Warum Boston gewann
In der Nacht auf Donnerstag holten sich die Boston Bruins den Stanley Cup dank eines 4:0-Auswärtssieges im siebten Spiel. Es war der erste Titel für das Original Six Team seit 1972. Warum konnten sich die Bruins aber dreimal in einem siebten Spiel durchsetzen und wie schaffte es das Team nach einem 0:2-Rückstand in der Finalserie nochmals zurück zu kommen? hockeyfans.ch nennt fünf Gründe für den Erfolg der Boston Bruins.
Die Vancouver Canucks waren alles in allem gesehen das beste Team der eben zu Ende gegangenen Saison, so könnte man meinen. Das Team aus British Columbia beendete die reguläre Saison auf dem ersten Platz und sicherte sich so auch das Heimrecht in allen Serien. In den Playoffs spielte man sich in den Final und warf Grössen wie Chicago oder San Jose aus dem Rennen. Obwohl die Canucks als Mitfavoriten in die Saison gingen, wusste man nicht, ob das Team von Alain Vigneault am Druck zerbrach. Als die Canucks im Final dann die ersten beiden Heimspiele gewann und somit mit 2:0 in der Serie in Führung ging, glaubten viele an den lange ersehnten Cupgewinn eines kanadischen Teams. Doch danach legte Boston eine eindrückliche Darbietung hin und erzwang sich ein siebtes Spiel, welches man noch eindrücklicher mit 4:0 gewinnen konnte und somit den Cup nach Beantown zurück holte. Die folgenden fünf Gründe waren dafür in der Finalserie ausschlaggebend:
1. Tim Thomas
Tim Thomas holte sich am Ende die Conne Smythe Trophy, verliehen an den wertvollsten Spieler der gesamten Playoffs. Diese Auszeichnung hatte sich Thomas redlich verdient. Bereits während der ganzen Saison war Thomas der klar beste Torhüter. Der Amerikaner ist ein Torhüter, der mit seinen Paraden ein Spiel auf den Kopf stellen kann. Zwar nicht unbedingt ein Musterschüler was den Stil angeht, doch Thomas überzeugt mit seinem aggressiven Verhalten und seinen Reflexen. Und die starken Leistungen konnte er auch im Final zeigen und war stets ein Rückhalt für seine Mannschaft, nicht so wie Roberto Luongo auf der anderen Seite. Die Canucks erzielten in den sieben Finalspielen lediglich acht Tore. Allerdings kann man dies nicht nur Thomas zuschreiben.
2. Steigerung im Powerplay
Vor der Finalserie war das Powerplay der Boston Bruins miserabel. Alle wussten dass sich dies gegen die Vancouver Canucks ändern muss um den Cup zu holen. Und den Bruins gelang dieses Kunststück. Genau zur richtigen Zeit drehten die Bruins im Powerplay auf. Dies war ein wichtiger Punkt - und ein weiterer Unterschied zu den Canucks.
3. Abwehrduo Chara/Seidenberg
Bereits die gesamten Playoffs hindurch war das Verteidigerduo Zdeno Chara und Dennis Seidenberg überragend. Die beiden Europäer ergänzten sich perfekt. Chara, der absolute Leader an der blauen Linie, konnte sich dank der defensiven Absicherung Seidenbergs immer wieder in den Angriff einschalten und war auch im Powerplay einer der wichtigen Spieler. Seidenberg hingegen brillierte mit seinem perfekten Defensivspiel. Die beiden wurden jeweils gegen die besten gegnerischen Linien eingesetzt. Im Final war dies keine andere als die erste Reihe der Canucks mit den Sedins und Burrows. Chara und Seidenberg machten auch im Final ihren Job perfekt und liessen vor allem den schwedischen Zwillingen nicht viel Raum für Kreatives.
4. 2. Sturmformation Die zweite Sturmformation um Routinier Mark Recchi, Brad Marchand und Center Patrice Bergeron war im Final schlicht überragend. Es fängt jeweils bei Patrice Bergeron an, der die Bullys gewinnt. Generell war Bergeron einer der überragenden Figuren dieser Playoffs. Zu Beginn noch abwesend wegen einer Verletzung, konnte er sich toll einfügen und überzeugte auch mit seiner gewohnt starken Defensivarbeit wieder. Mark Recchi drehte erst im Final auf, dies aber genau zur richtigen Zeit vor seinem Rücktritt. Und Brad Marchand zeigte sich als verantwortungsbewusster Scorer und brachte die eigentlich stabile Vancouver-Verteidigung durcheinander. Der Kanadier beendete somit seine fantastische Saison nach Mass.
5. Vancouvers Schlüsselspieler aus Spiel genommen
Die perfekt eingestellte Defensive der Bruins ermöglichte den Schlüsselspieler der Canucks nicht viel Spielraum. Die Sedins waren aus dem Spiel genommen. Und auch der zuletzt noch überragende Ryan Kesler musste sich nur noch mit einer Statistenrolle zufrieden geben. Die Bruins brachten es fertig, das beste Offensivteam der regulären Saison in den Griff zu bekommen und liessen nur gerade unglaubliche acht Gegentore zu.
Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe für den Triumph der Bruins oder das Scheitern der Canucks. Doch die wichtigsten wurden obenstehend genannt. Den kanadischen Eishockeyfreunden bleibt wohl nur noch die Gratulation nach Boston übrig. Und am Ende hat möglicherweise nicht das beste Team der kompletten Saison gewonnen, aber jenes, das im Final zuerst vier Spiele gewann. Gratulationen an die Organisation der Boston Bruins für eine tolle Leistung.
