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Zwischenrunde: Reaktion oder Minimalismus?
Von Martin Merk, Fotos von Thomas Oswald
Mit einer Portion an Frust muss die Schweiz innert 18 Stunden zur Zwischenrunde antreten. Finnland wartet als erster Gegner, danach folgen Dänemark und Russland innert drei tagen. Erfolgt bereits heute die geforderte Reaktion - oder kommt man mit Minimalismus ins Viertelfinale?
Ralph Krueger hat nicht unrecht, wenn er sagt, dass man punktemässig sein Soll erreicht hat: Mit drei Punkten in die Zwischenrunde zu gehen - auch wenn man sich diese etwas weniger trist hätte erspielen wollen. Der Kalender der Schweiz ist nun dicht: Heute um 14:15 Uhr Schweizer Zeit waren die Finnen ausgeruht auf die gefrusteten Schweizer. Am Samstagnachmittag könnte mit einem Sieg über Dänemark die Viertelfinal-Qualifikation so gut wie besiegelt werden und am Sonntagnachmittag wollen die Russen ein weiteres Schaulaufen vor eigenem Anhang in Moskau. Mit einem weiteren Minimalistensieg gegen den Aussenseiter Dänemark könnte das Ziel also bereits erreicht werden, selbst wenn es gegen Finnland und Russland "auf die Kappe" geben könnte mit den bisherigen Leistungen. Dann würde man nach drei spielfreien Tagen im Viertelfinale wohl auf Tschechien oder Kanada treffen.
Fragezeichen in der Aufstellung
"Der Prozess fängt jetzt an", sagte Ralph Krueger unmittelbar nach der 0:6-Pleite gegen Finnland und meint damit insbesondere: Wer ist einsatzfähig? Tritt man mit 7 Verteidigern und 13 Stürmern an oder mit 8 Verteidigern und 12 Stürmern? Drei Spieler waren angeschlagen, mit Steve Hirschi und Thierry Paterlini kommen auf jeden Fall zwei neue Spieler in die Aufstellung, weshalb ein Feldspieler weichen muss. Allenfalls der fitgespritzte Martin Steinegger, der von Spiel zu Spiel fraglich ist? Krueger freut sich auf die Verstärkung: "Thierry ist gerade in Unterzahl ein Spezialist und Stevie bringt Tempo und Energie in die Defensive", so Krueger über die bislang nicht gemeldeten Spieler, "sie werden der Gruppe helfen können, denn wir brauchen schnell eine Reparatur." Gut möglich ist auch, dass Jonas Hiller gegen Finnland wieder im Tor beginnt. David Aebischer kann einem da nur leid tun, dass er ausgerechnet in jenem Spiel zum Einsatz kam, in welchem die Verteidigung ihm keine grosse Unterstützung war. Klar ist, dass es mit wenigen Änderungen eine Reaktion geben muss. "Entweder erwachen wir nun, oder wir sind in ein paar Tagen daheim", formuliert es der Captain Mark Streit, der während des Spiels sehr laut wurde. Die Leistung, welche die Schweizer gezeigt hatten, bezeichnete er als Frechheit.
Besser ging es immerhin Raffaele Sannitz, der das Spiel besuchen konnte, nach seiner mittelschweren Hirnerschütterung. Er wird jedoch noch drei bis vier Tage pausieren müssen bis das Training ein Thema werden kann. Für die Zwischenrunde ist nicht mit einem Einsatz zu rechnen.
Finnland: Ex-Luganesi beeindrucken
Ein Wiedersehen gibt es bei den Finnen mit zwei früheren Lugano-Stars: Der Offensiv-Verteidiger Petteri Nummelin und der Stürmer Ville Peltonen sind aus der NHL für die WM über den grossen Teich zurückgekehrt und gehören mit fünf Scorerpunkten zu den besten Scorern. Bei den Finnen war einzig der 22-Jährige Petri Kontiola von Tappara Tampere erfolgreicher. Die Finnen zeigten sich bis auf wenige Ausnahme als disziplinierte und taktisch starke Mannschaft, welche gegen die "Kleinen" wenig Mühe bekundeten und gegen die technisch stärkeren Russen beinahe punkten konnten. Immerhin elf NHL-Spieler kann Erkka Westerlund in seiner Mannschaft zählen. Dazu kommen vor allem Spieler aus der einheimischen SM-Liiga, welche im europäischen Clubeishockey immerhin jeweils den zweiten Rang herausholte hinter Russland, sowie die NLA-Spieler Jukka Hentunen (Lugano), und Toni Söderholm (Bern). Beim Durchlesen der Namen fällt es schwer, an einen Schweizer Sieg zu glauben. Ob eine derart deftige Reaktion möglich sein wird, um gegen die Blau-Weissen bestehen zu können?
Torhüter:
1. Fredrik Norrena (Columbus/NHL).
2. Kari Lehtonen (Atlanta/NHL).
3. Sinuhe Wallinheimo (Jyväskylä).
Verteidiger:
1. Block: Petteri Nummelin (Minnesota/NHL), Lasse Kukkonen (Philadelphia/NHL).
2. Block: Tuukka Mäntylä (Tappara Tampere), Pekka Saravo (Luleå/SWE).
3. Block: Toni Söderholm (Bern/SUI), Aki-Petteri Berg (Turku).
Überzählig: Jukka Laamanen (Oulu), Arto Laatikainen (Espoo).
Stürmer:
1. Block: Jere Lehtinen (Dallas/NHL), Mikko Koivu (Minnesota/NHL), Ville Peltonen (Florida/NHL).
2. Block: Tuomo Ruutu (Chicago/NHL), Petri Kontiola (Tappara Tampere), Antti Miettinen (Dallas/NHL).
3. Block: Jukka Hentunen (Lugano), Niko Kapanen (Phoenix/NHL), Timo Pärssinen (Timrå/SWE).
4. Block: Sean Bergenheim (Frölunda/SWE), Jari Viuhkola (Oulu), Jarkko Ruutu (Pittsburgh/NHL).
Ersatz: Tomi Kallio (Frölunda/SWE), Mika Pyörälä (Oulu).
Überzählig: Antti Pihlström (Hämeenlinna).
Trainer: Erkka Westerlund, Assistenten: Hannu Virta, Juhani Dufva Risto.
Auch Dänemark mit Goaliediskussionen
Dänemark hat nicht unüberraschend gegen die Ukraine eine Art Wachablösung geschafft und die Osteuropäer in die Abstiegsrunde verbannt. Während sich das ukrainische Eishockey in einer Krise befindet, fallen die Dänen mit einer zukunftsträchtigen Nachwuchsförderung auf. Mehr Dänen rücken ins Blickfeld der Scouts und sowohl an der U20- wie auch an der U18-Weltmeisterschaft hat man als "Liftmannschaft" wieder den Aufstieg unter die besten Zehn der Welt erreicht. Zwei Spieler kommen aus der AHL, wobei Frans Nielsen diese Saison auch 15 NHL-Spiele für die New York Islanders bestritt. Zwei weitere bestritten die Saison in einer kanadischen Juniorenliga. Vier Spieler sind als Profils in Schweden beschäftigt, Jesper Damgaard bei den Augsburger Panthern in der DEL, bevor er beim HC Lugano als Ersatzausländer endete. Dafür haben die Dänen wie auch die Schweiz eine Goaliekontroverse. Der 28-Jährige Peter Hirsch ist im dänischen Tor jetzt schon eine Legende. Seit 1999 fehlte er an keinem WM-Turnier und ist seit 2000 unbestrittener Stammtorhüter. Bei den Leksand Stars war er Stammtorhüter, wurde beim Aufstieg jedoch am Schluss verdrängt und müsste von seinen Leistungen im bisherigen Turnierverlauf her eigentlich dem 26-Jährigen Michael Madsen, seit 2002 an jedem Turnier als Nummer zwei dabei, Platz machen. Von der Klasse und der Mischung her kann man die Dänen als ähnlich stark wie Lettland einstufen. Ein Sieg ist für die Viertelfinal-Qualifikation ein Muss, aber trotzdem keine einfache Angelegenheit. Die Dänen um ihren kanadischen Noname-Trainer Mike Sirant können nach der Zwischenrunden-Qualifikation befreit aufspielen und haben jetzt schon die beste Klassierung seit drei Jahren auf sicher.
Torhüter:
1. Peter Hirsch (Leksand/SWE2).
2. Michael Madsen (Herlev).
3. Simon Nielsen (Rødovre).
Verteidiger:
1. Block: Jesper Damgaard (Augsburg/DEU), Mads Bødker (Rögle/SWE2).
2. Block: Daniel Nielsen (Herning), Rasmus Pander (Herning).
3. Block: Stefan Lassen (Herning), Andreas Andreasen (Esbjerg).
4. Block: Mads Møller (Aalborg).
Stürmer:
1. Block: Bo Nordby Tranholm (Aalborg), Morten Green (Leksand/SWE2), Kim Staal (Milwaukee/AHL).
2. Block: Kirill Starkov (Red Deer/WHL), Frans Nielsen (Bridgeport/AHL), Peter Regin (Timrå/SWE).
3. Block: Christoffer Kjærgaard (Herning), Mads Christensen (Herning), Morten Madsen (Victoriaville/QMJHL).
4. Block: Thor Dresler (Herlev), Michael Smidt (Rødovre), Rasmus Olsen (Aalborg).
Ersatz: Jens Nielsen (Aalborg), Alexander Sundberg (Rødovre).
Überzählig: Ronni Thomassen (Rødovre).
Trainer: Mike Sirant, Assistenten: Stefan Lunner, Esben Nedermark.
Russland mit bedingungslosem Spektakel
Russland bot bislang an seiner eigenen Weltmeisterschaft das spektakulärste Eishockey. Mit Bedingungslosem Offensiv-Eishockey wird der Sieg gesucht und kleine Eishockey-Nationen von der "roten Maschine" gnadenlos überfahren wie ein Amateurteam im Trainingsspiel gegen einen NLA-Club. Die russische Offensive ist derart stark, dass man den NHL-Star Alexander Ovjechkin mit wenig Eiszeit im vierten Block belassen und selbst die finnische Abwehr schwindlig spielen kann. Am auffälligsten war dabei der "Kasan-Block". Das Tataren-Sturmtrio Morozov-Zinovjev-Zaripov legt ein derart horrendes Tempo vor, dass es nur schon beim Zusehen übel werden kann, wenn man an die Schweizer Abwehrleistung gegen Schweden denkt. Nachdem es bereits Ak Bars Kasan zum Europacup-Sieg schoss, wird es an der WM wohl vorerst zum letzten Mal gemeinsam auftreten. Doch der Auftritt ist bislang geglückt: Gleich für 11 der 22 Tore war die Linie verantwortlich. Mit je fünf Toren und Assists ist Alexej Morozov Topscorer der Vorrunde. Dahinter folgt ein Block aus lauter NHL-Spieler wie Malkin, Kovalchuk oder Mark Streits NHL-Teamkollege Andrej Markov. Für "Rossija" zählt hier nur der Weltmeistertitel. Dafür wurde die Khodynka Arena gebaut, sagte schon der Bürgermeister bei der WM-Eröffnung. Seit 1993, dem ersten Auftritt unter dem Namen Russland, wartet man auf einen Weltmeistertitel und konnte seither nur eine Finalteilnahme (2002) verzeichnen. 1986 in Moskau konnte man sich letztmals als ein WM-Gastgeber zum Weltmeister krönen. Die Gottéron-Legende Vjacheslav Bykov stand damals noch auf dem Eis - seit dieser Saison dirigiert Bykov, der auch den Armeeclub ZSKA Moskau trainiert, das nur etwa 500 Meter entfernt spielt, die "Sbornaja" von der Bande aus. Ob er den Schweizern Albträume bescheren wird?
Torhüter:
1. Vasilij Koshechkin (Togliatti).
2. Alexander Jemerenko (Kasan).
Verteidiger:
1. Block: Vitali Proshkin (Kasan), Ilja Nikulin (Kasan).
2. Block: Sergej Gonchar (Pittsburgh/NHL), Andrej Markov (Montréal/NHL).
3. Block: Vitaly Atjushov (Magnitogorsk), Denis Grebeshkov (Jaroslawl).
4. Block: Alexej Jemelin (Togliatti), Kondratjev (Togliatti).
Stürmer:
1. Block: Alexej Morozov (Kasan), Sergej Zinovjev (Kasan), Danis Zaripov (Kasan).
2. Block: Alexander Frolov (Los Angeles/NHL), Jevgeni Malkin (Pittsburgh/NHL), Ilja Kovalchuk (Atlanta/NHL).
3. Block: Alexander Radulov (Nashville), Petr Schastlivy (Khimik Moskovskaja Oblast), Alexander Kharitonov (Dynamo Moskau).
4. Block: Nikolai Kulemin (Magnitogorsk), Ivan Neprjajev (Jaroslawl), Alexander Ovjechkin (Washington/NHL).
Trainer: Vjacheslav Bykov (ZSKA Moskau), Assistenten: Igor Zakharkin, Sergej Nemchinov.
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Petteri Nummelin gehört zu den finnischen Stars

Michael Madsen drängt sich als Stammgoalie auf

Der Kasan-Block durfte in der Vorrunde elf Mal jubeln
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