unseres Off-the-Record-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten… Mir ist die Bedeutung einer Off-the-Record-Vereinbarung sehr bewusst, und ich nehme dies ernst.» Umso irritierter sei Fischer gewesen, als der SRF-Chefredaktor später öffentlich erklärte: «Ich möchte hier nochmals festhalten: Es war kein Off-the-Record-Gespräch.»

Fischer sagt dazu: «Entweder wurde hier vorsätzlich gelogen oder mir fahrlässig Unrecht getan.»

Neben der Aufarbeitung der vergangenen Monate richtet Fischer den Blick auch auf das sportliche Erbe seiner Amtszeit. Die Silbermedaille an der diesjährigen Weltmeisterschaft sei zwar nicht das angestrebte Ziel gewesen. Dennoch erfülle es ihn mit Stolz, dass die Schweiz erneut einen WM-Final erreicht und während des Turniers erstmals die Nummer 1 der Weltrangliste geworden sei.

«Drei WM-Finals in Folge erreicht man nicht zufällig. Das ist das Resultat von harter Arbeit, Vertrauen und einer aussergewöhnlichen Mannschaft.»

Besonders stolz sei er darauf, dass sich die Schweiz während seiner Amtszeit dauerhaft an der Weltspitze etabliert habe. Gemeinsam mit Spielern, Staffund Verband sei über Jahre eine Kultur entstanden, die von Teamgeist, Verbindlichkeit, Mut und einer klaren Identität geprägt gewesen sei.

Tief bewegt zeigt sich Fischer auch von der Unterstützung, die er und seine Familie in den vergangenen Wochen erfahren haben: «Die Solidarität war überwältigend. Meine Familie und ich haben unzählige Nachrichten erhalten. Dafür werden wir immer dankbar sein.»

Beruflich will Fischer nun bewusst ein neues Kapitel aufschlagen, wie es bereits vor seiner Freistellung geplant war. Sein nächster Schritt stehe bereits fest. Künftig möchte er seine Erfahrungen aus Spitzensport, Führung, Mentaltraining und Persönlichkeitsentwicklung weitergeben. Im Zentrum sollen Menschen stehen, die ihr Potenzial entfalten und neue Wege gehen möchten.

Das vollständige Interview ist auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Patrick Fischer verfügbar.

Link zum Interview: https://youtu.be/BryXlQW2zwg

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