Vom Stehplatz ins Chefbüro
Marc Lüthi tritt zurück und sagte an der Pressekonferenz, dass er nicht zurück, sondern stets nach vorne schaue. Dies tun wir auch. Der designierte SCB-CEO ab 1. Mai 2026 Jürg Fuhrer stellte sich den Fragen der Journalisten.
Was ist der grösste Respekt für Sie?
Der heutige Tag ist für mich sehr emotional. Wir haben zuerst das Personal informiert, dann die Mannschaft und nun die Medien. Ich bin jahrelang Fan des SCB und bald werde ich für das ganze Unternehmen zuständig sein. Auch in meinem jetzigen Betrieb, der Businesscom AG – ein innovativer Logistikpartner für Tierbedarf, der in 84 Ländern ihre Produkte vertreibt –, habe ich 27 Jahre lang gearbeitet. Das bewegt schon.
Wer sind Sie?
Ich bin 53 Jahre alt, Betriebswirtschafter, verheiratet, habe zwei Kinder (Nando und Lara). Die Familie ist für mich sehr wichtig und ein zentraler Punkt. Sie waren auch die ersten, die davon erfahren haben, was ich beruflich noch machen möchte.
Wie sind Sie zum SCB gekommen?
Eigentlich durch meinen Grossvater. Wir gingen jahrelang an die Spiele des SC Bern und auch von YB. Aber Eishockey hat mich von Anfang an mehr fasziniert. Als Sportler war ich ursprünglich zwar Fussballer, jedoch ist Eishockey für mich mit viel mehr Emotionen verbunden. Das berührt mich mehr. Über die Jahre kam ich von der Stehrampe, zu den Sitzplätzen, dann rutschte ich in die VIP-Loge hoch und wurde Sponsor und Partner beim SC Bern. So kam ich ins Netzwerk hinein. Vor zwei Jahren hat mich die Anfrage für die Aufnahme in den Verwaltungsrat sehr gefreut. Es war von Anfang an die Bedingung, dass ich dort mehr mache, als nur Verwaltungsrat zu sein.
Was waren Ihre Aufgaben im Verwaltungsrat?
Am Anfang konnte ich in die Finanzen hineinschauen und die Dashboards aufbauen. Für mich sind Zahlen sehr wichtig. Wenn diese nicht stimmen, funktioniert kein Unternehmen. Weder sportlich noch finanziell. Dann konnte ich auch in der Gastronomie die Betriebe kennen lernen und im letzten Jahr rutschte ich ins Future – also in die SCB-Nachwuchsabteilung – hinein. Dort haben wir eine Strategie auf die Beine gestellt, bei welcher wir derzeit die ersten Phasen umsetzen.
Werden Sie schon jetzt einsteigen?
Am anderen Ort werde ich noch einen neuen CEO einführen. Und hier werde ich sicher bei den einen oder anderen Themen bereits hinzugezogen. Es wird mit Marc Lüthi eine hybride Lösung geben.
Wie schwierig ist es, Emotionen aus dem Alltag wegzulassen, wenn man als Fan eine CEO-Position übernimmt?
Vom Ursprung her bin ich ein ruhiger Typ und kein emotionaler Mensch. Das wird wahrscheinlich die grösste Änderung zu jetzt sein. Es ist mir bewusst, dass ich bald mehr im Vordergrund stehen werde. Ich bin ein Teamplayer und habe schon die letzten zwei Jahre nicht im Alltagsbusiness hineingeredet. Aber ich bin das neue Gesicht des Clubs und bin mir auch bewusst, dass ich den Kopf hinhalten muss, wenn es nicht läuft.
Was ist aus Ihrer Sicht das zentrale Problem, welches Sie als erstes angehen möchten?
Für mich ist es wichtig, dass ich in den nächsten Wochen noch mit den Mitarbeitern reden kann. Wir haben schon einen Plan zurecht gelegt, wie der SC Bern in den nächsten Jahren geführt werden soll. Ich muss mich aber zuerst einarbeiten und Marc ist bis Ende April auch noch da. Generell ist es für mich noch zu früh zu sagen, was in meiner Zeit als CEO als erstes angegangen wird.
Vielen Dank für das Gespräch, Jürg Fuhrer, und einen guten Start in der neuen Funktion.
