Fotos: Thomas Oswald und Yves Maurer

   
   Eine von Kruegers letzten Handlungen an der WM 2009: Ein Time-out gegen die USA. (Klick für MMS)

   
   Bitterer Sieg: Die Schweiz scheidet gegen die USA aus. (Klick für MMS)



Kruegers Enttäuschung und Enthusiasmus

Von Maurizio Urech

Heute fand in Bern die abschliessende Medienkonferenz statt, anwesen waren Ralph Krueger, Verbandsboss Fredy Egli und Vize-Präsident Renato Eugster. Als erster ergriff Egli das Wort

"In meinen 6 Jahren als Präsident habe ich es nie erlebt, so viele Journalisten zu einer Medienkonferenz begrüssen zu dürfen," so der scheidende Präsident, "das Fazit aus sportlicher Sicht ist klar, wir haben das Minimalziel leider verpasst, doch die WM geht weiter, ich übergebe das Wort an Renato Eugster."

Eugster: "Ihr seid enttäuscht, wir sind auch enttäuscht. Wenn man das Ziel nicht erreicht, und dies ist leider der Fall, hat man nicht alles richtig gemacht, man hat aber auch nicht alles falsch gemacht. Ich denke gestern und das war für uns aber auch für das Turnier wichtig, hat man gesehen, dass die Mannschaft lebt, ein Zeichen gibt. Leider hat es auch gestern nicht genügt. Glück und Pech darf man jetzt nicht unbedingt als Begründung herbeiziehen, aber trotzdem hat man gesehen, dass uns der Hockeygott bei einigen Pfostenschüssen nicht immer Hold war, doch trotzdem war es wichtig zu sehen, dass die Mannschaft nach dem Schweden-Spiel wieder reagiert hat, darauf kann man aufbauen, auch im Hinblick auf die nächste Saison. Man muss jetzt in Ruhe analysieren, diese Analysen werden dann in neue Hände übergeben die dann entsprechende Entscheidungen fällen werden.

Egli empfiehlt seinen Nachfolger, mit Krueger weiterzumachen: "Da gibt es gar keine Entscheidungen zu treffen. Aus unserer Sicht von der strategischen Ebene, hat Krueger eine hervorragende Arbeit geleistet über all diese Jahre. Wenn man auf die einzelnen Spiele zurückblickt, ist sicherlich auch viel Pech dabei und es kann ja nicht die Schuld von Krueger sein, wenn der Pfosten 7mal getroffen wird. Sein Vertrag ist klar umschrieben, und die neue Führung wird, nachdem sie von der Analyse Kenntnis genommen hat, ihren Entscheid treffen doch unsere Empfehlung ist klar, macht weiter so."

Danach ging das Wort an den Nationaltrainer Ralph Krueger über.

Ralph Krueger was würden sie anders machen konkret im Verteidiger-Managament?

Im Fall der Verteidiger kann ich sagen, dass für uns der Weg an eine Weltmeisterschaft bereits im Sommer beginnt, jetzt beginnt der Prozess Richtung Olympia. Die Spieler die hier im Aufgebot waren, haben sich in einem normalen Leistungsprozess Ihre Plätze verdient, wir haben ehrliche, klare Werte, die diese Spieler in den Kader hineingebracht haben. Ein Roman Josi wurde nicht genommen wegen seiner Zukunft, sondern wegen seiner Gegenwart, Yannick Weber kam, weil wir überzeugt waren, dass er uns jetzt verstärken könnte. Im Sport gibt es natürlich nicht immer die Resultate, die man sich erträumt oder für die man kämpft, dies ist die Realität, genau deswegen lieben oder hassen wir den Sport, es sind so viele Faktoren, die ausser unserer Kontrolle sind. Wir haben versucht, was in unserer Kontrolle war so gut wie möglich anzupacken mit dem Wissen, dass nicht alle unsere Entscheidungen immer verstanden werden, oder funktionieren werden. Wir versuchen jeden Tag das zu tun, was am besten ist für das Schweizer Eishockey, nicht nur um einzelne Spiele zu gewinnen sondern um ein Programm vorwärts zu bringen.

Im Moment haben wir Schmerzen, die kann ich euch nicht erklären, aber gleichzeitig eine unheimliche Freude an dieser Mannschaft gehabt, an ihrer Ehrlichkeit. Wir haben in 5 von 6 Spielen mehr Torchancen gehabt als der Gegner, das gab es noch nie. Wir haben 2:1 Torchancen im gesamten Turnier gehabt aber ein Torverhältnis von 12:15. Unsere Herausforderung liegt nicht darin in Zukunft mehr Tore zu schiessen, aber eine ganze Nation zu bewegen technisch besser zu werden, schuss- und laufstärker zu werden, physisch besser zu werden. Die fehlenden Tore in den Spielen bleiben uns jetzt im Kopf, aber die Schwierigkeiten die wir haben liegen viel tiefer. Wir sind wieder dort gelandet wo wir hingehören, zwischen Platz 7 und 10 in der Weltrangliste. Wir sind nicht höher gelandet was sehr enttäuschend ist, aber wir haben die Spiele gegen die grossen Russland und USA gespielt, wie noch nie in meiner Amtszeit und wir haben gestern wahrscheinlich das beste Spiel gegen einen grossen Gegner gespielt, wo es auch für den Grossen um etwas ging. Wir haben es gewonnen und die Hymne wurde gespielt, und ich habe Peter und Köbi gefragt, warum spielt man jetzt die Schweizer Hymne, die Schmerzen waren so gross. Wir waren im Schock, es waren die längsten drei Minuten in meinem Trainerleben zwischen Ende Spiel und Verlängerung.

Aber grundsätzlich haben wir eine unheimliche Freude an dem, was dieses Jahr hier passiert ist. Die Richtung, welche diese Mannschaft einschlägt, das Eishockey was wir im Moment spielen, aber wir sind einfach noch nicht eine Top-6-Nation und alles was passiert, dass wir da mal reinbrechen, ist ein absoluter Exploit. Es muss alles perfekt passen und es ist dieses Jahr nicht gegangen, aber meine Schlussanalyse ist, dass wir die Schweizer stolz sein sollten auf diese Spieler und dass wir - Köbi Kölliker, Peter Lee und ich - jetzt schon eine unheimliche Freude haben mit dieser Gruppe weiter zu arbeiten, in den Nachwuchs hineinzugehen um an unseren Defiziten zu arbeiten. Wenn wir die Schussstärke, die technische, läuferischen und physischen Stärken der Gegner sehen wie Schweden im fünften Spiel ist klar, dass wir noch sehr, sehr viel zu tun haben. Dies sind meine ersten Gedanken."

Sind sie zufrieden mit der Vorbereitungszeit auf dieses Turnier?

Wir hatten nie eine so kurze Vorbereitungszeit, aber das war kein Problem. Der einzige Grund, dass wir auf diesem Niveau spielen können, ist die Tatsache, dass die Spieler die nicht mehr in den Playoffs engagiert waren während fünf Wochen unheimlich hart gearbeitet haben. Dies hat niemand gesehen. Dies gab uns die Möglichkeit, gegen ein NHL-Team zu gewinnen mit nur zwei NHL-Spielern in unserem Kader. Und dies braucht harte Arbeit seitens der Spieler, damit dies möglich wird. Natürlich möchten wir immer mehr Zeit zur Verfügung haben, doch wir haben das Beste daraus gemacht.

Wenn man Ziele nicht erreicht, müsste man Konsequenzen ziehen, doch diese Frage stellt sich bei ihnen nicht, weshalb nicht?

Weil es nicht mein Problem ist. Ich unterschreibe Verträge und halte diese ein, ich bin ein solcher Trainer. Ich habe in den letzten 12 Jahren mehrere Angebote erhalten, ich habe nie verhandelt, weil ich zu 100 % meinen Job liebe und meine Aufgabe hier ist eine grosse Verantwortung mit vielen Schmerzen und vielen Freuden. Heute habe ich Schmerzen und morgen werde ich wieder Freude haben, wenn ich Richtung Olympia schaue. Es liegt nie in meinen Händen als Trainer, und wenn ein Trainer mal Ängste hat über seine Position, muss er sowieso seinen Platz räumen. Ich habe nie Ängste gehabt seit ich diese Position im Juni 1997 übernommen habe.

Sie glauben immer noch, dass sie mit diesem Team noch Erfolg haben können? Die Leute haben ja viel mehr erwartet.

Ich hab auch mehr erwartet, es war nicht ein Erfolg für uns, für mich, aber die Spielweise, die Art und Weise wie diese Mannschaft gekämpft hat. Wir gehen sicherlich nicht als Verlierer nach Hause wenn man in 5 von 6 Spielen die Oberhand gehabt hat. Dann liegt es an Kleinigkeiten, dass es nicht geklappt hat. Wir haben zwei NHL-Spieler hier gehabt, die verletzt waren und die sich jeden Tag zwei bis drei Stunden Betreuen lassen mussten, Ryan Gardner hat seine Hand im dritten Spiel gebrochen, ein Schlüsselspieler in unserem Team der seine Rolle nicht mehr erfüllen konnte, wir haben Severin Blindenbacher gehabt, der sich im Lettland-Spiel an den Leisten verletzt hat und dies niemanden gesagt hat, gegen Schweden konnte er beinahe nicht gehen und gestern mussten wir ihn aus dem Spiel nehmen. Wir hatten auch Spieler, die über sich hinausgewachsen sind, aber dies sind Geschichten die verloren gehen. Aber wenn Spieler zwei Spritzen am Tag bekommen um mit einer gebrochenen Hand zu spielen, und Streit und Gerber mit ihren Einkommen sich hier noch opfern, dann sind wir Gewinner. Wir sind Gewinner wegen dem Prozess und dem Weg den wir gegangen sind, nicht von den Zahlen am Ende, aber ich bin immer ein Nationaltrainer gewesen, der sich nicht von Platzierungen oder Einzelergebnisse habe beeinflussen lassen. Ihr kennt mich in guten und schlechten Zeiten und mein Job ist es einfach hier mit den Umständen fertig zu werden. Ich sage niemand in dieser Mannschaft geht als Loser nach Hause, denn unter den gegebenen Umständen hat die Mannschaft viel erreicht.