Der Leitbär geht - was die Protagonisten sagen
Nun ist es (wieder) geschehen. Marc Lüthi tritt als CEO des SC Bern zurück. Wobei so ganz wahrhaben kann man dies noch nicht. Vor einigen Jahren tat eben dieser Marc Lüthi dasselbe. Um nur wenig später wieder auf der grossen Bühne des SC Bern als CEO zu übernehmen.
Damals waren die Vorzeichen anders. Und auch die Geschichte dazu. Damals zog Lüthi sich nur aus der operativen Führung zurück und übergab das Tagesgeschäft an Raeto Raffainer. Lüthi selbst blieb indes im Verwaltungsrat und präsidierte diesen. Diesen Punkt schloss er an der heutigen Pressekonferenz aus. «Ich habe meine Aktien verkauft, will weder in den Verwaltungsrat noch in ein anderes Amt mit Verbindung zum SC Bern gehen.» Und mit einem Augenzwinkern zum Fussball, besser zum Grasshoppers Club Zürich und einem gewissen Vogel, lachte Lüthi jovial und sagte: «Ich werde sicher kein Vogel sein,» Wonach ihm ein gewiefter Journalist leicht ironisch und humorvoll antwortet: «Marc, ich nehme dich da beim Wort!» Lachend wandte sich der CEO ab, wohl wissend, dass der Journalist nicht ganz unrecht haben würde. Item.
Vom 1. Mai an wird Jürg Fuhrer CEO des grössten Klubs der Schweiz werden. Bereits seit zwei Jahren ist Fuhrer im Verwaltungsrat und hat unter anderem in der SCB Gastro und dem SCB Future Eindrücke gesammelt. Auf Wunsch von ihm selber, denn, so der designierte Nachfolger von Marc Lüthi, «ich wollte den SC Bern kennen lernen.»
Diese Aufgaben, unter anderem auch den SCB Future in die neue Zeit nach Lüthi zu führen, dürfte für den Macher aus Konolfingen, eine Herkulesaufgabe werden.
Auch andere Baustellen warten auf ihn. Und dies ist wörtlich gemeint. Die in die Jahre gekommene PostfinanceArena braucht ein Lifting. Ob er den glaube dass er in diesem Jahr eine gute Botschaft verkünden könne zu diesem Vorhaben? «Ich hoffe es,» sagte er. Doch wie diese aussehen wird, darauf liess er sich nicht ein. Vieles deutet darauf hin, dass die Arena erneut umgebaut werden dürfte. Und damit am gleichen Standort bleibt.
Eine weitere Frage die nach dem Rücktritt von Lüthi im Raum steht: Wird der SC Bern in 2 – 3 Jahren anders ausgerichtet sein als jetzt? Fuhrer lässt sich Zeit mit einer Antwort. Dann meint er: «Ja, es wird sicher Änderungen geben. Aber nicht von Heute auf Morgen. Ich bin eher ein Denker denn ein Mensch, der aus dem Bauch entscheidet. Nicht umsonst hängt an meiner Bürotür das Wort «Brain Master». Übrigens ein Geschenk der Marketing Abteilung meiner Firma.»
So wird am 30.4.2026 nach 28 Jahren einer manchmal kongenialen und doch vielfältigen Geschichte zu Ende gehen und ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Für die schreibende Zunft ein herber Verlust.
Mit niemandem konnte man polemische Geschichten besser erzählen als dies mit Lüthi der Fall war. Und doch. Eine kleine Hoffnung bleibt.
Wer Marc Lüthi kennt, der ist kein Schelm, der denkt, dass er doch eine Art Vogel werden könnte. Wobei, dies passt nicht zu Lüthi. Dann eher ein griesgrämiger Bär, der aus dem Winterschlaf erwacht, einmal brüllt – und sich wieder zurückzieht. Denn einmal Bär, immer Bär.
Womit wir wieder beim Anfang der Geschichte wären.
