Die Schweiz trifft erneut auf Russland. (Klick für MMS)

   
   Der russische Nationaltrainer Slawa Bykow. (Klick für MMS)



Die Schweiz am Scheideweg

Von Urs Berger, Fotos von Thomas Oswald

Die Frage 24 Stunden vor dem nächsten Aufeinandertreffen der Schweiz und Russland ist einfach. Kann die Schweiz an die Leistungen des letzen Drittels anknüpfen? Oder wird Russland das Spiel bestimmen und klar gewinnen? Das Spiel kann zu einer Frage der Ehre für die Schweiz werden.

Eines ist klar. Die gesamte Mannschaft strotzt vor Selbstvertrauen. „ Wir wollen und werden das Spiel gewinnen“, so der einheilige Tenor der Schweizer. Doch unterschätzen werden die Schweizer den Gegner Russland nicht. „Wir wissen, was die Russen können. Wir dürfen nicht zu viel Respekt haben vor ihnen. Nicht so, wie wir das erste Spiel bestritten. Dort haben wir in den ersten beiden Dritteln mit zu viel Respekt gespielt. Dies darf im nächsten Spiel nicht sein. Das wissen wir von Coaching-Staff und das wissen die Spieler, “ sagt Ralph Krueger. Der Deutsch-Kanadier sprüht voller Energie und voller Zuversicht. „In den letzen Jahren mussten wir nach erfolgter Viertelfinalqualifikation am nächsten Tag bereits diesen bestreiten. Dieses Jahr ist dies das erste Mal anders. Die beteiligten Teams haben alle einen Tag Ruhepause. Dies kann ein wichtiger Faktor für uns sein. Wir können die Batterien wieder laden und uns auf das Spiel konzentrieren. So wie wir dies vor dem Spiel gegen Schweden konnten und vor dem wichtigen Spiel gegen Dänemark. Hätten wir, als Beispiel, Dänemark nur 24 Stunden nach einem anderen Spiel gehabt, ich wäre mir nicht sicher, ob wir die gleiche Leistung hätten abrufen können“, führt Krueger weiter aus.

Ruhepause vor dem Viertelfinale kann Wunder wirken

Der bisherige Verlauf gibt Krueger mit seinen Annahmen durchaus recht. Nach einem guten Spiel folgte meistens eines, das sehr eng war (Weissrussland), oder das man klar verloren hat (Tschechien). Konnte man aber ausgeruht und mit vollen Tanks an ein Spiel gehen, dann war immer eine Überraschung (Schweden) oder ein klarer Sieg (Dänemark) möglich. Auf diesen Leistungen will der Schweizer Coach nun auch aufbauen. „Wir müssen schauen, dass das Spiel morgen lange eng bleibt. Dann haben wir die Möglichkeit, dass wir die Russen schlagen können. Denn sie sind der klare Favorit, wir die klaren Aussenseiter. Dies gibt uns wieder Vorteile. Dies Vorteile gilt es, zu unseren Gunsten um zu setzen.“ Vor dem Spiel gegen Tschechien wurde der Coach von den Spielern überrascht. „Es war lauter als üblich. Ich hatte das Gefühl, als hätten die Spieler versucht, einander noch mehr Energie zu geben. Doch das ging schlussendlich nicht und wir waren enttäuscht. Anders war es vor dem Spiel gegen Russland. In der Kabine war es erstaunlich ruhig. Wir waren sehr konzentriert auf das Spiel.“

Bykow warnt vor der Schweiz

Anders sieht die Vorbereitung auf das Spiel bei den Russen aus. Das Training war nicht so konzentriert und es kam einem so vor, als hätten die Spieler bereits das Viertelfinale gewonnen. Die Konzentration war nicht beim Trainer und seinen Anweisungen. Einige Spieler demonstrierten denn auch deutlich Desinteresse an den Anweisungen des Trainers. Genau diese Haltung hat Slawa Bykow befürchtet. Nach dem Spiel gegen die Schweizer warnte er die Spieler indirekt vor dem Viertelfinale. „Wir dürfen die Schweiz nicht unterschätzen. Wir wissen, dass sie gutes Eishockey spielen. Nicht umsonst sind sie seit Jahren unter den Top-8 vertreten. Wer dies nicht wahr haben will, der versteht nichts von Eishockey. Wir haben einen schweren Gegner vor uns, der nicht einfach zu schlagen sein wird. So einfach, wie wir heute zu Toren gekommen sind wird es uns die Schweiz am Mittwoch nicht machen. Dort erwarten wir ein anderes Spiel.“ Trotz allen Aussagen von Bykow wird man das Gefühl nicht los, dass die russische Delegation das Spiel gegen die Schweiz mehr als eine Pflichtübung sieht. Einiges deutet darauf hin. Dies ist genau die Chance, welche die Schweizer ausnützen können. Ob sie es denn auch machen können werden wir spätestens am Donnerstagmorgen ab 1:15 Uhr Schweizer Zeit sehen. Ab dann werden die Karten auf den Tisch gelegt. Die Ausgangslage ist offen, wie lange nicht mehr. Und diese Chance will die Schweizer Delegation wahrnehmen. Auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaften im eigenen Land.