Ralph Krueger hat mit seinem WM-Aufgebot für Überraschungen gesorgt. Wie werden sich diese auf dem Eis auswirken? Foto: Thomas Oswald (Klick für MMS)



Schweiz – Alles Möglich? Alles Möglich!

Von Urs Berger

Es wird eine gute Erfahrung für die Schweizer sein, in Kanada zu spielen. Doch es wird viel brauchen, dass sich die Schweiz in die ersten acht der Welt spielen kann. Denn die Franzosen und auch die Weissrussen haben in den letzen Jahren einen Schritt nach vorne gemacht und sind nicht stehen geblieben. Und mit Schweden trifft man auf einen der Weltmeisterfavoriten.

Die Nationalmannschaft flog am letzen Dienstag nach Montréal um die letzen Vorbereitungen zu beginnen. Der letzte Schliff auf den kleinen Eisfeldern soll dort vermittelt werden. Mit Spielen gegen Russland und Dänemark sollen die Spieler an die Leistungsgrenzen geschoben und die Linien für das erste Spiel gegen den Aufsteiger Frankreich gefunden werden. Diesem Spiel kann durchaus wegweisender Charakter attestiert werden.

Mit den in der Schweiz spielenden Sébastien Bordeleau, Laurent Meunier und Antoine Lussier sind die Franzosen gut besetzt. Zudem sind auch der NHL-Goalie Cristobal Huet und der Ex-Servettien Yorick Treille dabei. Alles Spieler, welche in einem wichtigen Spiel die Differenz ausmachen können. Dennoch sollten die Schweizer ihre Stärken gegen die Franzosen ausspielen können.

Weiterer Prüfstein Weissrussland

Zwei Tage später kommt es zum ewigen Duell gegen den Verfolger in der Weltrangliste. Weissrussland liegt zur Zeit auf Rang neun und möchte die Schweizer schon lange ein- und überholen. In der Weltrangliste liegen die Weissrussen nur 125 Punkte hinter der Schweiz. Alleine diese Konstellation sagt sehr viel über die Explosivität des Duells aus. Doch auch hier müssen sich die Schweizer auf ihre Stärken besinnen. Diese werden gegen die Weisrussen andere sein als im Spiel gegen Frankreich. Vor allem sollten die Schweizer ihre Geschwindigkeit und ihre Überlegenheit im Spiel auf den Körper ausnützen können. Dies liegt den Weissrussen nicht.

Zwei Tage später kommt es zum Spiel gegen Schweden. Der ehemalige Assistent von Ralph Krueger, Bengt-Ake Gustafsson, wird seine Mannschaft erneut gut eingestellt haben und seinem Freund keinen Sieg schenken. Auch dann nicht, falls beide Teams bereits für die Zwischenrunde qualifiziert sein würden. Denn die Schweden wollen zeigen, dass Sie mit einer guten Bilanz in die Finalrunde einziehen können. In diesem Spiel sind aber auch die Schweizer im Gegensatz zu den beiden anderen Spielen nicht in der Favoritenrolle. Hier würde es eher erstaunen, könnte man aus Schweizer Sicht eine Überraschung landen.

Erneut „nur“ Rang acht?

Die nachfolgenden Spiele werden für die Schweizer Mannschaft zu einer Reifeprüfung. Mit jedem Spiel wird die Luft zur Spitze dünner. Mit Tschechien, Russland und aus dem Duo Dänemark oder Italien sollte mindestens ein wenn nicht zwei Siege realisierbar sein. Doch noch ist es nicht soweit. Denn auch die Schweiz braucht in der Vorrunde das nötige Spielglück um sich nicht in der Abstiegsrunde wieder zu finden. Denn der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist schmal. Dies sieht man auch an den Resultaten der Vorbereitungsspielen in dieser Saison.

Gegen eine starke Slowakei konnte man in Poprad noch mit 3:2 siegen, ehe man am nächsten Tag in Kosice mit 6:2 unterging. Als weiteres Beispiel, wie man sich auch gegen schwächer eingestufte Mannschaften schwer tut, waren die beiden Spiele gegen die Norweger. Im ersten Spiel verlor man gegen die aufsässigen Norweger mit 2:3 nach Penaltyschiessen ehe man am darauf folgenden Tag in Langenthal wieder Revanche nahm und 4:1 siegte. Doch solche Auftritte dürfen sich die Schweizer an der Weltmeisterschaft nicht erlauben. Dann ist man schnell weg von den Top-acht und im Kampf um den Abstieg. Und dies will man, mit Blick auf die eigenen Weltmeisterschaften und die Olympischen Spielen in Vancouver, nicht riskieren.

Auch wenn die Schweizer als Gastgeber einen fixen Startplatz haben, wollen sie ein gutes Resultat erreichen, um an der eigenen Weltmeisterschaft im kommenden Jahr vor einem fanatischen Publikum zu spielen und den sogenannten Funken auch auf die Fans überspringen zu lassen. Dies kann man mit einer konzentrierten und guten Leistung erreichen. Auch wenn es „nur“ Rang acht sein sollte. Dieser Rang entspricht der Realität in der Hierarchie des Welteishockeys. Doch ein Ausschlag nach oben ist nicht auszuschliessen. Wenn denn die eine oder andere Überraschung gegen ein Team aus den Top-6 gelingen sollte. An den Weltmeisterschaften ist alles möglich.