Schweiz hat gute Chancen

Von Urs Berger

Morgen Sonntag spiel die Schweizer Nationalmannschaft gegen Schweden eines der wichtigsten Spiele der Ära Krueger. Die Mannschaft muss gewinnen, dann ist man sicher weiter. Und die Skandinavier möglicherweise das erste Mal seit 1937 nicht mehr unter den besten acht Nationen vertreten. Wie stehen die Chancen für die Schweizer diese Tat zu vollbringen?

Schaut man den bisherigen Turnierverlauf beider Teams an, so kann man von einem leichten Vorteil der Schweizer ausgehen. Müsste man diesen in Prozenten ausdrücken läge dieser bei 51% für die Schweizer. Es gibt mehrere Gründe, wieso wir dies so beurteilen. Einer der Gründe ist die Torhüterposition. Selten war auf dieser Position das Team der Schweden so schlecht besetzt. Torhüter Stefan Liv ist angeschlagen, Johan Holmqvist verletzt und der dritte Torhüter Jonas Gustavsson unsicher bei seiner Arbeit. Bei der Schweizer Nationalmannschaft ist diese Position durch Martin Gerber besser besetzt. Der Spätstarter konnte sich in diesem Turnier von Spiel zu Spiel besser auszeichnen und zeigte gegen die Letten eine solide Leistung. Können die Schweizer diesen Vorteil ausnutzen, sieht es für die Schweizer gut aus. Denn Gustavsson wie auch Liv erlauben viele Rebounds. Ein Blick auf die Statistik bestätigt dies. Martin Gerber konnte in den Vergangenen Spielen eine Fangquote von 91% erreichen. Von den schwedischen Torhütern kann diese Quote nur Holmqvist erreichen. Liv und Gustavsson sind mit unter 87% klar schwächer einzustufen.

Mannschaft ist unerfahren

Eine weitere Problemzone ist die Verteidigung. In dieser haben die Schweden Abstimmungsprobleme. Im Verlauf des Turniers konnten die Schweden diese verbessern, doch richtig sattelfest sind die Verteidiger noch nicht geworden. Teilweise unterlaufen ihnen Stellungsfehler, welche man auf diesem Niveau nicht oft sieht. Das gleiche gilt auch für die Schweizer. Bisher wurde bei den beiden verlorenen Spielen jeweils der Fehler des entscheidenden Gegentreffers an der offensiven blauen Zone gemacht. Dies nutzen die Gegner kaltblütig aus. Solche Fehler dürfen nicht mehr geschehen. Ob die Schweden diese jedoch ausnützen können ist eine andere Frage. Der Sturm verfügt nicht über diese Tiefe die die Skandinavier bisher ausgezeichnet hatte. Teilweise verlieren die Stürmer die Scheibe schneller als man sich dies von den Schweden gewohnt ist und sind somit Konter anfälliger als an den letzten Weltmeisterschaften.

Wer ist wessen Lehrmeister?

Ähnlich sieht es auch John Slettvoll. Der ehemalige Trainer des HC Lugano analysiert zusammen mit dem Schweizer Fernsehen die Spiele in Bern. “Schweden hat in diesem Jahr eine schwächere Mannschaft als üblich. Natürlich ist Schweden trotzdem eine der grossen Nationen. Doch Gustafsson musste einige Spieler aufbieten, welche noch nicht reif sind für die Weltmeisterschaften. Vor allem die sieben oder acht jungen WM-Debütanten sind nicht so selbstsicher, wie dies die Schweden normalerweise sind.” Ähnlich schätzt Slettvoll die Chancen der Schweizer auf einen Sieg gegen die Schweden ein. “Die Chancen für einen Sieg der Schweizer stehen 50 zu 50. Wenn man bedenkt, dass Schweden die bessere Hockeykultur und ein höheres Potenzial hat als die Schweiz, wäre ein Sieg der Schweizer hoch einzustufen. Und für Schweden eine Katastrophe. Die Schweizer ihrerseits haben gezeigt, dass sie klug spielen und mithalten können.” Einen weiteren Unterschied sieht der Schwede im Coaching. “Bengt-Ake Gustafsson war ein kluger Spieler. Er hat Ralph Krueger das eine oder andere beigebracht als die beiden in Feldkrich waren. In dieser Zeit waren die Topnationen in Europa Finnland, Tschechien, Schweden und Russland. Als schwedischer Spieler war Gustafsson ein absoluter Spitzenspieler. Diese Erfahrung kann er nun mit seinen Spielern und der jungen Mannschaft unter Beweis stellen. Denn der Trainer hat in dieser jungen Mannschaft eine viel wichtigere Rolle als in einer erfahreneren Mannschaft. Kann er seine Spieler gut coachen, so wird er als ein ganz grosser Trainer in die Geschichte des schwedischen Eishockey eingehen.” Ob die Schweizer Gustafsson dies vermiesen werden?