Die Fans mit der grönländischen Flagge

15.02.26 - Von Martin Merk

Beim Spiel zwischen den USA und Dänemark fiel eine grönländische Flagge im Publikum auf, auch weil es den Sicherheitsleuten nicht gefiel aufgrund der politischen Situation. Wir begegneten dem Paar mit der Flagge am Tag danach zufällig in einer Pizzeria.

Am Samstag spielten die Schweizer Frauen um den Halbfinaleinzug in der Rho Eishockey-Arena. Am anderen Ende der Stadt fand das Vorrundenspiel der Herren zwischen den USA und Dänemark in der Santagiulia Eishockey-Arena statt. Polemisch ausgedrückt könnte man von der «Schlacht um Grönland» auf dem Eis sprechen. Denn das eine Land, das Königreich Dänemark, hat es schon seit Jahrhunderten gehört. Das andere Land, die USA beziehungsweise deren Präsident Donald Trump, wollen es unbedingt haben und verärgern damit nicht nur Dänemark, sondern auch halb Europa und wohl noch etwas mehr.

Der Deutsch-Lette Alexander Kalnins und seine lettische Frau Vita Kalnina gingen daher mit einer Grönland-Flagge zum Spiel und feuerten mit ihr Dänemark an. Als Zeichen des politischen Protests. Gerade auch beim Torjubel, als Dänemark anfänglich an einer Überraschung schnupperte, zeitweise führte, dann aber 3:6 verlor.

«Grönland ist Teil des Königreich Dänemarks. Wir unterstützten Dänemark und dachten nicht, dass die Flagge ein Problem sein sollte», sagte Kalnins.

Während dieser Artikel geschrieben wird, wird auch die Flagge der separatistisch angehauchten kanadischen Provinz Québec beim Spiel Kanada-Frankreich von Fans geweht. Doch bei der grönländischen Flagge gaben die Ordner zu mehreren Diskussionen Anlass und baten schliesslich das Paar nach Abklärungen, die Flagge wieder einzupacken. «Aus Sicherheitsgründen, weil amerikanische Zuschauer provoziert werden könnten», wurde dem Paar ausgerichtet.

Weil sie gerade wegen der politischen Brisanz mit den Fahnen in der Fernsehübertragung gezeigt wurden, war ihnen die Aufmerksam auf jeden Fall gewiss. «Es kamen schon bald Journalisten von internationalen Agenturen zu uns», sagte Kalnins, der mit seiner Frau in Duisburg lebt und in Italien campt um Eishockeyspiele bei den Olympischen Winterspielen zu besuchen. Und so ging das Paar mit der Fahne um die Welt.
 


Für das Paar ging es darum europäische Solidarität zu zeigen. Denn ob und wohin Grönland gehören soll, sollen die Grönländer selbst entscheiden.

Die Hockeyspieler selbst nahmen während des Spiels keine Notiz davon. Amerikanische Spieler dürften eine grönländische Fahne ohnehin nicht erkennen.

«Ich sah sie nicht, aber das war nett, hoffentlich haben sie uns unterstützt», sagte der dänische Spieler Jesper Jensen Aabo nach dem Spiel dem internen Mediendienst für akkreditierte Medienschaffenden in Mailand. Er und andere Spieler versicherten, dass die politische Situation ohnehin keinen Einfluss auf ihr Spiel hatte. Also doch keine «Schlacht um Grönland».

«Nein, nein, nein, wirklich nicht. Wir erwähnten das nicht einmal. Wir wollten einfach ein Hockeyspiel gegen ein Weltklasse-Team gewinnen. Wir benötigten kein zusätzliches Feuer um uns anzufeuern», sagte Jensen Aabo.

«Natürlich sehen wir die Nachrichten und wissen, was vor sich geht. Aber heute und in der Zeit im Olympischen Dorf dreht sich alles um Sport. Es drehte sich alles um Eishockey. Zwei Hockeyteams spielten gegeneinander. Ich glaube nicht dass irgendjemand daran dachte», sagte Lars Eller.

Trotz dem vielen Eis in Grönland gibt es dort ohnehin kein Eishockey und damit keine Spieler im Team. Und doch gibt es eine grönländische Verknüpfung zu den Olympischen Winterspielen. Die beiden Geschwister Sondre und Ukaleq Slettemark stammen aus Nuuk und bestreiten die Biathlon-Wettkämpfe normalerweise für Grönland. Weil dies bei Olympischen Winterspielen für die autonome dänische Region nicht möglich ist, sind sie Teil der dänischen Delegation für die Biathlon-Wettkämpfe in Antholz. Sie wurden dabei von der dänischen Delegation gut aufgenommen und erhielten die Erlaubnis, ihre Anzüge mit grönländischen Elementen zu designen.
 


«Ukaleq und ich designten sie gemeinsam. Wir sind glücklich für Dänemark teilzunehmen, denn Grönland ist Teil des Königreiches. Es ist extra speziell mit diesen Anzügen den grönländischen Geist dabei zu haben», sagte Sondre Slettemark. Das Blau und Grün stellen die Nordlichter dar, die Linien die traditionellen Tattoos für Grönländerinnen, ein Amulett mit einem Raben und fünf Zielkreise die in rot und weiss der grönländischen Flagge antönen.

Heute waren Alexander Kalnins und Vita Kalnina ohne grönländische Flagge da als wir sie antrafen, dafür in ihren lettischen Trikots. Denn Lettland spielt heute Abend gegen Dänemark und da gibt es keinen Zweifel, wen sie unterstützen werden.