Hischier: «Als Gruppe sind wir gefährlich»
Nun sind alle da: Am Sonntag fand das erste Training der Schweizer Nationalteamgeschichte mit zehn NHL-Spielern statt. Gerade für die jüngere Generation an NHL-Spielern wie Nico Hischier geht an den Olympischen Winterspielen ein Traum in Erfüllung.
Foto: Andreas Robanser
In Sotschi 2014 pausierte die NHL letztmals für ein olympisches Herren-Eishockeyturnier mit den Besten der Besten. Für PyeongChang 2018 war das Interesse im NHL-Büro bestenfalls lauwarm und man liess es aus. Für den grossen chinesischen Markt wäre in Peking 2022 ein Comeback geplant gewesen, doch aufgrund der Coronavirus-Pandemie und deren begleitenden Umständen sagte die NHL kurzfristig ab. Nun hat es in Mailand 2026 nach zwölf Jahren Pause endlich wieder geklappt.
Vor zwölf Jahren traten Spieler wie Andres Ambühl, Jonas Hiller, Martin Plüss und Mathias Seger an um für eine Medaille zu kämpfen. Acht Spieler im Kader kamen damals aus der NHL. Hischier war damals gerade 15 Jahre alt geworden, spielte in den U15- und U17-Teams seines Stammclubs EHC Visp.
Für ihn wird wie auch für viele anderen Spieler im Team ein Bubentraum war. «Ich schaute die Olympischen Spiele, die Hockeyspiele, aber auch Skifahren, habe noch Leute wie Albrecht, Cologna und Ammann in Erinnerung», sagt Hischier. «Ich schaute immer so viele Sportarten wie möglich an.»
Ein Jahr später wechselte er zum SC Bern und durfte selbst das Trikot mit dem Schweizer Kreuz an der U18-Weltmeisterschaft überstreifen. Es zeigte sich, dass dem Jungen aus dem Oberwallis eine tolle Karriere bevorstehen würde. Nach zwei U20- und drei U18-Weltmeisterschaften entschieden die New Jersey Devils 2017 Hischier als Nummer 1 zu draften. Seither ist er fix bei den Devils, seit sechs Saisons als Captain amtend.
Nun ist die NHL zurück und damit Hischier erstmals ein «Olympionike». «Es ist speziell, auch für mich. Es sind meine ersten Olympischen Spiele. Wenn man aufwächst, schaut man diese Events und es ist cool, nun selbst hier zu sein und Teil davon zu sein», sagt Hischier.
Und es ist auch eine willkommene Abwechslung. Die New Jersey Devils sind Vorletzter in der Eastern Conference elf Punkte hinter einem Playoff-Platz. Vor der Pause gab es drei Niederlagen in Serie. Verständlich, dass der Walliser lieber von den Olympischen Winterspielen als über die Saison in Übersee sprechen möchte, trotz der vielen nordamerikanischen Journalisten, die ihn interviewen möchten.
«Es ist momentan sicher keine einfache Saison. Wir sind gut gestartet, dann kam Verletzungspech dazu. Wir haben seit einer Weile Mühe, aber es ist noch nicht fertig», sagt Hischier, der zuletzt krankheitshalber angeschlagen spielte. Doch an jenem Sonntag in Mailand sagte er klipp und klar: «Mir geht’s gut!»
Auch weil die Devils nicht zu den Top-Teams zählen, konnte der 27-Jährige sechsmal an der WM teilnehmen und in den letzten beiden Jahren WM-Silber holen. Die NHL-Pause und nun für zwei Wochen mit dieser Truppe zusammen zu sein, könnte ihm auch sportlich und mental entgegenkommen, zumal er nahe seiner Heimat spielt. «Viele von der Familie und Kollegen werden kommen. Wallis-Mailand ist nicht so weit», sagt Hischier. Bloss etwas mehr als zwei Stunden sind es per Bahn von Brig und Visp aus.
Im ersten Training mit der kompletten Mannschaft bildete Hischier eine Sturmreihe mit Kevin Fiala von den Los Angeles Kings und Calvin Thürkauf vom HC Lugano. «Aber ob wir so zusammenspielen, weiss ich noch nicht», sagt er.
Das Eis war im Vorfeld gerade bei der NHL immer ein Thema, bei dem viel Druck ausgeübt und medial aufgebauscht wurde. Die Arena wurde vor wenigen Wochen mit viel Verspätung grösstenteils zusammengebaut (ein Zuschauerbereich bleibt abgesperrt) ohne wie üblich einen grösseren Testanlass ein Jahr zuvor durchzuführen und das Eis wird nur temporär in dieser Multifunktionsarena sein. Die Eisqualität sei nicht gerade top, «aber letztendlich spielen wir auf dem gleichen Feld und es ist für beide Teams das gleiche.»
Während die Schweizer zuletzt bei den Weltmeisterschaften um Gold spielten und kein anderes Ziel mehr sehen als den Weltmeistertitel, sind die Spieler bei den Olympischen Spielen mit allen NHL-Stars etwas demütiger. Kanada gewann die letzten beiden Austragungen mit NHL-Pause 2010 und 2014. Gerade in Nordamerika sieht man Kanada und die USA als Favoriten, wo Spieler aus anderen Ligen gerne mal als «Amateure» belächelt werden. So muss Hischier den Journalisten auch mal sachte beibringen, dass man auch anderswo gut Hockey spielen kann.
«Eishockey in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren geändert. Wir haben mehr Spieler in der NHL, die Qualität des Schweizer Eishockeys hat sich gesteigert, auch die Schweizer Liga ist eine starke Liga. Das Schweizer Eishockey verbreitet den Spass des Eishockeys und bringen mehr junge Spieler hervor», sagt Hischier. «Wir haben gute Spieler. Wir sind ein gutes Team und gefährlich als Gruppe. Wir glauben, dass alles möglich ist und müssen das beste Hockey spielen, das wir können.»

Hischier im Interview mit NHL-Journalisten. Foto: Martin Merk
Von Gold wird hier nicht so oft gesprochen, auch wenn man durchaus von einer Medaille träumt. «Wir möchten das bestmögliche Hockey spielen, das wir können. Jeder muss 120 Prozent geben und dann sehen wir, wie weit wir kommen», sagt Hischier und ist sich bewusst, dass das Niveau mit allen NHL-Spielern und auf dem kleineren Feld nochmals etwas anders wird. «An einer WM ist schon hohes Niveau, hier wird es aber noch intensiver mit noch besseren Spielern.»
Das erste Training mit zehn NHL-Spielern war auch für den in etwas über drei Monaten scheidenden Trainer Patrick Fischer speziell.
«Es war ein cooles Gefühl, dass alle angekommen und gesund sind. Es war ein grosser, erster wichtiger Schritt. Es hat sich gut angefühlt. Die Jungs sind motiviert, haben Freude. Auch bei ihnen brennt das Feuer», sagt Fischer. «Im Training wollen wir die Automatismen abholen, Sachen anpassen auf dem Eisfeld.»
Für heute Abend ist ein geschlossenes «gemeinsames Training» mit der lettischen Nationalmannschaft geplant. So lautet normalerweise das Codewort im olympischen Eishockey für ein Testspiel, denn nach den olympischen Regeln ist kein richtiges Testspiel an der Spielstätte und mit offiziellen Schiedsrichtern des Turniers, Zeitnehmern und der technischen Infrastruktur gestattet. Bei dieser Gelegenheit möchte man daher auch nicht unbedingt ein Testspiel bestreiten, sondern spezifische Spielsituationen mit den lettischen Kollegen trainieren.
Los geht das Herren-Turnier dann am Mittwoch, wobei die Schweizer am Donnerstag erstmals spielen gegen Frankreich (12:10).
Davor gibt es für Schweizer Eishockeyfans noch die beiden letzten Vorrundenspiele des Frauen-Nationalteams heute um 20:40 gegen die USA und morgen um 21:10 gegen Finnland.
