Nach Brutalo-Foul: Deutschland will Wagner aufbieten
Fabio Wagner vom EHC Red Bull München steht nach einem Brutalo-Foul mitten in einer Sperre von 14 Spielen – trotzdem gedenkt Deutschland ihn für die WM in der Schweiz aufzubieten. Möglicherweise macht der DEB die Rechnung aber ohne die IIHF.
In der neuen Woche mit dabei ist in der deutschen Nationalmannschaft der Lausanne-Stürmer Dominik Kahun. Mehr zu reden gibt jedoch die Nominierung des München-Verteidigers Fabio Wagner.
Der Olympia-Teilnehmer Wagner checkte am 31. März im Viertelfinalspiel Ingolstadts Edwin Tropmann in hoher Geschwindigkeit gegen Kopf und Körper ohne Versuch an die Scheibe zu gelangen. Dies bei einer 7:2-Führung Ingolstadts 100 Sekunden vor Schluss. «Der Check wurde extrem rücksichtslos und ohne spieltaktischen Zweck ausgeführt», begründete der Disziplinarausschuss der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die ausgesprochene Sperre von 14 Spiele, die dafür sorgte, dass er mindestens bis Saisonende in der Liga gesperrt würde.
Tropmann war nach dem Zusammenprall bewusstlos, blieb mit zuckenden Beinen liegen und wurde nach minutenlanger Behandlung auf dem Eis auf einer Trage vom Spielfeld getragen und hospitalisiert. Die Partie wurde nicht wiederangepfiffen, jedoch beim Spielstand von 7:2 gewertet. Gegen Wagner ging auch eine Strafanzeige ein, jedoch nicht auf Eingabe des Opfers, sondern durch einen Hockeyfan. Tropmann konnte das Spital nach zwei Tagen mit einem Schädel-Hirn-Trauma verlassen.
München scheiterte im Halbfinale an Mannheim, womit die Sperre in die neue Saison hinein geht. Für den Deutschen Eishockey Bund (DEB) ist dies kein Hindernis, den Spieler heute für die WM-Vorbereitung aufzubieten. Dass dies moralisch heikel ist, scheint man sich bewusst und hat die Medienmitteilung vorsorglich mit einem Statement versehen.
«An seinen sportlichen Qualitäten gibt es keinen Zweifel. Das bestätigen seine 100 Länderspiele für die Nationalmannschaft, in denen er stets eine wichtige Stütze für uns war. Den Vorfall in den Playoffs haben wir in Gesprächen mit Fabio, der PENNY DEL und allen Beteiligten aufgearbeitet. Auf dieser Grundlage haben wir im Verband gemeinsam entschieden, ihm die Möglichkeit zu geben, seinen Beitrag für die Nationalmannschaft zu leisten», wird das Vorstandsmitglied Christian Künast zitiert.
Das Aufgebot hatte sich abgezeichnet. Künast sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung am Wochenende: «Die Entscheidung hat Brisanz. Er wurde von der Liga bestraft, das hat für uns keine Relevanz.»
Wirklich?
Der internationale Eishockeyverband (IIHF) hat in ähnlichen Fällen schon Spieler für nicht spielberechtigt erklärt. Laut den IIHF-Statuten muss ein Landesverband die IIHF über eine Sperre informieren, welche die Möglichkeit für das Nationalteam und in IIHF-Wettbewerben zu spielen einschränkten könnte. Die IIHF kann dann entscheiden, einen Spieler mit laufender Sperre als nicht spielberechtigt für IIHF-Wettbewerbe zu erklären und eine Registrierung im WM-Kader verweigern. Daher ist es durchaus denkbar, dass der Wirbel um das Aufgebot umsonst war.
