Brändli: Ein grosses Abenteuer beginnt
Im Interview mit hockeyfans.ch spricht Andrea Brändli, die Bronze-Gewinnerin von Mailand, nachmals über die abgelaufene Saison und über ihr Erlebtes beim PWHL-Draft in Detroit.
Für Andrea Brändli startet dieser Tage mit dem ersten Trainingslager der Schweizer Frauennati ein neues, grosses Abenteuer, wurde sie doch Mitte Juni vom PWHL-Team aus Detroit als erste Spielerin der jungen Clubgeschichte gedraftet. Nun scheint es sicher zu sein, dass die Bronzeheldin von Mailand nach Detroit wechseln wird. Noch ist es aber nicht alles unter Dach und Fach: Der Draft war der erste Schritt. Der zweite Schritt wären nun die Vertragsverhandlungen und der dritte die Vertragsunterzeichnung.
Der Draft fand ausgerechnet in Detroit statt, wo Brändli am Ende auch von der kanadischen Torhüterlegende Manon Rheaume als General Manager des neu gegründeten PWHL-Teams in Detroit aufgerufen wurde. «Die Stimmung und die Atmosphäre im Fox Theatre war einfach unglaublich. Als Detroit durch Rheaume den ersten Pick bekannt gab, ist das ganze Theatre praktisch ausgeflippt und als ich dann noch meinen Namen gehört habe, war es einfach unglaublich und es gab Probleme alle ruhig zu bekommen um überhaupt das Interview durchzubekommen.»
Das es wohl Detroit werden würde, war für das Team und Andrea Brändli bereits vor dem Draft recht klar. So wurden zu diesem Draft von der PWHL nur die Topkandidatinnen eingeladen und Brändli war die einzige Torhüterin, der diese Ehre zugestanden wurde. Auch die Vorgespräche mit Detroit verliefen gut und Detroit hatte bis zu diesen Abend auch noch keine Torhüterin. Ganz klar war es aber nicht, denn wie Brändli anfügte: «Es ist eben ein Draft und da kann alles passieren.» So war auch das Team von Nicole Vallario, die New York Sirens, eine Möglichkeit.
Am Ende wurde es dann in der zweiten Runde dann doch Detroit und das gleich als erste Spielerin des neuen PWHL-Teams. Die Vorgespräche mit Detroit verliefen gut und es war für Andrea Brändli bereits sehr cool, diese mit Detroit und Manon Rheaume geführt zu haben: «Es war schon ein cooler Moment als ich den ersten Call mit Detroit hatte. Man merkt, dass sie einmal eine Torhüterin war und auch noch ist. Man hatte sofort eine Verbindung gehabt. Es ist natürlich eine ganz besondere Ehre. Ich hatte als kleines Mädchen aber auch noch später ihre Karriere mitbekommen, die sie gemacht hat. Jetzt nicht direkt in ihre Fussstapfen zu treten und ihr nachzufolgen und nun der erste Pick ihres Teams zu sein ist eine unglaubliche Ehre.»
Dass Brändli so früh gedraftet wurde, läge laut der 29-Jährigen aber nicht nur an ihrer letzten Saison. «Ich glaube es ist von allem etwas. Ich habe in meiner Karriere schon viele Erfolge feiern können und so war mein Resümee eigentlich, das ich ihnen gezeigt haben, was sie an mir haben und man mit mir eine Meisterschaft gewinnen kann. Es ist auch eine Mischung aus europäischem Hockey und internationalen Erfahrungen und auch das ich das Niveau mitbringe.»
Dieser Draft ehrt sie mehrmals, war Brändli doch die erste aufgerufenen Torhüterin an diesen Draft und zugleich noch aus Europa.

Andrea Brändli (Mitte) wurde als erste Torhüterin für die neue PWHL-Saison gedraftet. Bei ihrem neuen Team in Detroit ist die frühere Torhüterin Manon Rheaume die General Managerin. Fotos: Andreas Robanser (oben), PWHL / Heather Pollock (Draft).
Für die Züricherin gab es aber auch noch einen weiteren lustigen Moment als ihre Nati-Teamkollegin im Tor, Saskia Maurer, etwas später in der 4. Runde als Pick 41 von dem ebenfalls neuen PWHL-Team aus Las Vegas aufgerufen wurde. «Ich war bei den Kommentatorinnen als sie aufgerufen wurde und ich es so hautnah miterleben konnte. Ich weiss nicht, ob sie wach war. Ich weiss nicht, ob sie es gleich wusste. Ich habe ihr dann nur so schnell wie ich konnte geschrieben, wie ich das ganze miterleben durfte.»
Die Saison 2025/2026 war für Andrea Brändli eine Saison, die wohl in Erinnerung bleiben wird. So stand sie mit Frölunda gegen Brynäs auch noch im Finale der schwedischen Frauenliga. Diese Finalserie ging aber nach nur drei Spielen verloren. «Es war ein trauriges Ende für eine sehr gute Ligasaison», sagt sie. «Ich glaube unser Problem am Ende war, dass uns einfach die Kräfte gefehlt haben. Wir hatten viel mehr Spielerinnen als Brynäs an den olympischen Spielen. Dies hat man dann auch in der Finalserie gesehen und so waren sie am Ende der verdiente Sieger.»
Trotz tollen statistischen Werten in der SDHL wollte die Schweizer Torhüterin aber nicht von einer perfekten Saison in Schweden sprechen: «Perfekt wäre sie erst geworden, wenn wir Meister geworden wären, aber grundsätzlich war es eine unglaubliche Saison. Ich bin unglaublich stolz. Ich hatte vorigen Sommer etwas Verletzungspech und so war es einfach noch schöner diese Saison so spielen zu können.»
Der Höhepunkt der abgelaufenen Saison war sicher Mailand und die Olympischen Spiele mit dem Gewinn der Bronzemedaille. Dies ist für Brändli noch immer etwas surreal. «Wenn ich die Medaille sehe, bekomme ich noch immer Gänsehaut und es ist immer noch ein unwirklicher Moment, wenn ich sie an irgendeinen Event, wo ich sie brauche, herausnehme», sagt sie. Der Blick geht dann aber bereits auch sofort von der vergangenen auf die kommende Spielzeit. «Es ist schön, sich daran zu erinnern. Das Leben geht aber schlussendlich weiter und jetzt beginnt wohl ein neues, grosses Abenteuer.»
Dies stellt die Nationaltorhüterin aber vor kleinere, organisatorische Probleme. Zwar trainiert sie seit Mai wieder mit dem Spitzensportkader des Militärs und in den letzten Wochen stand sie mit dem Swiss-League-Team des HC Thurgau auch bereits auf dem Eis. Nach dem Camp mit dem Nationalteam stehen aber noch einige offene Fragen, wie es mit der weiteren Saisonvorbereitung weitergeht.
«Mit der Weltmeisterschaft im November wird das ganze nun eine Challenge für mich. Der PWHL-Beginn wird wahrscheinlich anschliessend nach der Weltmeisterschaft sein. Viele Informationen haben wir noch nicht, da der Spielplan noch nicht draussen ist. Wahrscheinlich werde ich dann aber direkt aus Dänemark in die USA reisen.» Die WM und eine Medaille würden dieses Kalenderjahr 2026 abrunden. «So eine WM nach Olympischen Spielen ist immer so ein offenes Buch – was passiert nun auch bei den anderen Teams – schauen wir einmal. Egal welches Team wir haben, egal wie viele Spielerinnen zurücktreten, ich hoffe, dass es für eine Medaille reicht.»
Die nächsten Wochen sind dann für Brändli ein Fragezeichen, so wird es noch weitere Camps mit der Frauennati geben. Ob sie ein weiteres Mal mit Thurgau trainieren wird und ob sie auch einige Spiele in der Schweiz mit einem Frauenteam bestreiten wird ist noch offen. Vielleicht gehen sich aber noch ein oder zwei Wochen Ferien für ihren Körper aus, sagt Brändli zum Abschluss.
