Stellungnahme NL zur U23-Liga
Stellungnahme der National League zur geplanten Neuausrichtung der Juniorenliga U21-Elit.
Die 14 National-League-Organisationen planen, mittelfristig die Entwicklungslücke beim Übergang zwischen Nachwuchs und Profibereich zu schliessen. Mit einer Erhöhung des Alters auf U23 soll der sportliche Abstand zur National League reduziert und die Ausbildungsarbeit innerhalb Club-Organisationen gestärkt werden. Dafür hat der Strategieausschuss der National League Vertretern der Swiss League und von Swiss Ice Hockey in Interlaken am 10. März 2026 ein entsprechendes Positionspapier im Sinne eines Vorschlags präsentiert. Dieser von den Sportchefs der National-League-Clubs ausgearbeitete Vorschlag ist seither Gegenstand von internen und externen Diskussionen. Fakt ist: Am Ende des Meetings wurde vereinbart, das Positionspapier mit den Sportchefs der Swiss League bis Ende März zu diskutieren und die Gespräche danach fortzuführen. Eine Integration von Juniorenteams in die Sky Swiss League war nie geplant und wurde auch zu keiner Zeit so kommuniziert.
Der Übergang vom Nachwuchs in den Profibereich ist im Schweizer Eishockey in den letzten Jahren deutlich anspruchsvoller geworden. Besonders der Schritt von der heutigen U21-Elit in die National League stellt für viele Spieler eine grosse sportliche Herausforderung dar. Der Leistungs- und Intensitätsunterschied zwischen Nachwuchs- und Profieishockey ist deutlich gewachsen, wodurch sich nur noch wenige Spieler direkt und nachhaltig auf diesem Niveau etablieren können. Hier will man seitens National League ansetzen.
Bisher viele Entwicklungswege, aber wenig Struktur
Viele Spieler befinden sich nach der U21-Elit in einer entscheidenden Entwicklungsphase: Sie verfügen über grosses Potenzial, erfüllen jedoch häufig noch nicht vollständig die physischen, spielerischen und mentalen Anforderungen des Profieishockeys. Gleichzeitig fehlt im Altersbereich zwischen 19 und 22 Jahren eine klar strukturierte Entwicklungsstufe, die die Spieler gezielt auf diesen Übergang vorbereitet. In der heutigen Struktur verteilt sich diese Phase der Entwicklung oft auf verschiedene Wege, darunter Einsätze in der U21-Elit, sporadische Spiele in der National League, Engagements in der Sky Swiss League oder ein Wechsel ins Ausland. Diese Wege funktionieren teilweise, führen jedoch nicht immer zu einer klar gesteuerten und nachhaltigen Spielerentwicklung.
Die Folgen dieser fehlenden "Brücke" sind deutlich sichtbar: Zu wenig junge Spieler schaffen nachhaltig den Sprung in die National League. Gleichzeitig nimmt die Abwanderung junger Talente ins Ausland zu. Zudem ist der Markt an verfügbaren Schweizer Spielern zu klein, was zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führt und steigende Kosten für die Clubs verursacht.
Ziel: Gezielte Vorbereitung aufs Profieishockey
Hier kommt die angedachte Neuausrichtung der U21-Elit ins Spiel. Ziel dieser vorgeschlagenen Neuausrichtung ist es, die oben geschilderte Entwicklungslücke zu schliessen und den Übergang vom Nachwuchs in den Profibereich besser zu strukturieren. Dazu soll eine leistungsorientierte Ausbildungsliga geschaffen werden, welche junge Spieler gezielt auf die Anforderungen des Profieishockeys vorbereitet. Damit soll der sportliche Abstand zur National League reduziert und die Ausbildungsarbeit innerhalb Club-Organisationen gestärkt werden. Langfristig will man damit erreichen, dass mehr Schweizer Spieler den Schritt in die National League schaffen und sich dort etablieren können.
Alterserhöhung als zentrales Element
Ein zentrales Element der Neuausrichtung ist die Anpassung der heutigen U21-Elit zu einer U23-Struktur, die Spielern bis zu einem Alter von 23 Jahren eine Plattform bietet. Durch die Erhöhung der Altersgrenze erhalten die Spieler mehr Zeit für ihre Entwicklung und können länger in einem professionellen Ausbildungsumfeld bleiben. Gleichzeitig ist geplant, die Liga organisatorisch vollständig in die National League zu integrieren, wodurch die letzte Ausbildungsphase enger mit dem Profibereich abgestimmt ist. Zudem soll die Anzahl der Meisterschaftsspiele reduziert werden, um mehr Zeit für Training, Athletik, individuelle Entwicklung, Ausbildung sowie Regeneration zu schaffen. Damit soll der Fokus stärker auf der langfristigen Spielerentwicklung und weniger auf der reinen Spielbelastung liegen.
Weitere wichtige Elemente der Neuausrichtung sind klare Einsatzregelungen und Arbeitsverträge für die Spieler sowie eine stärkere Verantwortung der Clubs für die Entwicklung ihrer eigenen Talente. Ziel ist es, eine stabile und professionelle Ausbildungsumgebung zu schaffen, welche die individuelle Entwicklung der Spieler in den Mittelpunkt stellt.
Auswirkungen aufs Eishockey-Ökosystem
Die Einführung einer solchen U23-Struktur wird auch Auswirkungen auf andere Ligen haben, insbesondere auf die Sky Swiss League. Heute werden viele junge Spieler aus den Organisationen der National League mit B-Lizenzen an die Sky Swiss League ausgeliehen. Insgesamt sind derzeit 119 solcher Spieler bei elf Sky-Swiss-League-Clubs im Einsatz. Wenn künftig mehr dieser Spieler innerhalb der eigenen Organisationen in der U23-Elit eingesetzt werden, könnte sich die Kader Zusammensetzung der Sky Swiss League entsprechend verändern. Gleichzeitig würden sich daraus auch neue Chancen ergeben: Die Sky Swiss League könnte sich stärker als eigenständige Profiliga im Erwachsenenbereich positionieren, mit mehr Kontinuität in den Kadern und einer grösseren Rolle für erfahrene Spieler. Zudem würde die Bedeutung der eigenen Talententwicklung innerhalb der Clubs zunehmen. Gleichzeitig soll weiterhin die Möglichkeit bestehen, Spieler bei Bedarf über Leihmodelle gezielt in anderen Ligen einzusetzen, um zusätzliche Spielpraxis zu ermöglichen.
Miteinbezug von Swiss League und SIHF
Ziel dieses Ansatzes ist es, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen, bestehende Strukturen der Ligen zu nutzen und die Zusammenarbeit im gesamten System zu stärken. Dadurch kann die Entwicklung junger Spieler nachhaltig verbessert werden.
Insgesamt verfolgt die Neuausrichtung das Ziel, die entscheidende Entwicklungsphase zwischen 19 und 22 Jahren im Schweizer Eishockey zu stärken. Mit der Einführung einer strukturierten U23-Elit Liga soll eine professionelle Ausbildungsplattform entstehen, die junge Spieler gezielt auf den Profibereich vorbereitet und die Integration von Schweizer Talenten in die National League langfristig verbessert. Gleichzeitig ist man bereit, diesen Weg in Zusammenarbeit mit der Sky Swiss League, der MyHockey League und der SIHF auszugestalten und weiterzuentwickeln.
