Müller: „Wir brauchen uns vor niemanden zu verstecken!“

21.5.2021 - Von Maurizio Urech

Mirco Müller spielt seine zweite WM nach dem Gewinn der Silbermedaille vor drei Jahren. Wir sprachen vor dem WM-Auftakt mit ihm über das Turnier in Riga und seinen Wechsel nach Lugano und lassen den Trainer Patrick Fischer zu Wort kommen.

Bevor wir über die Nationalmannschaft reden, sprechen wir über die News vom Mittwoch. Sie haben einen 6-Jahresvertrag mit Lugano unterschrieben, was war entscheidend?

Ich habe mich für Lugano entschieden, weil wir schon seit zwei Jahren im Kontakt waren. Die Offerte von Lugano ist genau was ich brauchte, es passt ich komme in ein ambitioniertes Team mit viel Potential. Ich habe auch schon ein paar Mal mit McSorley gesprochen. Er hat mir erklärt wie er mit Lugano spielen will. Er ist sehr professionell und will gewinnen und dies entspricht meiner Mentalität.

Im Alter von 26 Jahren einen solch langen Vertrag zu unterschreiben, bedeutet dies, dass sie Ihren NHL-Traum begraben haben?

Es war eine enorm schwierige letzte Saison mit vielen Ungewissheiten wegen der Pandemie. Ich hatte Kontakte zu Teams aus der NHL, doch es gab immer wieder ein Hindernis, so dass sich nichts Konkretes ergab. Daher entschied ich mich die Offerte von Leksand anzunehmen um noch Spielpraxis zu erhalten. Dank Lugano habe ich jetzt die gewünschte Sicherheit und Stabilität, die ich suchte. Für die nächsten Jahre liegt meine Priorität bei Lugano; die NHL ist momentan kein Thema. Mit Leksand konnte ich eine neue Realität kennenlernen, ich erhielt dort viel Eiszeit und viel Verantwortung und habe eine Meisterschaft mit vielen Talentierten Spielern entdeckt die mir für die Zukunft nützlich sein wird.

Dies wird Ihre zweite WM nach der erfolgreichen WM 2018, die mit der Silbermedaille endete. Wie ist ihre Gemütslage kurz vor dem Start?

Ich habe ein positives Feeling. Wir haben eine ausgezeichnete Mannschaft mit einem ausgeglichenem Line-up. Jeder hat diverse Qualitäten, die er in den Dienst der Mannschaft stellt. Wir haben Spieler mit NHL-Erfahrung, Skorer und andere, die körperbetont mit direktem Zug aufs Tor spielen. Auf diesem Niveau ist es wichtig die Zweikämpfe vor beiden Toren zu gewinnen. Wir haben einen guten Teamgeist, hoffentlich dauert unser Turnier lange. Wir nehmen Spiel für Spiel und wollen jeder Partie unseren Stempel aufdrücken. Wir respektieren alle, aber müssen uns vor niemandem verstecken.

Patrick Fischer: „Wir sind froh dass es endlich losgeht“

Patrick Fischer, wenn Sie vor dem Start die Kader der diversen Mannschaften vergleichen. Wo stufen Sie die Schweiz ein? Es fehlen ja viele Spieler aus der NHL.

Die Finnen haben ja vor zwei Jahre gezeigt, dass man auch ohne NHL-Spieler gewinnen kann. Weniger NHL-Spieler im Kader heisst nicht, dass man schwächer aufgestellt ist. Auch wer in der KHL spielt hat Qualitäten. In unserer Gruppe haben wir drei Teams – Russland, Tschechien und Schweden – die in den letzten 15 Jahren immer das Viertelfinale erreicht haben. Die anderen Teams spielen um den vierten Platz und wir sind sicher die Favoriten zusammen mit der Slowakei. Ein guter Start ins Turnier wäre optimal.

Es war eine spezielle Saison wegen der Pandemie. Diverse Vorbereitungsspiele mussten abgesagt werden. Wie ist Ihr Gefühl kurz vor dem Turnierstart?

Es war vor allem für uns vom Staff eine lange Zeit ohne Ernstkämpfe. Jetzt sind wir froh, dass es endlich losgeht. Ich habe ein gutes Feeling. In den Testspielen waren wir defensiv gut. Wir können mit einem gesunden Selbstvertrauen ins Turnier steigen. Ich bin stolz darauf, dass alle Spieler zugesagt haben und motiviert sind für die Nationalmannschaft zu spielen. Wir haben vor dem Start über die Pandemie gesprochen. Es war für alle eine schwierige Saison, doch es bleibt uns nichts anderes als diese Situation so zu akzeptieren.

Von den Spielern hört man, dass die Schweiz ins Turnier steigt um zu gewinnen. Ist das Ziel zu hoch angesetzt?

Nein, ich glaube es ist eine ehrliche Kommunikation. Wir haben in den letzten Jahren von dem Top-Nationen gelernt, die Nordamerikaner, die Russen, die Nordländer fahren an die WM um zu gewinnen und dies wird auch so kommuniziert. Wenn ich z.B. Nico Hischier kontaktiere und ihn frage, ob er Lust hat für die Nationalmannschaft zu spielen und unser Ziel der 6. Platz ist, wird er kaum motiviert sein zuzusagen. Unser erstes Ziel ist natürlich die Qualifikation für das Viertelfinale, nachher ist vieles möglich. In unserem Sport braucht es auch ein wenig Glück um eine Medaille zu gewinnen.

Können Sie uns schon etwas über die Aufstellung verraten und Ihre Einschätzung über die Tschechen?

Wir werden morgen mit den gleichen Blöcken wie in den Vorbereitungsspielen antreten. Der Block um Corvi bleibt unverändert. Nico Hischier wird eine Linie mit Timo Meier und Sven Andrighetto bilden. Noah Rod ist leicht angeschlagen und wird das erste Weekend verpassen, wird aber hoffentlich später wieder zur Verfügung stehen. Die Tschechen haben ähnliche Qualitäten wie wir: ein robustes Team, das schnell von der Defensive auf die Offensive umstellen kann. In den Vorbereitungsspielen haben sie überzeugt. Wir treffen auf eine Mannschaft, die in Form ist.