Nächste Woche beginnt die neue Saison.
Interessiert an einem Aufstieg sind: Meister Sierre, Ch.d.f., Visp, Basel, Olten.
Sierre hat die Kritierien re Stadion noch nicht erfüllt, Basel scheiterte zuletzt an den finanziellen Bedingungen. Olten ist der krasse Aussenseiter für das grüne Licht für den Aufstieg. Möglich sind wie letztes Jahr nur Ch.d.f. und Visp als Aufstieger. Laut den Hockeyfans-Tipps für die kommende Saison, ist Sierre zwar Favorit, aber Ch.d.f. ist das Team mit den besseren Aufstiegschancen.
Wie sich die Situation nun entwickelt: Durch die Zusammenarbeit NL / SL wird das Profihockey klar vom Amateurhockey getrennt. Wird die SL besser vermarktet, wächst die Kluft zwischen SL und MHL. Zwei Ligen mit Auf-/Abstieg ohne Aufstieg aus dem unteren Bereich zB MHL, ist das überhaupt noch attraktiv? Oder ist das professionelle Eishcokey in der Schweiz auf dem Weg zur NHL 2.0? - eine Entkoppelung des Profisports vom Breitensport. Eine Reduktion der Liga ist noch möglich. Ein direkter Auf-/Abstieg, da war ich letzte Woche wohl zu optimistisch.
Sorry, aber diese Entwicklung wird durch die Integration der SL mit der NL unter einem Dach geradezu zementiert. Das Ziel ist keine zwei Ligen, sondern ein Produkt: Schweizer Profieishockey. Auch wenn NL und SL wie NHL und AHL zwei Ligen bilden, wird die SL eine Ausbildungsliga bleiben. Ein Auf-/Abstieg verliert praktisch an Attraktivität und Logik. Langfristig könnte diese Entwicklung dazu führen, dass der sportliche Abstieg komplett abgeschafft wird. Der Aufstieg würde dann nicht mehr über eine dramatische Ligaqualifikation im April entschieden, sondern über ein Franchise- oder Lizenzverfahren: Wenn ein Klub der SL bzw. NL II die wirtschaftlichen Kriterien erfüllt, die Infrastruktur besitzt und die Liga expandieren möchte, wird er aufgenommen – andernfalls bleibt er unten. Die totale Trennung vom Amateursport (Regio League / SIHF) ist damit vollzogen. Die Swiss League ist dann kein "Sprungbrett aus dem Amateurbereich" mehr, sondern eine feste Basis des Profi-Ökosystems. Der wunde Punkt jedoch bleibt: die Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Logik der Klubbesitzer und der sportlichen Attraktivität für die Fans und den internationalen Standard. Ich frage mich, ob unter diesen Umständen eine einzige Liga aus den bestehenden Teams der NL und SL nicht attraktiver wäre?
Hier möchte ich, wenn auch schon mehrmals wiederholt, gerne nochmal die Vorteile einer 10er NLA und 10er NLB mit direktem Auf-/Abstieg aufführen:
- Höhere Intensität und Relevanz: Bei 52 Qualifikationsspielen verzeiht das System eine Schwächephase praktisch problemlos. Die Regular Season "plätschert" oft über Monate dahin. Bei nur 36 Spielen wäre jede einzelne Partie intensiver, auch emotional. Die Dramatik würde ab Spieltag 1 massiv steigen (eine 10er-Liga mit Abstieg wäre auch mit 54 Spielen hoch attraktiv).
- Konzentration der Qualität: Weniger Teams bedeuten, dass die besten Schweizer Spieler und die Top-Ausländer auf weniger Klubs verteilt wären. Das sportliche Niveau in den verbleibenden 10 Teams würde sprunghaft ansteigen, was auch die internationale Konkurrenzfähigkeit (Nationalmannschaft, CHL) stärken würde.
- Bessere Regeneration und Trainingsqualität: Der aktuelle Spielplan ist ein Marathon. Weniger Spiele würden den Profis mehr Zeit für qualitativ hochwertiges Training und Regeneration geben. Das Resultat wäre schnelleres, physischeres und schlicht besseres Eishockey.
Und ebenfalls wiederholt, mir ist klar vor welchem Dilemma das Schweizer Profieishockey steht: Ein NL-Klub generiert pro Heimspiel Hunderttausende von Franken durch Ticketing, VIP-Logen, Bier- und Wurstverkauf. Würde man die Heimspiele von 26 auf 18 reduzieren, brächen den Klubs sofort mehr als einen Viertel ihrer direkten Stadion-Einnahmen weg. Dazu kommt, dass Medienpartner wie MySports für Masse und konstante Präsenz über das ganze Jahr bezahlen. Weniger Spiele bedeuten weniger Sendezeit, weniger Werbefläche auf dem Eis und den Trikots und somit weniger TV-Gelder. Dann kommt noch die Ausländerregelung, die sich nicht ändern lässt, wenn die Liga gross (14 Teams) bleibt oder noch grösser wird. Durch diese Ausländerreglung werden die Top-Positionen in den Sturmlinien und im Powerplay fast überall durch Import-Spieler besetzt. Dahinter folgen gestandene Schweizer Nationalspieler. Die Swiss League bzw. National League II bleibt somit die einzige Chance: Junge Nachwuchsspieler kommen in der NL kaum noch zu relevanter Eiszeit. Hier schliesst sich der Kreis zu meiner "NHL 2.0"-Theorie: Wenn die Swiss League zur reinen Ausbildungsliga mutiert, müssen die Jungen dort spielen, weil oben kein Platz mehr ist. Dann ist die Umsetzung der U23-Liga auch nicht weit davon entfernt. Eine 10er-Liga hingegen würde das Schweizer Eishockey sportlich näher an das absolute Weltklasse-Niveau bringen. Die Realität zeigt aber, dass die Clubs sich für den wirtschaftlichen Schutzschirm entschieden haben: Lieber mehr Spiele und finanzielle Sicherheit in einem geschlossenen System als maximale sportliche Härte mit dem Risiko des Abstiegs.
Den Clubbossen die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist allerdings einseitig. Aus Sicht der Fans: Wären die Fans bereit, höhere Ticketpreise zu zahlen, wenn dafür die Qualität der Spiele in einer kleineren Liga drastisch steigen würde? Ich von meiner Seite her ja, ich wäre bereit höhere Preise zu bezahlen, auch wenn die Preise gegenwärtig schon abartig hoch sind im Vergleich zu den 90er Jahren. Zugegeben, das Eischockey Ende 80er / Anfang 90er ist etwa mit durchschnittlichem SL-Niveau zu vergleichen. Doch die Inflation der Ticketpreise steht m.E. in keinem Verhältnis mehr zu dem, was in einem durchschnittlichen Qualifikationsspiel im November geboten wird. Gegenwärtig besuche ich nur ganz selten Matches, da schon durch die hohe Anzahl Spiele, die lange Regular Season, die Spannung genommen wird. Die Regular Season ist für mich wie eine "Pflichtübung" vor der Kür (den Playoffs). Frühestens ab Ende Januar wird es langsam spannend. Lieber schaue ich - auch während den Play-Off - ein Spiel, das gratis übertragen wird, in der gemütlichen heimischen Stube (Ausnahme: Ich werde von Freunden eingeladen). Wenn die Spannung für ein einzelnes Qualispiel attraktiver wird, würde ich eher wieder öfter ein Eishockeymatch besuchen. Ich weiss nicht, ob ich mit diesen Gedanken alleine bin. Die TV-Verträge könnten auch immer mehr zum Stolperstein werden: Das Live-Erlebnis im Stadion konkurriert heute mit perfekten TV-Bildern, Replays und Analysen im Gratis-TV oder via Stream. Wenn das Spiel selbst, zB an einem Dienstagabend im November keinen sportlichen Zwang zum Siegen ausstrahlt, bleibt der Anreiz klein, viel Geld für Tickets, Parkplatz und Verpflegung auszugeben. Die Strategie der Liga, die Swiss League nun enger an die National League zu binden, wird dieses Problem nicht lösen. Im Gegenteil: Es zementiert den Fokus auf die Maximierung von TV-Stunden und Sponsorenpräsenz. "Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht los". Aus Fan-Perspektive (zumindest aus meiner Sicht) wirkt das aktuelle System oft wie eine künstlich in die Länge gezogene Geldmaschine, bei der der sportliche Kernwert – die bedingungslose Dramatik um Sieg oder Niederlage – auf der Strecke bleibt.
Die Liga hat sich für den Weg der wirtschaftlichen Absicherung entschieden. Das Risiko eines Abstiegs wurde minimiert, die Anzahl der Spiele maximiert, um die TV- und Sponsoring-Verträge zu bedienen. Dass damit treue Fans der ersten Stunde, die den Sport wegen des Nervenkitzels lieben, ins heimische Wohnzimmer oder ganz abwandern, ist der Preis, den das Schweizer Eishockey für diese Kommerzialisierung bezahlt. Solange die Hallen in der Qualifikation trotz der vielen Spiele im Schnitt noch gut gefüllt sind, werden die Klubbosse an diesem System festhalten (letzte Saison war glaub' ich ein Rekordjahr!). Erst wenn das "Produkt Regular Season" für die breite Masse so unattraktiv wird, wird ein Umdenken stattfinden. Die National League boomt wie nie zuvor. Ein Eishockeyspiel hat auch Event-Charakter: Ein Eishockeymatch in der Schweiz ist für viele Unternehmen und Gutverdiener zu einem Statussymbol und Networking-Event geworden. Man geht nicht mehr zwingend nur wegen des Sports hin, sondern um gesehen zu werden, Kunden einzuladen und Champagner zu trinken. Ein einziger Gast in einer VIP-Loge spült den Klubs oft so viel Geld in die Kassen wie ein Dutzend treue Fans auf den Stehplätzen über die ganze Saison gesehen. Das verändert die Prioritäten der Klubbosse radikal. Die Liga hat das ursprüngliche Vertragsende 2027 nicht abgewartet, sondern die TV-Rechte vorzeitig in einem Mammut-Deal bis zum Sommer 2035 vergeben: Der 300-Millionen-Jackpot: Der Schweizer Telekom-Riese Sunrise (MySports) hat sich die gesamten Rechte für knapp 300 Millionen Franken gesichert. Das bedeutet planbare Einnahmen von rund 30 Millionen Franken pro Saison, die an die Liga fliessen. Historischer Ausschluss der SRG: Zum ersten Mal in der Geschichte des Schweizer Eishockeys geht das öffentlich-rechtliche Fernsehen (SRF/RTS/RSI) bei den Live-Bildern leer aus. Die SRG hat zudem angekündigt, sich ab 2027 vollständig aus der kostspieligen Produktion der Eishockeyspiele zurückzuziehen. ree-TV-Offensive auf Privatsendern: Um die Reichweite trotz des SRG-Abgangs zu sichern, kooperiert MySports grossflächig mit privaten Sendern. In der laufenden Saison 2026/27 werden während der Regular Season 39 Spiele im Free-TV gezeigt (hauptsächlich auf 3+ in der Deutschschweiz, Léman Bleu in der Romandie und TeleTicino im Tessin). Die Budgets im Schweizer Eishockey haben Dimensionen erreicht, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Angetrieben von den TV-Geldern und dem VIP-Boom haben sich die Budgets der Top-Klubs massiv erhöht: Die Krösusse der Liga, Spitzenklubs wie die ZSC Lions, der EV Zug oder der SC Bern operieren mittlerweile mit Gesamtbudgets von 25 bis über 30 Millionen Franken (inklusive Gastronomie und Stadionbetrieb). Allein die reinen Sportbudgets (Spielerlöhne) knacken bei den Top-Teams die Marke von 12 bis 15 Millionen Franken. Die Schere geht weiter auf: Während die Top-Klubs florieren, kämpfen Teams am unteren Ende der Tabelle (wie der HC Ajoie oder der HC Ambrì-Piotta) mit Budgets, die oft nur halb so gross sind. Dennoch liegt das finanzielle Minimum, um in der NL überhaupt überleben zu können, mittlerweile bei rund 11 bis 12 Millionen Franken. Das Produkt boomt, die Klubs schwimmen dank Sunrise im Geld. Da der TV-Vertrag nun aber bis 2035 festgeschrieben ist, gibt es in den nächsten fast zehn Jahren keine grossen Umsatzsprünge mehr über das Fernsehen. Wenn die Kosten für Spieler weiter steigen, müssen die Klubs den Umsatz zwangsläufig noch stärker über die Ticket- und VIP-Preise im Stadion hereinholen. Für mich bedeutet dies, dass die Liga mit ihrer Strategie der Gewinnmaximierung ein Stück weit die sportliche Seele opfert. Man holt zwar das Event- und VIP-Publikum ab, verliert aber immer mehr die Fans, denen es um den puren, knackigen sportlichen Wettbewerb geht. Das Schweizer Eishockey hat sich damit endgültig in zwei Welten gespalten: Auf der einen Seite die kommerzialisierte, private National League als Entertainment-Maschine für Firmen und Abonnenten. Auf der anderen Seite die grossen, traditionellen Turniere im öffentlich-rechtlichen Fernsehen für die gesamte Bevölkerung.
Doch, weshalb die TV-Verträge ein latenter Stolperstein sein können, meine persönliche Hoffnung btw., mit der Zeit wird das Produkt (auch wenn es zurzeit auf einem Höhenflug ist) an Attraktivität verlieren -> 1. Sättigung des Marktes: Wenn die Einschaltquoten für die quasi unbedeutenden Qualifikationsspiele im Herbst sinken, sinkt auch der Wert für die Werbekunden. 2. Korrektur beim nächsten TV-Deal: Die Fernsehsender (wie MySports/Sunrise) werden bei den nächsten Verhandlungen nicht mehr bereit sein, die gleichen astronomischen Summen zu zahlen, wenn die Reichweite stagniert oder sinkt. Das Kartenhaus wackelt: Da die Klubs ihre rasant gestiegenen Budgets (und die teuren Ausländer) auf diesen TV-Millionen aufgebaut haben, würde ein Rückgang dieser Einnahmen viele Vereine ziemlich rasch in existenzielle Nöte bringen. Die National League reitet aktuell auf einer perfekten Erfolgswelle, getragen von neuen Arenen und dem VIP-Boom. Doch das Fundament ist fragil, weil es sich immer weiter von der sportlichen Substanz und den emotionalen Bedürfnissen der Kern-Fans entfernt. Mein Vorschlag einer 10er-Liga mit 54 Spielen (ein zusätzliches Heimspiel!), um den TV-Verträgen gerecht zu werden, beweist perfekt, dass man die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Klubs (viele Spiele, viel Umsatz) und den Wunsch der Fans nach maximaler sportlicher Härte optimal kombinieren könnte – wenn die Liga den Mut dazu hätte...
Zuletzt bearbeitet von iFaya; 11/09/2026 13:13.