Russland Weltmeister, die Schweiz Siebte und Absteiger keine Überraschung

Von Urs Berger, Fotos von Thomas Oswald

Das erste Mal seit dem bestehen der IIHF wurden die Weltmeisterschaften in Kanada ausgeführt. Am Ende gewannen nicht die Kanadier das Turnier sondern Russland. Die Schweiz schloss auf Rang sieben ab und die Slowakei musste in die Abstiegsrunde. Ein Rückblick über alle Teams.

1. Russland

Was sich abgezeichnet hat, wurde wahr. Am Ende gewann das defensivere Team, welches mit mehr Herz spielte. Russland trat zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft seit der neuen Weltordnung auch als eine Einheit auf dem Eis auf. Dies ist der Verdienst von Slawa Bykow. Ist dies der Beginn einer neuen Ära?

2. Kanada

Mit Kanada scheiterte das bis anhin spektakulärste Team an einer Weltmeisterschaft. Mit ihrem Zug vor das Tor überfuhren sie die Gegner. Doch am Ende reichte es nicht. Weil man defensiv nicht zu schwach war, sondern sich auf der Führung ausruhte. Dennoch kann es in Zukunft noch manches Finale Russland–Kanada geben. Denn beide Länder sind auf gleicher Höhe.

3. Finnland

Letztes Jahr gewann man im Finale in Moskau noch Silber. Dieses Jahr wurde es Bronze. Die Finnen dürfen durchaus zufrieden sein. Zum zweiten Mal an einer Weltmeisterschaft konnte man sich vor dem skandinavischen Konkurrenten aus Schweden klassieren. Bedeutet dies, dass Finnland das Potenzial besser ausnützt als Schweden? Die Zukunft wird es zeigen.

4. Schweden

Schweden kann an den grossen Turnieren zurzeit die Leistungen nicht mehr abrufen. An was es fehlt ist nicht einfach zu beurteilen. Doch wenn ein Land mit so vielen Absagen für eine Weltmeisterschaft zu kämpfen hat, dann ist die Frage erlaubt, ob es nicht auch am Trainer liegt.

5. Tschechien

Tschechien entwickelt sich weg von einem der besten Länder hin zu einem der Länder, in Zukunft zittern müssen. Man erreicht zwar Jahr für Jahr problemlos das Viertelfinale, doch danach war an den beiden letzen Weltmeisterschaften (Moskau, Québec) Schluss. Auch die Junioren-Nationalmannschaften lassen zu wünschen übrig. Die Entwicklung zeigt dort eine Stagnation auf dem fünften Platz.

6. USA

Die USA haben Probleme mit der A-Nationalmannschaft. Dort scheidet man immer wieder in den Viertelfinals aus. Auch an den Olympischen Spielen, mit den vermeintlich besseren Spielern, scheiterten die Amerikaner in Turin an den Finnen. Auch sie stagnieren auf einem hohen Niveau. Eine Steigerung ist nur dann in Sicht, wenn sich die Junioren wie in den letzen Jahren kontinuierlich verbessern.

7. Schweiz

Siehe frühere Analyse und Spielerbewertung.

8. Norwegen

Die Norweger haben als eines der wenige Länder aufgeholt. Auch dank dem Schweizer System. Vermehrt werden junge Spieler gefördert und können in dem einen oder anderen Bereich fortschritte erzielen. Kann in den nächsten Jahren zu einem Möglichen Konkurrent der Schweizer heranwachsen. Oder dann, wie Deutschland, schnell wieder abstürzen.

9. Weissrussland

Es reichte nicht, dass Montreal in den Playoffs ausgeschieden war. Danke diesen Umstand konnten die Schweizer vorstossen. Ein Spiel später und es wäre eng geworden. Die Weissrussen sind über das Abschneiden enttäuscht. Dennoch können sie auch auf das Erreichte Stolz sein. An der nächsten Weltmeisterschaft in der Schweiz wird Weissrussland das wahre Gesicht zeigen.

10. Deutschland

Was ist im deutschen Eishockey los? Falsche Entscheidungen, Unruhe im Umfeld und eine Delegation, welche auch auf dem Eis versagt. Dank einem einzigen Sieg vermochte man sich vor der Relegationsrunde zu retten. Uwe Krupp muss über die Bücher. Auch mit seiner Mannschaft. Und mit dem DEB. Klare Worte sind nötig.

11. Lettland

Lettland entkam der Relegationsrunde knapp. Nächstes Jahr wird es schwerer werden. Die Mannschaft erreichte nicht mehr das Niveau vorhergehender Jahre. Redhlis ist auch nicht mehr der Jüngste und auch Vasiljevs wird nicht jünger. Nun sollte Lettland beginnen das Team zu verjüngen und neu aufzubauen.

12. Dänemark

Dänemark war einer der positiven Mannschaften in diesem Jahr. Die Dänen vermochten zwar nicht mit der Schweiz auf Augenhöhe zu spielen. Dennoch waren sie immer gefährlich und nicht einfach um gegen sie zu spielen.

13. Slowakei

Die Slowaken erlebten ihr Waterloo in Halifax. Sie traten auf und neben dem Eis nicht als Team auf. Der Trainer hatte seine grosse Mühe, das Team zu führen. Die Spieler waren mehrheitlich Egoisten. Die Tendenz war schon vor der Weltmeisterschaft zu sehen. Lustlose Auftritte wechselten sich mit guten Auftritten ab. Der slowakische Verband würde gut daran tun, Anpassungen vorzunehmen. Und nicht nur auf NHL-Spieler zu bauen.

14. Frankreich

Ziel erreicht. Frankreich verbleibt in der A-Gruppe. Die Mannschaft fiel nie auseinander und kann in den nächsten Jahren zu einem ständigen Team in der A-Gruppe werden. Doch dazu sollten die Franzosen nicht nur auf Huet oder Bordeleau bauen. Doch der Verband ist nach der Loslösung vom Eissportverband noch jung und wird das eine oder andere noch erarbeiten müssen.

15. Slowenien

Slowenien nimmt wertvolle Erfahrungen mit sich um an den nächsten Weltmeisterschaften zu behaupten. Ob sie aber 2010 in Deutschland wieder dabei sein werden, ist fraglich. Noch fehlen ihnen noch einige gute Spieler. Ein Anze Kopitar alleine genügt nicht.

16. Italien

Italien sollte sich damit abfinden, in den nächsten Jahren in der B-Gruppe zu spielen. Denn das Team wird nicht mehr jünger. Zudem sollten sie sich nun um die Verjüngerung und die Promotion des Eishockeys kümmern. In den nächsten Jahren wartet viel Arbeit auf den Verband. Vor allem sollte das Eishockey auch in den Süden verlagert werden. Denn Zurzeit spielt es sich nur im Norden um Bozen, Mailand und Turin (die am weitesten entfernte Hockeystadt in Italien) statt.