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In Schönheit gestorben – Russland verliert
Von Urs Berger
Das Finale war eine enge Angelegenheit, Mit der Tschechischen Republik gewann das Team mit 2:1, welches die weniger guten Individualisten hatten. Und am Ende das Bessere Team stellten.
Beide Teams hätten es verdient gehabt zu gewinnen. Wie es im Sport nun einmal ist, musste es aber einen Sieger geben. Speziell in einem Finale. Da Spielen Sympathien oder Antipathien keine Rolle mehr. Man lehnt sich als neutraler Beobachter zurück und geniesst das Spektakel auf dem Eis. Und heute Abend fühlte man sich in eine alte Zeit zurückversetzt. Die Lanxessarena in Köln bebte unter den über 19000 Fans, gekleidet in Rot-Blau-Weiss, den beiden Landesfarben der beteiligten Länder. Schon lange vor dem Spiel schwappte diese eigenartige Euphorie, diese eigenartige Stimmung zwischen fröhlichem Singen und angespannter Vorfreude auf den Zuschauer über. Egal für wen man war, das Spiel versprach vieles. Und hielt es denn auch. Nach nun mal 20 Sekunden war es derTscheche Jakub Klepis der die erste Zahl beim Tor sich eintragen lassen konnte. Nach einem schnellen Vorstoss über die linke Seite brachte er Semyono Varlamov zum ersten Mal dazu, hinter sich zu greifen. Danach war der russische Bär gereizt. Nun suchte Russland den Ausgleich, kämpfte mit allem was erlaubt war. Und hatte des öfteren das Pech auf seiner Seite. Keiner der Gefühlten 20 Abschlussversuche fand den Weg hinter Torhüter Tomas Vokoun. Erst als die Sirene zur Pause rief, überquerte das Objekt der Begierde die Linie. Da war es aber schon zu spät. Russland lag nach 20 Minuten im Rückstand. Und musste sich keine Vorwürfe machen, da sie nicht führten. Zu clever agierten die Tschechen. Zu gut schottete man den Torhüter ab.
Ovechkin leitete Niederlage ein
Das Bild änderte sich auch im zweiten Spielabschnitt nicht. Russland rannte, Tschechien verteidigte. Und der Frust wuchs auf Seiten Russlands. Man rannte weiter an. Und traf doch nicht. Immer wieder war die vielbeinige Abwehr der Tschechen oder deren Torhüter Endstation der Angriffe. Anders die Spieler um Jaromir Jagr. Alleine mit der Präsenz in der Mannschaft mochte der alternde Star die Zuschauer zu begeistern. Da verblasste auch ein Alexander Ovechkin, welcher den Treffer zum 2:0 für den Gegner einleitet. Er wollte zu einem Check auf offenem Eis ansetzen, konnte diesen aber nicht richtig fertig machen und checkte dafür seinen eigenen Teamkollegen Alexander Frolov. Was Tomas Rolinek zur 2:0 Führung ausnützte. Das Ganze gerade einmal 107 Sekunden vor der zweiten Pause.
Jagr`s Kariere zu Ende?
Russland war nun gezwungen noch mehr für das Spiel zu tun. Die Tschechen hätten sich zurückziehen können und abwarten, was da kommt. Dies taten sie nicht und spielten keck weiter. Der russische Bär, nun nicht nur angeschlagen, sondern blutend, bäumte sich noch einmal auf. Und griff zu unerlaubten Mitteln. In der 50. Minute erwischte Alexei Emelin Jaromir Jager so unglücklich, dass Jagr mit einer Knieverletzung ausschied. Wird diese Verletzung die Karriere Jagr`s beenden? Die Schiedsrichter sprachen daraufhin eine Fünr Minuten Strafe aus. Mit dieser Strafe als Handicap versuchte Russland nun das eine oder andere Mal zu Kontern. Die Abwehr der Tschechen passte aber auf. Und hatte Russland weiter im Griff. Es zeichnete sich ab, dass Russland als Verlierer vom Eis fahren würde. Slawa Bykov versuchte in der Folge alles für einen Sieg. Er nahm 150 Sekunden vor Spielende sein Time-Out, ersetzte Varlamov und brachte einen sechsten Feldspieler. Zudem musste die Tschechische Republik mit zwei Mann weniger auskommen. Dies nütze Russland zum Anschlusstreffer durch Pavel Datsyuk aus. Doch es reichte nicht. Das verbissene Aufbäumen, der unbedingte Willen zum Siegen fehlte. Mit diesem Sieg konnte die Tschechische Republik den Titel als Weltmeister feiern. Und entrohnte Russland. Russland verlor damit nach 2007 das erste Mal wieder ein Spiel an einer Weltmeisterschaft.
Das letzte Aufbäumen der tschechischen Republik?
Es stellt sich nach diesem Finale nur die Frage, ob die Tschechische Republik mit diesem Sieg den Zenit ihrer Nationalmannschaft überschritten hat. Denn mit diesem letzten Spiel endet auch gleichzeitig die Karriere des Nationaltrainers Vladimir Ruzicka. Danach wird Alois Hadamczik dies Mannschaft wieder übernehmen. Ob er den gleichen Erfolg haben wird wie sein Vorgänger, welcher bereits 2005 den Weltmeistertitel feiern konnte, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass die Titelverteidigung im kommenden Jahr in der Slowakei nicht einfach sein wird. Doch der Sport schreibt manchmal die verrücktesten Geschichten. Wie auch heute Abend. Denn das Tschechien Weltmeister würde, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Und dies gehörte sich auch so. Denn an dieser verrückten Weltmeisterschaft war nichts logisch.
Telegramm:
Russland - Tschechien 1:2 (0:1; 0:1; 1:0)
Lanxess Arena, Köln. – 19132 Zuschauer (Ausverkauft) . – Schiedsrichter: Baluska (SVK)/Levonen (FIN); Brown (USA)/Wehrli(SUI). – Tore: 0:20 Klepis (Jagr) 0:1; 38:13 Rolinek (Rachunek) 0:2; 59:24 Datsyuk (Kovalchuck, Gonchar) 2:1. – Strafen: 3 x 2 Minuten, 1x5 Minuten 1x SPD (Emelin) gegen Russland; 5 x Minuten gegen Tschechien.
Torschüsse: 36:25 (13:8, 12:10, 11:7)
Bemerkungen: 20:00 Tor Datsyuk (RUS) aberkannt (Pausensirene); 57:24Time-Out Russland; Russland ab 57:24 ohne Torhüter; 59:24 Time-Out Tschechien.
Russland: Varlamov (Koshechkin); Korneyev, Grebeshkov; Kalinin, Gonchar; Nikulin, Emelin; Atyushov, Kulikov; Ovechkin, Fedorov, Sushinsky; Malkin, Satsyuk, Kovalchuk; Tereshchenkko, Frolov, Kozlov; Kulemin, Anisimov, Afinogenov.
Tschechien: Vokoun (Pavelec); Roszislav, Caslava; Blatak, Nemec; Rachunek, Mojzis; Gregorek; Vampola, Klepis, Jagr; Marek, Rolinek, Voracek; Cervenka, Novotny, Kaspar; Hubacek, Ruzicka, Koukal; Kvapil.
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Fotos von Michael Zanghellini © |Diashow anzeigen
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