Vorfreude, Optimismus und Bodenhaftigkeit

11.02.26 - Von Martin Merk

Morgen startet auch die Schweiz ins olympische Herren-Eishockeyturnier. Die Vorfreude ist gross bei der «besten Nati aller Zeiten», doch bei der grossen Konkurrenz aus der NHL gibt man sich auf bodenhaftiger als auch schon.

Roman Josi hat schon Vieles erlebt in seiner Karriere. In 13 NHL-Saisons mit den Nashville Predators. An neun Weltmeisterschaften mit drei Silbermedaillen für die Schweiz. Doch bei Olympischen Spielen hält sich die Erfahrung in Grenzen. In Sotschi 2014 war er dabei bevor die NHL sich für die nächsten beiden Ausgaben quer stellte. Nun ist der Berner zurück und voller Vorfreude.

«Wir freuen uns sehr dabei zu sein. Wir sind seit ein paar Tagen im Olympischen Dorf mit cooler Stimmung und vielen Athleten», sagt Josi. Denn die letzten beiden Winterspiele hat er verpasst, da die NHL nicht mehr dabei sein wollte. Nun ist er als einer von zehn NHL-Schweizern hier.

«Als Kind schaut man die Olympischen Spiele, egal ob Sommer oder Winter. Ich erinnere mich an das Spiel von Turin 2006 als wir Kanada schlugen. Das war grossartig. Es gibt einfach so viele gute Erinnerungen von den Olympischen Spielen», sagt Josi. «Es ist speziell, weil die NHL zwölf Jahre nicht dabei war. Es wird eine neue Generation da sein, die noch nie an den Olympischen Winterspielen dabei war. Wir Spieler haben lange gekämpft wieder dabei zu sein. Viele Spieler haben auf diesen Moment gewartet.»

Nun ist er da. Mit den fünf Ringen in der Stadt und in der Arena Santagiulia im Osten der Stadt, die für die nächsten zwei Wochen die Heimstätte der Schweizer ist.

«Es ist toll im Olympischen Dorf zu sein und wieder einen Zimmerkollegen zu haben», sagt Josi, der das Zimmer mit Nino Niederreiter teilt. Zwei Athleten in einem Zimmer, wie in alten Zeiten. Das scheint alle zu erfreuen bis auf die Kanadier – sie wollten Einzelzimmer statt Kumpels, Luxushotel statt Olympisches Dorf.

Josi wurde zum Captain ernannt, ein Amt, das er sich in Nashville gewohnt ist, mit der Nati aber nur zweimal innehatte bei zwei Weltmeisterschaften.

«Es ist eine Riesenehre, dass ich das Team als Captain anführen darf. Nur schon für die Schweiz zu spielen ist eine Riesenehre und das als Captain zu machen ist eine sehr grosse Ehre. Ich freue mich sehr über das Vertrauen», sagt er.

Der Schweizer Captain und seine Teamkollegen freuen sich auch, hier Teil von etwas Grösserem zu sein. In der Schweizer Lounge im Olympischen Dorf schaut sie an, was ihre Landsmänner und Landsfrauen in anderen Sportarten machen und treffen diese auch.

«Alle haben das gemeinsame Ziel, eine Medaille zu gewinnen. Wir sind hier ein Team, aber als solches auch Teil der gesamten Delegation mit dem Frauen-Team und all den anderen Sportarten», hebt Josi die spezielle Stimmung vor.

Für Josi ist es die beste Nationalmannschaft aller Zeiten. Zehn NHL-Spieler sind dabei, viele mit grossen Rollen in ihren Teams, er und Nico Hischier gar als Captain. Das gab es noch nie. Auch in Sotschi, mit acht NHL-Spielern, nicht.

Als Favoriten sieht Josi Kanada, die USA, Schweden und Finnland. «Wir als Schweiz mit dem Team, das wir haben, müssen uns aber nicht verstecken. Wir haben als Team viele Weltmeisterschaften miteinander gespielt», sagt Josi. «Die Favoritenrolle ist aber sicher bei den vier erwähnten Teams.»

Bei Weltmeisterschaften pflegen die Schweizer ohne Blatt vor dem Mund vom Weltmeistertitel zu sprechen. Die letzten beiden Male stand man schliesslich auch im Finale. Doch hier mit all den NHL-Stars gerade bei den nordamerikanischen Teams, zeigt man sich etwas geerdeter und ehrfürchtiger, versucht das Wort Gold nicht lauthals rauszuschreien.

«Es ist seit zehn Jahren unsere Richtung und Vision Gold zu gewinnen. Wir fokussieren uns aber auf unsere Handlungen und das Spiel gegen Frankreich», wählt der Nationaltrainer Patrick Fischer die Worte etwas bodenständiger als vor einer WM.

An Selbstvertrauen soll es trotzdem nicht mangeln. «Wir gehören zu den Grossen und werden so auftreten», sagt Fischer. «In den letzten 30 WM-Gruppenspielen haben wir nur eines nach 60 Minuten verloren. Das gibt Selbstvertrauen. Das hier ist die beste Mannschaft, die wir je hatten.»

Die Schweizer trainierten die letzten Tage in Mailand. Am Montag gab es auch ein «gemeinsames Training» mit den Letten. Da echte Testspiele nicht erlaubt sind, wir es so umschrieben. Es fand ohne Zeitmessung statt, man einigte sich ohne Checks zu spielen, testete auch verschiedene Spielsituationen. Bei Gleichstand trennte man sich hinter verschlossenen Türen dem Vernehmen nach mit einem 5:5-Unentschieden.

«Es war gut für die Spieler mit einem anderen Team zu trainieren und das Gefühl zu holen, wie es sein wird gegen die Franzosen», sagte Fischer. Auf diesen Gegner mit einigen Legionären aus der National League liegt nun der Fokus. «Sie werden motiviert sein und alles geben. Wir dürfen ihnen nicht viel zugestehen und müssen ihnen unser Spiel aufzwingen.»

«Wir müssen uns hier sicher nicht verstecken. Ein Vorteil hier ist sicher, dass wir uns schon so gut kennen, zusammen gespielt haben an den Weltmeisterschaften. Es geht Schlag auf Schlag und wir müssen Spiel für Spiel schauen. Unser Fokus ist jetzt auf das Frankreich-Spiel», sagt Josi.

Los geht es am Donnerstag um 12:10. Eishockey zur Mittagszeit. Buon appetito!