Zwei Chancen für eine Medaille
Das Schweizer Frauen-Nationalteam hat zwei Chancen um eine Medaille zu holen. Für die erste Möglichkeit benötigt es jedoch ein Wunder gegen Kanada.
Die historischen Daten sprechen eine klare Sprache: Im olympischen Frauen-Eishockey gab es gegen Kanada fünf Niederlagen in fünf Spielen, Torverhältnis 6:40. Auch bei Weltmeisterschaften hat die Schweiz noch nie gegen Kanada oder die USA gewonnen. Zu gross sind die Unterschiede zwischen den Nationalteams und ihr Talentpool.
Am nächsten dran waren die Schweizerinnen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Damals unterlagen sie den Kanadierinnen im Halbfinale 1:3 und bezwangen im Spiel um Bronze Schweden 4:3. Auch dieses Jahr wird damit gerechnet, dass es zu den selben Paarungen um die Medaillenplätze kommen könnte, denn im anderen Halbfinale spielen die USA und Schweden gegeneinander.
«Das grösste Déjà-vu sind sicher die vier Teams, die jetzt noch dabei sind», sagt Alina Müller, die in Sotschi als 15-Jährige ihre ersten Olympischen Spiele bestritt.
Sie traf sogar im Spiel um Bronze. Und auch starke Torhüterinnen könnten eine Parallele sein. Florence Schelling wurde 2014 als beste Torhüterin ausgezeichnet. In Mailand war eine Top-Leistung von Andrea Brändli ein Schlüssel zum Viertelfinalsieg gegen Finnland, während Saskia Maurer in der Vorrunde ebenfalls starke Leistungen zeigte.
«Wir haben immer eine der besten Torhüterinnen der Welt bei uns gehabt. Diese Position war nie ein Problem», sagt Müller. «Andrea zeigte eine unglaubliche Leistung. Sie gab uns so viel Sicherheit. Wir haben keine Angst, dass etwas passiert, weil wir wissen, dass sie die Scheibe holt.»
Während Müller das einzige Tor beim 1:0-Viertelfinalsieg schoss, brauchte Brändli 40 Paraden um sich den Shutout zu sichern und den Sieg für die Schweiz. Vor allem am Schluss wurde es heikel, als die Finninnen alles nach vorne warfen.
«Die Nerven sind eine meiner grössten Stärken. Ich dachte, wenn jemand ruhig bleiben muss am Schluss, dann ich», sagt Brändli. «Wir machten hinten den Slot gut dicht, dann ist es als Goalie einfacher die Schüsse zu halten. Aber es war kein einfaches Spiel. Es war sehr intensiv.»
In der Tat schossen die Finninnen aus allen Lagen, da oft kein Durchkommen war. Auch gegen Kanada wollen die Schweizerinnen wieder eng verteidigen. Für die Torhüterin wird es an Arbeit nicht mangeln.
«Kanada ist immer cool zum Spielen als Goalie, auch weil man immer viele Schüsse erhält, schwierige Schüsse. Wir haben immer bewiesen, dass wir gegen gute Gegner gut spielen können», sagt Brändli.
In der Vorrunde konnten die Schweizerinnen sowohl gegen Kanada wie auch die USA das Resultat lange knapp halten. Für 60 Minuten reichte es aber in beiden Spielen nicht gegen einen Gegner auf diesem Niveau, der die Schweizerinnen mit ihrem Tempo überfordern und zu Fehlern verleiten kann.
«Wir hatten zwei Drittel lang einen guten Kampf», erinnert sich Müller ans Vorrundenspiel. «Wir müssen sicher weniger Strafen holen, Gas geben und ein gutes Gefühl holen, egal was passiert. Wenn ein Puck drin landet, kann das Spiel anders ausschauen. Wir müssen uns nicht verstecken. Wir können frei aufspielen.»
Fürs Halbfinale ziehen die Teams in die grosse Santagiulia Eishockey-Arena mit Platz für über 11'000 Fans um. Und spielen um 21:10. Der Trainer Colin Muller hatte sich in der Vorrunde jeweils über diese Anspielzeit geärgert und dass die Schweizerinnen öfters die Arena wechseln mussten als andere Teams. Nun könnte es vielleicht sogar zum Vorteil werden.
«Ich hoffe es wird ein Heimspiel im grossen Stadion für uns», sagt die Kapitänin Lara Stalder. «Es ist unglaublich vor so vielen Leuten zu spielen und kleine Mädchen können uns am Fernsehen sehen, und dass sie das auch erreichen können.»
Nach den beiden Halbfinalspielen am Montag folgen zwei Tage Pause mit zwei Playoff-Runden des Herren-Turniers. Am Donnerstag sind dann die Medaillenspiele der Frauen angesetzt (Bronze 14:40, Finale 19:10).
