Suters Vorfreude auf die Heim-WM
Nach 17 Jahren bestreitet die Schweiz endlich wieder eine Heim-WM. Für einige Spieler ist die WM im Zürcher Quartier Altstetten noch mehr daheim als für andere. Der NHL-Stürmer Pius Suter spricht mit uns über seine Vorfreude.
Foto: Andreas Robanser
Wenn Pius Suter dieser Tage mit dem Fahrrad von seiner Zürcher Wohnung zum Mannschaftshotel oder der Arena fährt, dauert der Arbeitsweg gerade einmal ein paar Minuten. «Fünf bis sieben Minuten», sagt der NHL-Stürmer und lacht. Für den 29-Jährigen ist die Eishockey-WM 2026 keine gewöhnliche Heim-Weltmeisterschaft – sie ist ein Heimspiel im wortwörtlichen Sinn. Der Zürcher wohnt «gleich um die Ecke», trainiert im Sommer regelmässig in der Umgebung und kehrt nun als Leistungsträger der Schweizer Nationalmannschaft in die Spielstätte seines langjährigen Clubs ZSC Lions zurück.
Die WM in Zürich und Fribourg wird für die Schweiz zum grossen Sportereignis des Jahres. Für Suter aber geht es noch tiefer. Als Teenager stand er einst in bei der WM 2009 Kloten auf der Stehrampe und schaute sind ein WM-Spiel an. Er kann sich noch erinnern, das es ein Spiel mit Ungarn war, das damals ebenso wie heute als Aufsteiger antritt. «Ich denke zurück als Kind. Ich war in Kloten ein paar Spiele sehen», erzählt er. Auf WM-Eis war damals nur einer seiner heutigen Teamkollegen: der Captain Roman Josi.
«Als Junioren-Spieler haben wir Tickets bekommen. Wir waren auf der Stehrampe. Das war wirklich cool.» Damals war er erst 12 und spielte bei seinem Stammclub EHC Wallisellen. Wenig später ging es weiter rauf in die «Lions-Pyramide» zu Dübendorf und schliesslich den Elite-Teams der Lions. Nach zwei Jahren als Junior in der kanadischen OHL gab er 2015 sein Profidebüt bei den ZSC Lions. Nach fünf guten Jahren bei den Stadtzürchern und in der Nationalmannschaft ging es in die NHL: zu Chicago, Detroit, Vancouver und seit letzten Herbst St. Louis. Ob sich der Wechsel sportlich gelohnt hat, kann man sich fragen, wobei ihn auch eine Verletzung zurückwarf. Zumindest finanziell kam er mit einem Jahressalär von 4,125 Millionen US-Dollar in eine höhere Klasse. In 64 Spielen kam er diese Saison auf 13 Tore und 16 Assists.
Jetzt ist er selbst einer der Spieler, denen die Fans zujubeln werden. Nachdem die WM 2020 wegen der Pandemie abgesagt werden musste, macht es die Vorfreude auf die WM 2026 umso grösser. «Wir haben lang genug gewartet», sagt Suter. «Die Euphorie wird überschwappen. Ich freue mich sehr, das erste Spiel in dieser Atmosphäre in der Schweiz zu erleben.»
Die Erwartungen an die Schweizer Auswahl sind riesig. Nach den starken internationalen Auftritten der vergangenen Jahre hoffen Fans und Verband auf den nächsten Schritt Nach zwei Silbermedaillen in Folge träumt man vom Weltmeistertitel. Suter spürt die besondere Energie bereits jetzt. «Die Schweizer Fans sind immer gut gereist. Aber das wird noch einmal eine Schippe drauflegen.»
Suter hat 2017 und 2022 zwei Weltmeisterschaften bestritten, dazu die Olympischen Winterspiele 2018 und 2026 – jene Turniere mit einem Medaillengewinn hat er aber verpasst und hofft nun, seine Chance zu nutzen.
Mit Jan Cadieux steht erstmals in Suters Zeit ein neuer Nationaltrainer an der Bande. Suter kennt den Romand bereits aus dessen Zeit als Assistent. Der NHL-Stürmer beschreibt Cadieux als Trainer mit klarer Linie: «Er ist sehr intensiv. Er hat sehr klare Vorstellungen, wie wir spielen wollen.» Vieles bleibe zwar ähnlich wie unter Fischer, weil der Kern des Teams seit Jahren zusammenspiele. Dennoch spüre man Veränderungen, ein paar kleine Dinge. «Es sind andere Persönlichkeiten. Und Head Coach ist eine andere Rolle.»
Besonders gespannt blickt die Hockeyschweiz auf das WM-Startspiel gegen die USA. Sie reisen wieder mit einer guten Mischung aus NHL-, AHL- und Collegespielern an. So wurden sie letztes Jahr Weltmeister und legten mit ihren Erfahrungen an Weltmeisterschaften und Junioren-Weltmeisterschaften den Grundstein zum Olympiasieg letzten Februar.
Für Suter ist klar, worauf es ankommen wird: «Wir müssen die Energie der Fans mitnehmen. Wir müssen von Anfang an Druck ausüben.» Die Heimkulisse könne zum entscheidenden Faktor werden. «Es wird eine Riesenstimmung geben. Da sind alle hinter dir.»
Im Schweizer Sturm ruhen die Hoffnungen auch auf einer Linie, die nach Zürcher Hockey-DNA klingt: Suter neben Denis Malgin und Sven Andrighetto. Mit dem Center Malgin spielte er bereits als Junior zusammen. «Er war schon damals einer der Schnellsten», erinnert sich Suter. Die jahrelange Vertrautheit könne ein Vorteil sein. «Ich weiss, wie er spielt und was er macht. Das hilft sicher.» Vor allem Malgin und Andrighetto harmonieren seit Jahren hervorragend. «Die wissen, wo sie sind. Das gibt mir Freiräume.»
Dass Suter inzwischen auf eine lange NHL-Karriere zurückblickt, merkt man seiner Ruhe an. Er kennt die Unterschiede der nordamerikanischen Hockeywelt genau. Besonders die Fan-Kultur in St. Louis habe Eindruck hinterlassen. «In St. Louis sind die Fans extrem hockeybegeistert», sagt er. Gleichzeitig sei der Medienrummel dort deutlich kleiner als in Vancouver.
In der Nationalmannschaft übernimmt Suter mittlerweile noch mehr Verantwortung. «Ich glaube schon, dass ich hier etwas mehr Verantwortung habe», sagt er. Genau diese Rolle soll er nun auch an der Heim-WM ausfüllen: Leader auf dem Eis und Identifikationsfigur daneben.
Und wenn die Fans zwischen den Spielen Zürich entdecken wollen? Dann hat der Local Hero ebenfalls einen Tipp parat. «Wenn das Wetter mitmacht ans Wasser gehen – an den See oder an die Limmat», empfiehlt Suter. Und natürlich dürfe eines nicht fehlen: «Ein Eis essen.» Sein persönlicher Favorit? «Der Eisvogel bei der Josefwiese.»
Für Suter wird es mehr als nur ein Turnier. Sie ist die Rückkehr in die Stadt, wo seine Profikarriere begann – diesmal nicht mehr auf die Stehrampe, sondern mittendrin im Rampenlicht.
