Simion: Nach dem Titel ist vor der WM

19.5.2021 - Von Maurizio Urech

Kaum hat Dario Simion mit dem EV Zug den Meistertitel gefeiert, kam für den Tessiner Stürmer der zweite Erfolg: sein erstes WM-Aufgebot. Vor dem Start unterhielten wir uns mit einem der Hauptprotagonisten des Meistertitels. Seine beeindruckenden Zahlen: 63 Spiele 33 Tore und 24 Assist – seine mit Abstand beste Saison in der NL.

Dario Simion herzliche Gratulation zum Meistertitel und zum ersten WM-Aufgebot. War die WM ein Ziel für sie anfangs Saison?

Nein, dies war nicht mein Ziel anfangs Saison, sondern ich wollte schon immer an einer WM die Schweiz vertreten. Auch Patrick Fischer hat mir mehrmals gesagt, dass ich das Potential dafür habe, aber ich konnte es nie ausschöpfen. In dieser Saison hat es endlich geklappt und ich konnte den mentalen Schritt machen und mein Potential auszuschöpfen.

Ein spezieller Moment, den sie bestimmt auch mit ihrer Familie geteilt haben.

Absolut, vor allem dank Ihnen konnte ich von klein auf meiner Leidenschaft fürs Eishockey frönen, daher geht mein Dank an meine Eltern, die viel Freizeit für mich geopfert haben.

In einem Interview haben sie erwähnt, dass dieser Schritt darauf zurückzuführen ist, dass Sie im Sommer so hart wie noch nie gearbeitet haben, war aber am Schluss auch das Mentale entscheidend?

Ich habe mit diversen Coaches über dieses Thema geredet, wieso dass ich mein Potential nie richtig konstant aufs Eis bringen konnte. Im Sommer habe ich im Tessin einen Kurs mit einem Mentaltrainer absolviert, der mir wertvolle Tipps gegeben hat, die mich einen Schritt weiter gebracht haben.

Mit Grégory Hofmann und Raphael Diaz haben sie zwei Zuger Teamkollegen, die schon WM-Erfahrung sammeln konnten. Haben sie sich mit ihnen ausgetauscht?

Ich habe mit Greg und anderen Spielern gesprochen. An einer WM ist das Niveau noch einmal höher, alles ist intensiver, mehr Tempo, mehr Intensität und auch läuferisch. Du hast weniger Zeit und Raum und musst die Entscheidungen schneller als in der Meisterschaft treffen.

Sie haben die letzten Vorbereitungsspiele gegen Lettland bestritten. War es ein guter Probelauf für die WM?

Wir haben zwei gute Spiele bestritten, ausser den vier NHL-Verstärkungen konnten wir schon mit dem kompletten Kader antreten, sicher ein Vorteil für uns. Die zwei Spiele gegen Russland habe ich am Fernsehen verfolgt. Nach den zwei Tagen, die wir in Quarantäne verbracht haben, bleiben uns vier Tage um die letzten Details mit dem Coaching-Staff anzuschauen und für den WM-Start bereit zu sein.

Die offensive Spielweise von Patrick Fischer mit der Nationalmannschaft sollte Spielern wie ihnen entgegenkommen. Unter Tagnes spielt ihr beim EVZ ein ähnliches System.

Es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten aber auch feine Unterschiede. In der Nationalmannschaft beginnt alles mit einer kompakten Defensive, die es uns dann erlaubt mit einer schnellen Transition auf Angriff umzustellen. In zwei Spielen gegen die Letten haben wir nur ein Tor kassiert, die Basis unseres Spiels ist die Defensive. Wenn diese funktioniert, können wir unsere Stärken ausspielen.

In der Meisterschaft war ihre grosse Stärke die Präsenz im Slot. Können sie dies auch auf Internationalem Niveau aufs Eis zu bringen?

Auf internationalem Niveau geht alles schneller, man hat weniger Zeit und Raum. Unser Ziel muss es sein möglichst viele Scheiben aufs Tor zu bringen, für Verkehr vor dem gegnerischen Tor zu sorgen, auf die Rebounds zu gehen oder mit Ablenkern Torgefahr zu kreieren. Dies gehört auch zu meinen Aufgaben. Ich werde versuchen an dieser WM Spass zu haben und hoffe, dass ich mein Potential bestätigen und dem Team helfen kann.

Man kann also sagen, dass sie mit einem positiven Feeling ins erste WM-Abenteuer starten.

Ich glaube wir dürfen mit einer positiven Einstellung starten. Ich glaube wir haben in jeder Partie eine Siegeschance. Natürlich müssen wir Spiel für Spiel nehmen. Persönlich spüre ich grosses Vertrauen des gesamten Coaching-Staffs. Unsere Linie mit Grégory Hofmann und Enzo Corvi, mit dem ich schon in Davos zusammengespielte, hat schon sehr funktioniert, Corvi hat eine ähnliche Spielübersicht wie Kovar und über die Qualitäten von Hofmann müssen wir nicht diskutieren. Wir sind bereit.

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Simion


Dario Simion im Einsatz für die Nationalmannschaft beim Deutschland Cup 2018. Foto: Vedran Galijas / JustPictures
 


Simion gehörte im Playoff-Finale zu den Schlüsselspielern beim EV Zug. Foto: Philipp Hegglin