Maurer: «Man lebt im Moment»
Saskia Maurer gehört beim Schweizer Frauen-Nationalteam zu den Schwerstarbeiterinnen. Etwas unerwartet stand sie in zwei Spielen innert zwei Tagen im Tor und wehrte 84 von 91 Schüssen (92,3%) ab, mehr als jede andere Torhüterin in Mailand 2026.
Für Maurer ist es die zweite Teilnahme an den Olympischen Winterspielen nach Peking 2022, wo sie im gesamten Turnier zwei Spiele bestritt. Beim Frauen-Nationalteam war sie 2019 erstmals als dritte Torhüterin dabei, seit der WM 2021 ist sie Stammspielerin, meist als Torhüterin Nummer 2 hinter der vier Jahre älteren Andrea Brändli.
Dass sie gleich die ersten zwei Spiele innert zwei Tagen Vollzeit im Tor stand, kam für die gebürtige Emmentalerin unerwartet, ist aber der Abwesenheit von Andrea Brändli geschuldet, die offiziell als nicht 100 Prozent fit bezeichnet wird, mutmasslich aber eine Norovirusinfektion erlitt und isoliert wurde. Bei ihr wird ein Einsatz frühestens für das morgigen Spiel gegen die USA zum Thema.
So stand Maurer länger zwischen den Pfosten als vorgesehen und verhalf ihrem Team zu einem langersehnten Sieg gegen Tschechien (4:3 n.P.) bevor sie die Frauennati gegen Kanada 44 Minuten lang im Spiel halten konnte ehe die Kanadierinnen das Spiel mit drei weiteren Treffern im Schlussdrittel zum 4:0-Sieg nach Hause brachten.
«Ich bin sicher müde», sagte sie nach dem Spiel, aber da nun ein willkommener spielfreier Tag komme, sei dies ganz ok für sie. «Während des Spiels habe ich keine Zeit nachzudenken, wie es einem geht.»
Mit dem Spiel war sie trotz der zu erwartenden Niederlage zufrieden. «Wir kämpften von Anfang an und waren nahe dran. Falls eine unserer Chancen reingegangen wäre, hätte es vielleicht anders ausgesehen. Wir haben füreinander gekämpft und daran geglaubt», sagte die 24-Jährige.
Besonders gegen Kanada erhielt sie viel Arbeit. 27 Minuten lang hielt sie dicht und half den Schweizerinnen, die Favoritinnen zu ärgern. Erst nach dem 0:2 in der 45. Minute brachen die Dämme. 55 Schüsse liessen die Schweizerinnen auf Maurers Tor zu, davon 25 alleine im Schlussdrittel.
«Es ist auch mental eine grosse Frage. Was man auf dem Eis leisten muss, kann man nicht ändern. Man hat sich darauf über Jahre vorbereitet. Man lebt im Moment. Die nächste Situation ist einfach immer die wichtigste», so Maurer.
Maurer wuchs in Röthenbach auf und begann mit ihrer älteren Schwester Domenica in Oberlangenegg Eishockey zu spielen. Ihr jüngerer Bruder Silvano, der bei den Elite-Junioren der SCL Tigers spielt, kam später hinzu.
Maurer spielte bis zum Alter von 19 Jahren in der zweithöchsten U20-Liga und in der höchsten Frauenliga für Thun. Danach wechselte sie zur University of St. Thomas als diese 2021 den Sprung von der NCAA Division III in die Division I wagte. In den zwei Jahren, in denen sie mit ihrer Nationalteamkollegin Nicole Vallario bei den «Tommies» spielte und Sportwissenschaften studierte, konnte sie sich nicht über mangelnde Arbeit beklagen, trat das Team St. Paul (Minnesota) doch als Aussenseiter an.
«Zu College-Zeiten erhielt ich in jedem Spiel etwa so viele Schüsse [wie gegen Kanada]. Wir waren Aufsteiger und spielten gegen die grossen Teams, mit Spielerinnen, die heute für Kanada und die USA spielen. Daher war ich es mir gewohnt», so Maurer.
Seit 2023 ist sie zurück in ihrer Heimat und hütet das Tor des SC Bern, den sie in ihrer zweiten Saison zum Titel führte.
Vom Trainer Colin Muller und ihren Teamkolleginnen erhielt Maurer viel Lob.
«Saskia rettete uns einige Male. Sie war wirklich gut», sagte Ivana Wey.
«Ich bin so glücklich für sie, dass sie so ein gutes Spiel hatte», sagte Alina Müller. «Wir glaubten daran und es war zwei Drittel lang knapp. Mit einer guten Torhüterin und System kann man in einer guten Nacht jeden schlagen.»
Eine starke defensive Leistung mit viel Körpereinsatz wie gegen Kanada und eine Torhüterin in Hochform werden die Schweizerinnen auch morgen benötigen, wenn sie mit den USA erneut auf einen übermächtigen Gegner treffen. Nach dem phasenweisen guten Auftritt gegen Kanada konnten die Schweizerinnen für diese Aufgabe Moral und Selbstvertrauen tanken. Entscheidend für den Gruppenplatz wird aber vor allem das Spiel tags darauf gegen Finnland sein.
