Der SCB ordnet sich neu – aber was bedeutet das wirklich?
Der SC Bern nutzt die Olympiapause für eine strukturelle Neuordnung – und genau dieses Timing ist kein Zufall. Während der Spielbetrieb ruht, laufen im Hintergrund die Planungen für die kommende Saison. Trainerfrage, Kaderplanung, Budgetentscheidungen – all das wird jetzt vorbereitet. Dass der Klub die Umstrukturierung gerade in dieser Phase kommuniziert, deutet darauf hin, dass die neue Architektur bereits unmittelbare Auswirkungen auf die sportlichen Weichenstellungen haben soll.
Offiziell geht es um klare Verantwortlichkeiten. Die Doppelstruktur im sportlichen Bereich wird aufgehoben, Martin Plüss bleibt Sportdirektor und trägt die abschliessende Entscheidungskompetenz für die National League. Gleichzeitig wird mit Pascal Signer die neue Funktion eines Chief Hockey Officer geschaffen, der die organisatorische und strukturelle Führung des gesamten Sportbereichs übernimmt. Auf den ersten Blick klingt das nach Vereinfachung. Bei genauer Betrachtung entsteht jedoch eine zusätzliche Hierarchiestufe. Der Sportdirektor entscheidet sportlich, steht aber strukturell unter einem CHO. Das ist keine flachere Organisation, sondern eine vertikale Neuordnung.
Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die in der Medienmitteilung unbeantwortet bleibt: Wie ist die strategische Einbindung von Martin Plüss künftig geregelt? War oder ist er im Verwaltungsrat involviert, dann geht es hier nicht nur um eine sportliche, sondern um eine governance-relevante Entflechtung. Eine saubere Trennung zwischen strategischer Aufsicht und operativer Führung wäre aus unternehmerischer Sicht konsequent. Doch genau diese Transparenz fehlt in der Kommunikation. Wer kontrolliert wen? Wer berichtet an wen? Und wer trägt letztlich die Verantwortung, wenn sportliche Entscheide nicht greifen? Diese Fragen bleiben offen.
Auffällig ist zudem der zunehmende Gebrauch von C-Level-Strukturen. CEO, COO, CSO und nun auch CHO verleihen dem SC Bern ein deutlich unternehmerisches Erscheinungsbild. Mit dem designierten CEO Jürg Fuhrer an der Spitze scheint der Klub stärker in Richtung Corporate Governance zu denken. Klare Reportinglinien, Vier-Augen-Prinzip, strukturelle Kontrolle – all das passt zu einem Klub, der mit einem Stadionprojekt vor einer finanziell anspruchsvollen Zukunft steht. Die Organisation wird breiter aufgestellt, Risiken sollen kontrolliert, Prozesse abgesichert werden.
Doch Eishockey ist kein Verwaltungsakt. Erfolg entsteht im Zusammenspiel von Tempo, Entscheidungsfreude und klarer Verantwortlichkeit. Mehr Struktur kann Stabilität bringen, aber sie kann auch Entscheidungswege verlängern. Die neue Konstruktion legt nahe, dass sportliche Entscheide künftig in einem enger kontrollierten Rahmen fallen. Das kann Professionalität bedeuten – oder zusätzliche Komplexität.
Letztlich wird sich die Sinnhaftigkeit dieser Neuordnung nicht im Organigramm entscheiden, sondern auf dem Eis. Die Trainerentscheidung und die Kaderplanung für die Saison 2026/27 werden zeigen, ob der SCB durch die neue Struktur handlungsfähiger geworden ist oder ob die zusätzliche Ebene zwischen Strategie und Sport eher bremst. Die Richtung ist klar: Der Klub bewegt sich von einem stark personenbezogenen Modell hin zu einer stärker unternehmensgetriebenen Organisation. Ob dieses Modell im Schweizer Spitzenhockey funktioniert, bleibt die entscheidende Frage.
Foto: Roman Badertscher
