
|
Ralph Krueger – konstante Kritik, konstanter Fortschritt |
An keinem Nationaltrainer scheiden sich dermassen die Geister. Keiner Polarisiert so sehr wie Ralph Krueger. Und dennoch war er das Beste, was dem Schweizer Eishockey geschehen konnte.
Man streitet sich seit Jahren um ihn. Seit neustem argumentiert ein ehemaliger Nationalspieler in einer Boulevardzeitung, dass Krueger in den letzen Jahren nichts aus der Nationalmannschaft gemacht habe. Es scheint, als sei dies eine persönliche Abrechnung des Autors. Zusammen mit seinem Co-Autor versucht er zu kolportieren, dass man unter Krueger nichts erreicht hat. Im Gegenteil, mit einem anderen Coach könne man sogar in jedem Jahr in die Halbfinale vorstossen. Dabei wird in der Schweiz oft unterschätzt, dass sich das internationale Eishockey seit dem Fall der Mauer geändert, die neuen Regeln das Spiel schneller gemacht haben und die Schweizer mit ihrem Potenzial Jahr für Jahr an ihre Grenzen stossen. Und dennoch kann Ralph Krueger auf eine stabile Basis bauen und das Schweizer Eishockey weiterbringen. Doch vermutlich wird seine Amtszeit nach der Weltmeisterschaft 2010 in Deutschland enden.
Was hat jedoch Ralph Krueger in den letzten 11 Jahren erreicht? Wieso scheiden sich die Geister an ihm und seiner Persönlichkeit? Ganz einfach ist die Person Ralph Krueger nicht zu erklären. Er kann auf der einen Seite charismatisch, auf der anderen kann er hart, fordernd und gebieterisch sein. Manchmal scheint er auch zum Daueroptimisten werden. Fehler scheint Ralph Krueger nur selten zuzugeben. Oder nur im kleinen Kreise. Doch im Verlaufe der Zeit als Nationaltrainer konnte auch er das eine oder andere über die Schweizer Mentalität lernen. Mit der Zeit wurde er entspannter, lockerer und seit den Olympischen Spielen in Turin auch umgänglicher. Dies wird auch aus dem Umfeld der Nationalmannschaft bestätigt. Den Spielern wird nun mehr Freiraum gelassen. Zu Beginn war dies nicht immer der Fall. Man erinnere sich an das klägliche Ausscheiden der Schweizer Nationalmannschaft in Salt Lake City. Die Schuldigen waren in Reto von Arx und Marcel Jenni schnell gefunden. Beide wurden nach massivem Druck des schweizerischen Olympischen Komitees nach Hause geschickt. Ralph Krueger versuchte danach mit den Beteiligten zu sprechen. Doch das Tuch war zerschnitten. Beide liessen sich vorderhand nicht zu einer Rückkehr in die Nationalmannschaft bewegen.
So plante denn Ralph Krueger die Zukunft ohne die beiden Spieler. Dieser Entscheid sollte de Nationaltrainer in den kommenden Jahren immer wieder Probleme bereiten. Seine vorerst wichtigste Aufgabe war, dass er der Schweizer Nationalmannschaft ein defensives Spielkonzept beibrachte in welchem der Trainer die Rollen klar verteilte. Nach dem man an den Olympischen Spielen in Salt Lake City früh gescheitert war, begann für den Nationaltrainer also die Suche nach der besten Mannschaft von vorne. Immer noch war bei einigen Spielern der vierte Rang von 1998 im Kopf. Man dachte, man sei nun unter den Top Vier angekommen. Doch dass man diesen Rang nur dank einer optimalen Gruppenauslosung erreichte, war vielen nicht bewusst. So folgte der eine oder andere Absturz an den Weltmeisterschaften. Dennoch konnte der Trainer die Mannschaft kontinuierlich weiter bauen. Der erste Höhepunkt erreichte Ralph Krueger an den Olympischen Spielen in Turin mit zwei Siegen über Kanada und Tschechien mit all ihren NHL-Stars. Doch im entscheidenden Spiel gegen Schweden verlor man mit 2:6. An den kommenden Weltmeisterschaften in Lettland verloren die Schweizer nach einem intensiven, aber defensiven Spiel gegen Weissrussland mit 2:1 und musste frühzeitig, nach der Zwischenrunde, die Heimreise antreten. Hätten die Schweizer das Spiel unentschieden gestalten können, dann wäre man im Turnier verblieben. Doch der neue Zyklus zum Bauen einer neuen Mannschaft für die Olympischen Spiele in Vancouver für 2010 hatte begonnen.
Die Nationalmannschaft konnte dann in Moskau und im Jahr darauf in Quebec wieder überzeugen. In Kanada schob man sich auf Platz sieben vor und überholte damit die Slowakei. Nun möchte man in der Schweiz einen weiteren Schritt nach vorne machen. Die Vorbereitungen für die neue Weltmeisterschaft im eigenen Land scheinen auf gutem Wege zu sein. Aus den bisher zehn gespielten Vorbereitungsspielen konnte man sieben Siege erringen. Dabei musste man sich in nur einem Spiel nach regulärer Spielzeit als Verlierer vom Eis. Die beiden anderen Spiele gingen nach Verlängerung oder nach Penaltyschiessen verloren. Natürlich kann man diese Spiele nicht unbedingt als Gradmesser nehmen, da die meisten Teams nicht mit ihren Spielern aus der NHL antreten konnten. Doch auch die Schweizer Nationalmannschaft spielte ohne Martin Gerber, Jonas Hiller oder Mark Streit. Alles Spieler, welche in den entscheidenden Phasen durchaus das Zünglein an der Waage spielen könnten.
Die Schweiz hat jedoch in der Vergangenheit einige Schritte nach vorne gemacht. Sie werden für die kommenden Jahre auch für die grossen Teams interessant. Mit Ausnahme der USA und Kanadas haben verschiedene Nationen das Interesse angemeldet, um gegen die Schweiz spielen zu können so kann die Schweiz in diesen Vorbereitungen gegen Schweden und gegen Finnland testen. All dies wäre wohl kaum möglich, hätten die Schweizer in den letzen Jahren die wichtigen Schritte nach vorne gemacht. Dies war sicher ein Verdienst von Ralph Krueger. Aber nicht nur von ihm. Auch von den Spielern, welche sich auf den Coach einliessen und unter ihm die entscheidenden Schritte nach vorne machten und machen werden. Die Zukunft wird zeigen, ob der Weg der Kontinuität weiter gehen wird oder nicht. Sicher ist nur eines. Ohne Ralph Krueger wäre der Schritt nach vorne nicht erfolgt. Auch wenn er manchmal nicht die vermutlich besten Spieler der Schweiz aufbietet, sondern seiner Linie treu bleibt. Der Erfolg in den Vergangene Jahren gibt ihm Recht.