Donnerstag, 20. Mai 2010

WM 2010

0 : 1
(0:0, 0:1, 0:0)
Schweiz Deutschland
 

Matchbericht



 
 

Schweiz ausgeschieden

Von Urs Berger

Die Schweizer Nationalmannschaft verlor das wichtige Spiel um den Einzug in das Halbfinale gegen Deutschland mit 0:1. Grund dafür war eine ausgezeichnete Leistung des Deutschen Schlussmanns Dennis Endras und ein kollektives Versagen der Schweizer. Zuwenig passte in diesem wichtigen Spiel zusammen. Deutschland klassiert sich damit erstmals seit 1954 an einer WM unter den besten vier Teams.

Dass es kein Spiel für Eishockeyliebhaber werden würde, war von Beginn an klar. Die Schweiz und Deutschland neutralisierten sich denn auch weitgehend. Dennoch kam die Schweiz zu Beginn besser aus den Startlöchern. Paolo Duca prüfte den Deutschen Schlussmann Dennis Endras bereits nach 90 Sekunden. Doch Endras hielt diesen Schuss problemlos. Das Bild glich sich während den ersten 20 Minuten mehrheitlich. Die Schweiz machte das Spiel, Deutschland stand hinten und wartete ab. Eine Taktik, welche sie bisher sehr gut anwenden konnten. Die Schweizer waren dabei auch noch der Chancentod persönlich. Ivo Rüthemann und auch Paul Savary vergaben aus aussichtsreichsten Positionen das 1:0 für die Schweiz. Dann kam auch noch Pech dazu, als ein Abschluss von Félicien Du Bois die Latte ganz knapp streifte. Wie angespannt die Lage war zeigte sich in der 16. Minute. Christian Erhoff rempelte Martin Plüss von hinten an. Worauf sich dieser mit einem Stockschlag zwischen die Beine rächte. Dies wiederum sahen die Schiedsrichter und bestraften den Schweizer mit einer Fünf-Minuten-Strafe plus einem Restausschluss. Deutschland konnte keinen Profit aus der Strafe ziehen und machte keinen sicheren Eindruck in dieser Phase. Die Schweiz ihrerseits konnte den Schwung aus dem ersten Drittel nicht in das zweite hinein retten. Auf einmal gelang nichts mehr richtig.

Gerber hielt was er konnte

Deutschland fand nach der Pause den besseren tritt und machte mehr für das Spiel. Die Schweizer spürten auf einmal, dass die Qualifikation für das Halbfinale für beide im Bereich des Möglichen läge. Und stellten das Spiel ein. Es kamen keine Akzente mehr. Keiner der in der Vorrunde so gut spielenden Schweizer vermochte seine Leistungen abzurufen und liess alles mit sich geschehen. Deutschland trumpfte auf einmal auf und konnte das eine oder andere Mal unbeschwert vor Torhüter Martin Gerber den Abschluss suchen. Dieser hielt die Schweizer im Spiel und gestaltete es bis zur 32. Minute offen. Dort versagte auf einmal auch das Glück des tüchtigen Torhüter. Martin Gerber konnte nach einem Bully in der eigenen Zone den ersten Schuss parieren und liess diesen nach vorne abprallen. Anstelle eines Schweizer Verteidigers stand dort Philip Gogulla und traf zum 0:1 aus Sicht der Schweizer Nationalmannschaft. Und nun drehte das Spiel vollends. Die Schweiz rannte an, die Deutschen hielten dagegen und kamen zu gefährlichen Kontermöglichkeiten. Erneut war es wieder Gerber, der die Schweizer im Spiel hielt.

Erfolgloses Anrennen der Schweizer

Die Schweiz versuchte im dritten Drittel noch einmal alles. Doch es gelang nichts mehr. Die Köpfe der Spieler waren nicht mehr frei. Gehemmt, ohne Esprit nach vorne und teilweise ohne Konzept spulte man das Spiel weiter ab. Anders die Deutschen. Mit dem ihnen ureigenen Kampfgeist rangen sie die Schweizer nieder, stellten teilweise drei Mann in das Tor und verteidigten dieses auf Biegen und Brechen. In den letzten sieben Minuten reagierte Sean Simpson und brachte neue Impulse in das Spiel. Die Schweiz erhöhte nun den Druck und machte noch mal die letzten Reserven frei. Die Scheibe wollte jedoch nicht für die Schweizer laufen. Alles schien wie verhext zu sein. 96 Sekunden vor ende des Spieles ersetze Sean Simpson Martin Gerber durch einen sechsten Feldspieler. Auch diese Massnahme scheiterte. So endet für Sean Simpson eine gute Weltmeisterschaft, welche er mit vier Siegen in Serie begonnen hatte. Danach war bei den Schweizern bereits die Lust draussen und man konnte in den entscheidenden Spielen nicht mehr zulegen. Die Deutschen zeigten sich aber als schlechte Gewinner. Als das Spiel aus war, wollte Thibaut Monnet zur Bank zurück fahren. Marcel Goc fühlte sich dabei so düpiert, dass er Seger von hinten ansprang und diesen in eine Rangelei verwickelte. Dass dann die anderen Spieler auch dazu kamen war nur eine logische Folge davon. Dass sich aber auch Trainer einmischen, sollte zu einer hohen Bestrafung dieser führen. Der deutsche Staff, allen voran Assistenz-Coach Ernst Höfner, ging Timo Helbling an, der nicht zurücksteckte. Für diese Rangelei erhielten beide eine Matchstrafe. Dennoch gibt es auch eine erfreuliche Meldung zu verrichten.

Trotz dieser Niederlage im Spiel gegen Deutschland konnte sich die Schweiz auf dem fünften Platz klassieren. Dies ist damit dass beste Schlussergebnis der Nationalmannschaft seit 1998. Damals belegt der damals ebenfalls neue Trainer, Ralph Krueger, bei seinem Einstand den vierten Rang.

Hart für das Team

Nach dem Spiel war man sich den schnell einig. „Als Team so zu verlieren ist hart. Wir hatten eine grosse Chance, in das Halbfinale vorzustossen. Diese haben wir vergeben. Leider konnten wir erneut nich das beste Eishockey zeigen, wie wir dies in den ersten vier Spielen zeigten“, führt Damien Brunner, einer der besseren am heutigen Abend, aus. Mark Streit, welcher im Studio des Schweizer Fernsehens war, meinte denn auch, dass dies für das Team ganz schwer sei zu verkraften. An der anschliessenden Pressekonferenz sah dies auch Sean Simpson so. „Deutschland spielte sehr gut defensiv und sie waren sehr gut organisiert. Vor dem Tor arbeiteten die Deutschen besser als wir. Damit konnten wir nicht das für uns nötige Tor erzielen. Deutschland war einfach die bessere Mannschaft heute Abend“, führte Sean Simpson weiter aus. Angesprochen auf die Vorfälle nach dem Spiel führte Sean Simpson erregt aus, dass er diese nicht kommentieren werde. Es sei normal, dass man nach einem solchen Spiel, in dem beide Teams emotional aufgewühlt waren, diese sich entladen würden.

Telegramm:



Schweiz - Deutschland 0:1 (0:0; 0:1; 0:0)

SAP Arena, Mannheim. – 12 500 Zuschauer (ausverkauft). – Schiedsrichter: Laaksonen (FIN)/Sterns (USA); Brown (USA)/Terho (FIN). – Tore: 31:46 Gogulla (Hospelt, Sulzer) 0:1.– Strafen: 1 x 2 Minuten, 1 x 5 Minuten plus SPD (Plüss) plus Matchstrafe (Helbling) gegen die Schweiz; 1 x 2 Minuten plus Matchstrafe (Höfner) gegen Deutschland.

Torschüsse: 41:25 (12:6, 10:14, 19:5)

Schweiz: Gerber (Stephan); Vauclair, Seger; Du Bois, Josi; Hirschi, Bezina; Helbling; Déruns, Plüss, Rüthemann; Ambühl, Monnet, Brunner; Savary, Duca, Lemm; Jenni, Christen, Trachsler; Romy.

Deutschland: Endras (Zepp); Erhoff, Dietrich; Krueger, Sulzer; Holzer, Braun; N. Goc; Rankel, Schütz, M. Goc; Wolf, Müller, Ullmann; Hospelt, Hager, Gogulla; Gelski, Tripp, Kreuzter; Barta.

Bemerkungen: 58:36 Time-Out Schweiz; Schweiz ab 58:36 ohne Torhüter


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Fotos von Michael Zanghellini ©   |Diashow anzeigen






















































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