Vorhang auf für Bärtschi

22.06.11 - Von Dennis Schellenberg

In der kommenden Nacht auf den Samstag und Sonntag findet im Xcel Energy Center, der Spielstätte der Minnesota Wild, der 49. NHL Entry Draft statt. Neben der Frage nach dem 1st Overall Draft Pick interessiert aus Schweizer Sicht vor allem die Position von Sven Bärtschi. Der Schweizer wird in der ersten Runde gezogen und man darf gespannt sein, wie weit nach vorne er sich in der vergangenen Saison spielen konnte.

Am 12. April wurde mittels Draft-Lotterie die Reihenfolge für den kommenden Draft ermittelt. Diese gewannen die New Jersey Devils zwar, aber da man höchstens vier Plätze gutmachen kann blieben die Edmonton Oilers das Team, welches als erstes Ziehen darf. Erneut die Oilers, die letzte Saison ebenfalls bereits als erster wählen konnten und sich für Taylor Hall entschieden und so das lange Rätselraten ob nun Hall oder Seguin der Pick Nummer eins sein wird, beendeten. Nun haben erneut sie die Qual der Wahl.

Nugent-Hopkins als Topfavorit

Bei den Listen der Scouts steht Stürmer Ryan Nugent-Hopkins zuoberst bei den nordamerikanischen Spielern. Gefolgt vom Schweden Gabriel Landeskog. Die Liste der Spielern aus europäischen Ligen wird von Verteidiger Adam Larsson angeführt, danach folgt mit Mika Zibanejad ein weiterer Schwede. Nugent-Hopkins wird zwar als Favorit auf den 1st Overall Pick angesehen, doch die Oilers könnten einen starken und bereits erfahrenen Verteidiger wie Larsson in ihrer Organisation gut gebrauchen. Larsson hat bereits zwei Saisons in der höchsten schwedischen Liga bestritten und gilt daher als sehr NHL-bereit. Doch auch Nugent-Hopkins ist ein grosses Thema bei den Oilers, wenn nicht vielleicht das grösste. Der kanadische Center gilt als exzellenter Spielmacher und Schlittschuhläufer. Ob die Oilers nun Nugent-Hopkins, Larsson oder gar einen Überraschungspick ziehen ist egal, es wird aber die Tatsache dass die Oilers viele junge gute Prospects in ihrem System haben nur noch unterstützen.

Neben Nugent-Hopkins kann man in der nordamerikanischen Liste noch weitere sehr interessante Spieler finden. Zum Beispiel der Schwede Gabriel Landeskog, der durchaus Chancen auf die Top 3 hat. Oder Jonathan Huberdeau, der in den letzten Monaten nochmals einen grossen Sprung nach vorne gemacht hat. Nicht zu vergessen auch der Zwei-Meter-Hühne Jamieson Oleksiak, der es seinem Vorbild Zdeno Chara nachmachen will. In der europäischen Liste ist neben Larsson Landsmann Mika Zibanejad ein interessanter Spieler. Der Stürmer mit finnischen und iranischen Wurzeln wird ebenfalls weit vorne erwartet. Neben ihm stellen die Schweden weitere stark eingeschätzte Spieler und sind in Europa die klar bestvertretenste Nation. Keinen all zu guten Jahrgang werden die Russen stellen. Sie werden dafür aber dann im nächsten Draft wieder besser vertreten sein.

Bärtschi versuchts wie Niederreiter

Aus Schweizer Sicht gilt das Augenmerk auf Sven Bärtschi. Der 18-jährige Langenthaler verliess auf Beginn der vergangenen Saison seine Heimat um bei den Portland WinterHawks in der Western Hockey League zu spielen. Dort traf er auf Nino Niederreiter, der den gleichen Weg wie Bärtschi ging. Und dass sich die Entscheidung, früh die Heimat zu verlassen um sich ans nordamerikanische Leben und Eishockey zu gewöhnen, auch für Bärtschi auszahlen wird, ist beinahe jetzt schon sicher. Und dies ist auch ein Punkt, der die Scouts und NHL-Vereine beeindruckt. Bärtschi wird nämlich nachgesagt, dass er sich optimal eingelebt hat und sich auch auf dem Eis bestens eingefügt hat. Ansonsten lässt Bärtschi die Statistik für sich sprechen. In der ersten Saison schaffte es der Schweizer auf den 15. Rang in der ligaweiten Skorerliste. Seine herausragenden Leistungen führten ihn zum All-Star Prospect Game und definitiv auf die Listen der Scouts. Im finalen Ranking von Central Scouting kam Bärtschi in der Liste aller verfügbaren Spieler in Nordamerika auf den 7. Rang. Neben seiner Anpassungsfähigkeit sind die Scouts vor allem von seinem Sinn fürs Spiel und seinen guten Händen beeindruckt. Doch obwohl Bärtschi gar die besseren WHL-Statistiken als Nino Niederreiter aufweist, wird der Langenthaler nicht höher eingestuft als Niederreiter und wird wohl auch nicht an ihn rankommen.

Bei dem NHL-Combine Draft, bei dem sich die Spieler Tests unterziehen müssen und die Clubs die Chance haben die Spieler zu interviewen, zeigten sich mehrere Teams am Schweizer interessiert. Vor allem die Buffalo Sabres, welche als 16. Ziehen können, bekundeten grosses Interesse an Bärtschi. Von wem Bärtschi allerdings gezogen wird ist dem 18-Jährigen egal. Denn er weiss, dass er so oder so in der ersten Runde gezogen wird.

Neben Bärtschi ist auch noch Gregory Hofmann von Ambri dabei. Er wird auf der europäischen Liste immerhin als Nummer 11 gelistet. Auch er war am Combine und konnte erste NHL-Luft schnuppern. Er hat immerhin 41 Spiele in der National League A gemacht und dort gegen ausgewachsene Männer gespielt. Diese Erfahrung können lange nicht alle Spieler mitbringen. Alessio Bertaggia erhofft sich auch noch an einer guten Stelle gedraftet zu werden. Die restlichen Schweizer dürften höchstens noch als Lückenfüller gedraftet werden. Aber falls sie gezogen werden, dürfte es ihnen egal sein, ob sie nur noch genommen wurden um die Lücken zu füllen. Hauptsache ein NHL-Team sichert sich die Rechte an ihnen und der Traum einst in der NHL spielen zu können lebt vorerst weiter.