Nach zwei Wochen seit dem Ausscheiden möchte auch ich mich noch zur aktuellen Situation sowie der ganzen Saison allgemein äussern. Meine Vorschreiber haben die ganze Geschichte schon sehr treffend niedergeschrieben. Danach folgte eine fast schon tote Stille hier im Forum. Eine solche Stille nach einer erneuten Halbfinalquali?! Naja, so ganz Unrecht hat diese Stille nicht. Ich versuche dies in einer aus meiner Sicht sehr ausgeholten und zusammengefassten Analyse noch einmal zu vertiefen.
Bereits die Vorbereitung zeigte eine Steigerung gegenüber zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Die Auftritte mit sehr knappen Niederlagen trotz ansprechenden Leistungen zu Hause gegen Basel (2:3) und auswärts in Huttwil (1:2) machten Mut. Der SCL spielte, trotz des frühen Monats August, gegenüber der vergangenen Saisons deutlich verbessert. Auch wenn man zu diesem Zeitpunkt keinerlei Schlüsse aus dem Gezeigten ziehen konnte, wuchs die Erwartungshaltung bereits (zurecht!). Der klare Sieg gegen die U21 der SCL-Tigers sowie der dominante Auswärtssieg in der Cup-Quali gegen Adelboden unterstrichen die zu Beginn erwähnten Erwartungen.
Dann... ja dann... fing sie an diese Saison. Bereits im ersten Spiel auswärts in Dübendorf war nach nicht einmal zwei Dritteln klar, dass diese Saison wieder eine sehr schwierige Angelegenheit werden wird. Nach einem soliden ersten Drittel folgte bereits das erste Mal ein Totalschaden auf der ganzen Linie. Innert vier Minuten kassierte man vier Tore. Innert vier Minuten lag man nach einem souveränen 1:0 plötzlich mit 1:4 in Rückstand. Die Spieler fluchten. Spielerstöcke wurden zertrümmert, Bandentore wurden zugeknallt und Trinkfalschen direkt vor dem Gästesektor auf den Boden geschmissen. Und alles das ohne jegliche Reaktionen von Seiten der Trainerbank! Innert wenigen Augenblicken wurde man von einem Dübendorf vorgeführt, welches nicht ansatzweise besser spielte als es der SCL tat. Das war nur sehr schwer zu akzeptieren wie dies in einem ersten Saisonspiel, indem die Erwartungen gestiegen sind und die Fans in Scharen angereist waren, passieren konnte. Bereits das erste Mal flogen kurz nach dem Spiel die ersten Fetzen. Die Fans waren enttäuscht und es gab auch erste, wütende Fans ab dem Gezeigten. Zu diesen gesellte auch ich mich in aller Deutlichkeit!
Nach einem zu deutlichen 8:1 gegen den Aufsteiger Pikes folgten drei weitere Niederlagen in Serie (Lyss 1:3, Bellinzona im Cup 0:6 und Franches 1:4). Die Situation spitzte sich bereits ein erstes Mal zu, bevor der Oktober überhaupt richtig begonnen hatte. Danach erholte sich die Mannschaft ein wenig und punktete in sieben der acht darauffolgenden Spielen. Ohne zu überzeugen konnten vier Siege nach sechzig Minuten und drei nach Zuschlag eingefahren werden. Nach einem sehr dominanten Auftritt in den ersten dreissig Minuten gegen Franches brach man in Spiel 13 plötzlich wieder auf ganz unerklärliche Art und Weise innert wenigen Minuten zusammen. Ab dann folgte eine typische Phase in der man nie so recht wusste was auf einen zukommt. Zwischen Sieg und Niederlage lagen nicht Meter, sondern irgendwie nur wenige Millimeter.
Nach einer zweiwöchigen Weihnachtspause startete der SCL in jene Phase der Saison, in welcher er in den vorherigen zwei Saisons die Aufholjagt startete. Nur war in diesem Jahr alles anders. Man startete mit fünf (!) Niederlagen aus den ersten sechs Spielen in das neue Jahr. Unter anderem verlor man nach einem schwachen und durchaus denkwürdigen Spiel zu Hause vor den eigenen Fans gegen Frauenfeld das Schlüsselspiel um die direkte Playoffquali mit 4:6. Die Reaktionen auf dieses Spiel waren im Fanlager als sehr angespannt und frustrierend wahrzunehmen. Ehrliche und kritische Worte von Seiten der Direktbeteiligten waren äusserst rar. Anstelle von Respekt gegenüber dem Gegner und den kleinen Dingen im Sport folgten Ausreden und unrelevante Aussagen. Die Fans ahnten da nicht zum ersten Mal Ungutes.
Am Ende der Quali stand der SCL zu Recht nur auf Tabellenplatz sieben. Man hat nicht nur das erweiterte Ziel (Heimvorteil für die Playoffs) deutlich verpasst, sondern auch mit satten sieben Punkten Rückstand auf Frauenfeld und Platz sechs das Minimalziel (direkte Playoff-Quali) klar verpasst. Von einem knapp verpassten Minimalziel, so wie es der SCL auf der eigenen Homepage signalisierte, kann da schlicht keine Rede sein!
Der Tiefpunkt folgte dann im Rückspiel der Play-Ins gegen Bülach. Während man im Hinspiel auswärts in Zürich mehr oder weniger ungefährdet 4:0 gewann, verlor man das Rückspiel zwei Tage später auf eine ganz arrogante Art und Weise mit 4:5. Wären die beiden Empty Netter in der Schlussminute nicht noch gekommen, hätte man dieses Spiel normalerweise mit mindestens drei Toren Unterschied sang und klanglos verloren. Dieser Auftritt war eines jeden Sportlers, egal ob Profi oder Amateur, absolut unwürdig. Das sind harte Worte aber waren bzw. sind durchaus angebracht. Anstelle im Rückspiel im heimischen Schoren dem Spiel den Stempel mit einer beherzten und konzentrierten Leistung mit Hilfe des siebten Mannes im Rücken aufzudrücken, trat man arrogant, überheblich, unmotiviert und im völligen Verwaltungsmodus auf.
Wie konnte ein solcher Auftritt, notabene in der heissen Phase einer Saison, passieren?! Ich sage jetzt einfach mal nichts dazu.....
Trotz diesem denkwürdigen Auftritt resultierte die 22. Playoff-Teilnahme in Folge. Wohl keine dieser Qualifikationen war mit einem so faden Beigeschmack realisiert worden wie diese. Man kann verlieren gar keine Frage. Aber nicht auf eine solche Art und Weise! Dieses Spiel löste bei den Fans dann definitiv Wut und Ärger aus. Auch bei solchen Fans, bei denen man es nie für möglich gehalten hätte.
Trotz allem startete man gegen Franches als klarer Aussenseiter in die Viertelfinalserie. Wohl Niemand hat auch nur ansatzweise an eine enge, geschweige an das reale Ende dieser Serie gedacht. Die Spieler sind noch einmal zusammengerückt und fanden doch tatsächlich ein Mittel, um das überheblich spielende Franches in nur drei Spielen aus den Playoffs zu schiessen. In Spiel 1 hatte man in den ersten dreissig Minuten kaum einen ansprechenden Angriff aus der eigenen Zone realisieren können. Unsere Jungs lauerten auf Konter in Form eines schnellen Umschaltspiels. Dieses System lag Franches ganz und gar nicht. Je länger die Serie aber dauerte, desto mehr spielte der SCL auch spielerisch auf Augenhöhe mit. Im dritten Spiel war man Franches trotz zwischenzeitlichen Rückstands in den entscheidenden Momenten gar überlegen. Vor allem die Powerlinie um Schnegg wirbelte gehörig und vergeigte mehrere Grosschancen. Auch der Goalie von Franches hatte schlicht keine gute Serie erwischt. Der SCL stand zusammen, trat als eine grosse Einheit auf und war in den entscheidenden Momenten dieser Serie hellwach und bereit. Die Serie wurde am Schluss absolut verdient mit 3:0-Siegen gewonnen. Abgesehen von den fünf vorherigen Monaten waren diese drei Spiele im Verhältnis schlicht souverän, befriedigend und der Lohn einer guten Mannschaftsleistung. Zum ersten Mal stand man wieder in der Kurve und verspürte Leidenschaft, Spannung und grosse Emotionen. Gefühle, die man in den vorangegangenen fünf Monaten bis auf wenige Ausnahmen nie wirklich verspüren konnte.
Was folgte war eine erneute Halbfinalserie gegen den Qualisieger Seewen. Nach dem überraschend deutlichen Sieg im Viertelfinal wuchsen verständlicherweise auch die Erwartungen wieder. Der Gästesektor war vor allem in Spiel 1, aber auch in Spiel 3, voll! Gelbblau gab auch in Seewen wie immer den Ton an. Der Support war für MHL-Verhältnisse überragend. Trotz angerichteter Speise nahm der SCL dem Abendtisch aber keiner Beteiligung nach. In den ersten zwei Spielen schoss man kein einziges Tor und fand schlichtweg kein Rezept gegen dieses auf vier Linien souverän gut spielende Seewen.
Spiel 3 auswärts war dann sinnbildlich für die ganze Saison. Man führte trotz bemühter Leistung fünf Minuten vor Schluss mit 4:2. Mit unnötiger Strafe und qualitativ nicht cleverer Arbeit kassierte man doch tatsächlich noch den Ausgleich. Nach der torlosen Verlängerung musste man ins Penaltyschiessen. Auch da hatte man zwei Matchpucks aber konnte keinen verwerten. Kaum vorstellbar was da im Schoren los gewesen wäre, wenn der SCL ein zusätzliches viertes Spiel im heimischen Schoren am Samstagabend erzwungen hätte. Am Schluss entschied Seewen auch dieses, diesmal äusserst enge Spiel für sich. Die Saison endete trotz grossen Siegeshoffnungen in Spiel 3 doch noch fatal. Diese letzte Niederlage war trotz Halbfinalquali nicht nur die eine Niederlage zu viel, sondern widerspiegelte sogleich den Ablauf über diese ganze Saison.
Nicht ganz erfreuliche Fakten:
>> Nur 10 Siege nach sechzig Minuten in 30 Qualispielen
>> 6 Niederlagen aus den letzten 8 Qualispielen
>> Nur 2 Siege gegen die Top 5-Teams in 15 Qualispielen (!)
>> Nur 6 von möglichen 45 Punkten gegen die Top 5-Teams geholt (!)
>> In 9 von 30 Spielen verlor man das Spiel mit zum Teil drei Gegentreffern in nur wenigen Minuten
Zusammengefasst muss man trotz dem Vorstoss in den Halbfinal insgesamt von einer enttäuschenden Saison sprechen. Es kann und vor allem darf nicht sein, dass drei siegreiche Spiele in den Playoffs eine ganze Qualifikation vergessen machen. Das wäre fatal und nicht zielführend. Mir ist es wichtig zu schreiben, dass sicher nicht alles schlecht war. Keine Frage! Aber die Art und Weise wie man eigentlich konstant die ganze Quali über agierte war nicht gerade berauschend. Auch Fortschritte sah man nur bedingt. Die Liga schläft nicht und die Gegner sind gut. Teams wie Seewen, Huttwil, Franches und auch ein Thun spielen auf einem guten Level und besitzen erfahrene und gute Spieler. Da reichen nur 95 % Einsatz, undisziplinierte Auftritte und unkonzentrierte Leistungen in diesem Ausmass einfach nicht.
Ein nächster Step muss nun unbedingt das Ziel sein. Ansonsten droht die Gefahr auf Dauer konstant nur Mittelmass zu sein. Das Gefälle in dieser Liga ist gross. Neben den aufgezählten Topteams und dem 3er-Mittelfeld (Langenthal, Dübendorf und Frauenfeld) hat es vier Teams die eigentlich ’’abfallen’’. Wenn man nun nicht in der Lage sein kann, in dieser jetzt dann doch schon vierten MHL-Saison von Beginn weg eine Schippe drauf zu legen, wird es enorm schwierig werden.
Das Mittel zum Erfolg läuft nur über einen gesunden Kern einer Mannschaft. Dieser besass der SCL auch in den erfolgreichen Meisterjahren in der Swiss League und setzte passende Spieler um diesen Kern herum. Dieser Kern ist auch jetzt in einer MHL enorm wichtig. Ein solcher muss stetig gepflegt und auch ergänzt werden. Dieser Kern droht auf den ersten Blick nach den ersten fünf kommunizierten Abgängen bereits wieder ein wenig zu bröckeln… Ich möchte hier nicht auf einzelne Namen eingehen. Der eine oder andere hat vielleicht nicht gerade das gebracht, wo man von ihm eigentlich hätte erwarten dürfen. Anderen wurde ein gewisser Konkurrenzdruck auch für die kommende Saison auferlegt. Das ist bis zu einem bestimmten Punkt gut und muss auch sein. Doch aktuell sind aus meiner Sicht nach den bereits sehr früh und in der Anzahl eher ungewöhnlich hoch kommunizierten Spieler die Lücken mit den bereits kommunizierten Zugängen ganz klar noch nicht kompensiert. Es fliesst noch viel Wasser die Aare hinunter und der Frühling hat erst begonnen. Doch die Frage nach gezielten Verstärkungen darf und muss gestellt werden. In dieser Liga müssen Transfers aufgrund des Wohnortes und dem Job relativ früh und gut überlegt ablaufen. Ein Kern, den man jede Saison immer wieder mit drei oder mehr Abgängen kompensieren muss, kann kein nachhaltiger Kern werden! Junge Spieler die man neu einbaut müssen geführt werden und möchten lernen, ohne gleich eine (zu) grosse Verantwortung übernehmen zu müssen. Bereits auf die letzte Saison hin konnte man da aus meiner Sicht zu wenig Ertrag erzielen. Wie ich bereits sagte, wir haben erst Ende März. Es ist nicht einfach gute und erfahrene Spieler in dieser Liga verpflichten zu können. Aber andere Teams schaffen das auch! Unter dem Strich geht es aber nicht nur um solche Transfers, sondern um mit gezielten Ergänzungen und den vorhandenen Mitteln ein möglichst einheitliches und konkurrenzfähiges Team zusammenstellen zu können. Eines, das bereits zu Beginn einer Quali solides Eishockey zeigen kann. Denn mit nur 2 Siegen in 15 Spielen und nur 6 von möglichen 45 geholten Punkten gegen die Top 5-Teams über einen solch langen Zeitraum von fünf Monaten kann und darf nicht der Anspruch sein! Aus diesem Grund geht mein Appell auch an den Sportchef: Jetzt muss geliefert werden...
Die soeben geschriebenen Zeilen sind sehr lang und oftmals auch kritisch. Das ist mir sehr wohl bewusst. Doch man sagte uns wir sollen kritisch sein
Gut gemeinte Kritik ist nicht immer schlecht und muss vorhanden sein wenn man wachsen möchte. Ich hoffe, der SCL zieht die richtigen Schlüsse und ist bestrebt den nächsten Schritt nach vorne gehen zu wollen. Denn das hat der Club, das Umfeld, die Sponsoren und die ganze Stadt verdient. Und am meisten die treusten Fans im Stadion: Was vor allem die Kurve die ganze Saison wieder abgeliefert hat ist absolute Spitze! Ihr verdient grössten Respekt! Danke Jungs!!
Schöne Ferien und bis glii… HOPP SCL!