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Junge Kanadier wollen Olympia-Schmach vergessen machen
Von Martin Merk, Fotos von Thomas Oswald
Der frühere NLA-Trainer Andy Murray wartet beim Weltranglisten-Dritten Kanada mit einer jungen Mannschaft auf, bis auf zwei Akteure ausschliesslich aus NHL-Profis bestehend. Das Ziel: Im Viertelfinale die 0:2-Niederlage von Turin letztes Jahr vergessen machen.
Seit dem 2:0-Erfolg der Schweizer gegen die haushoch favorisiert gewesenen Kanadier an den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin ist der Unterschätzungs-Faktor für Ralph Kruegers Mannschaft gering. "Sie haben uns geschlagen und wir müssen hart an uns arbeiten, dass sich dies nicht wiederholt", sagt Jonathan Toews, der einzige Spieler ohne Profivertrag im Team, der zusammen mit dem Ex-Davoser Rick Nash die interne Scorerliste anführt. Bis auf Toews und Cory Murphy vom Helsinki IFK kommen sämtliche Akteure aus der NHL. Weil 2008 erstmals eine WM im Mutterland Kanada stattfindet, wird dieses Turnier so ernst genommen wie noch nie. Der kanadische Tross ist riesig, die eigens eingeflogenen Scouts haben die Schweiz und andere Viertelfinal-Kandidaten über mehrere Spiele beobachtet, dazu gibt es reichlich Videomaterial.
Andy Murray weiss Bescheid
Dass die Schweiz als Freilos angesehen wird wie in den kanadischen Medien, kann man vom Team selbst nicht behaupten. Mit Andy Murray steht schliesslich auch ein Mann an der Bande, der die Schweiz bestens kennt und auch die deutsche Sprache noch nicht verlernt hat. Zwischen 1985 und 1992 stand er in Kloten, Zug, Lugano und Zürich hinter der Bande. Jonas Hiller gehört bei der Torhütersuche für sein NHL-Team St. Louis Blues gar zu den Gesprächspartnern. 1997 und 2003 holte der Kanadier bereits WM-Gold als Trainer. Eric Brewer und Shane Doan sind noch vom letzten Weltmeisterteam dabei, Doan und Nash erlebten die Olymipa-Schmach gegen die Schweiz mit. Als "jung" charakterisiert Murray sein Team - es sei die jüngste des Turniers. Dem Draft-System sei dank spielen viele Youngsters nicht bei Spitzenteams und stehen damit während der Playoffs für die WM frei. "Die jungen Spieler bringen viel Enthusiasmus, jedoch auch die Gefahr von Fehlern", sagte Murray weiter. Die Schweizer bezeichnet er als gut organisierte Mannschaft.
Wiedersehen für Rick Nash
Auch der Ex-HCD-Stürmer Rick Nash mag nicht von der kanadischen Erwartungshaltung eines Freiloses sprechen: "Wir wollten einfach die Gruppe gewinnen, egal wer als Gegner kommt." Ein grosses Spiel erwartet er gegen die Schweiz. An Selbstvertrauen mangelt es gleichwohl nicht: "Wir werden von Spiel zu Spiel und Training zu Training besser. Wir und die USA sind im Gegensatz zu den anderen Nationen nicht so eingespielt." Die Stimmung ist nach dem klaren Sieg gegen die USA und dem Spektakel gegen Tschechien im hoch, auch wenn etwas Glück dabei war: Das Siegestor nach 23 Sekunden in der Verlängerung erzielte Eric Staal, als die meisten Mit- und Gegenspieler einen Pfiff des Schiedsrichters gehört haben wollen, der aber offenbar aus dem Publikum stammte. Davor waren die Tschechen dreimal in Führung gegangen. Die Schweiz assoziiert er in erster Linie mit dem Gewinn des Meistertitels und des Spengler Cup beim HC Davos während des Lockouts sowie den netten Leuten, weniger mit dem "Swiss Miss", dem Olympischen Versäumnis gegen die Schweizer mit dem enttäuschenden siebten Rang als Folge. Mit einigen Schweizern hält er nach wie vor Kontakt, etwa mit Michel Riesen. Dagegen wird er morgen mit den beiden Davoser Nationalspieler Jonas Hiller und Andres Ambühl sowie seinen Ex-Teamkollegen Beat Forster erstmals seit zwei Jahren wieder in Verbindung treten, wenn man sich auf dem Eis begegnet. "Die Schweizer haben auch ein grossartiges Team, sie arbeiten hart", beurteilt Nash den Gegner, "wir können sie nicht auf die leichte Schulter nehmen und wissen, dass sie uns schlagen können." Man werde viel besser spielen als noch vor einem Jahr in Turin. Für viele Spieler sei es das erste Mal, dass sie auf diesem Level das Dress mit dem Ahornblatt drüberstreifen, für jene sei es eine aufregende Erfahrung.
Suche nach dem besten Spiel
Gleich 14 der 23 Spieler sind nicht mehr als 25 Jahre alt. 25,8 Jahre beträgt der Altersschnitt. Weder durch die drei Spielsperren gegen Shea Weber noch durch die politische Polemik um den Captain Shane Doan, der vor über einem Jahr einen frankophonen NHL-Schiedsrichter rassistisch beleidigt haben soll, nach NHL-Untersuchungen aber freigesprochen wurde, brachten die Mannschaft aus der Ruhe. Seit dem mühseligen Start mangels Eingespieltheit mit knappen Siegen über Deutschland, Norwegen und die Slowakei scheint man rechtzeitig auf das Viertelfinale hin auf der Höhe der Leistung zu sein. Nur 16 von 100 Vergleichen zwischen den beiden Nationen endeten bislang mit einem Schweizer Sieg - allesamt in Testspielen bis auf den Olymipa-Coup. Zeit also für den ersten WM-Sieg? "Wir wollen unser bestes Spiel spielen bis anhin und uns für den Halbfinal qualifizieren", gab der Schweizer Captain Mark Streit vor.
Überfallartige Kanadier
Was auf die Schweizer zukommt, ist man sich im Lager des SEHV-Teams bewusst. Im letzten Spiel gegen die USA powerte Kanada den Nachbarn nieder und führte nach 13 Minuten mit vier Toren. Der Schweizer Trainerstaff liess es sich natürlich nicht nehmen, das Spiel in Mytischtschi vor Ort anzuschauen. Die Defensive wird von der ersten Sekunde an gefragt sein. "Die Kanadier werden überfallartig in unsere Zone kommen", sagt Jakob Kölliker voraus, der als einer der beiden Assistentstrainer für die Verteidiger verantwortlich ist. Gegen dieses Druckeishockey müsse man vor allem physisch mithalten. "Wir müssen in der Mittelzone gut stehen und das Tempo mitgehen können. Die Geschwindigkeit und der Scheibenumgang wird ein Schlüssel sein", so Kölliker weiter. Bleibt zu hoffen, dass dies besser gelingt als zuletzt gegen die wirbligen Russen.
Torhüter:
1. Dwayne Roloson (Edmonton/NHL).
2. Cam Ward (Carolina/NHL).
3. Chris Mason (Nashville/NHL).
Verteidiger:
1. Block: Mike Commodore (Carolina/NHL), Eric Brewer (St. Louis/NHL).
2. Block: Shea Weber (Nashville/NHL), Dan Hamhuis (Nashville/NHL).
3. Block: Cory Murphy (Helsinki IFK/FIN), Barret Jackman (St. Louis/NHL).
4. Block: Dion Phaneuf (Calgary/NHL), Nick Schultz (Minnesota/NHL).
Stürmer:
1. Block: Colby Armstrong (Pittsburgh/NHL), Jonathan Toews (North Dakota/NCAA), Justin Williams (Carolina/NHL).
2. Block: Shane Doan (Phoenix/NHL), Matthew Lombardi (Calgary/NHL), Rick Nash (Columbus/NHL).
3. Block: Jamal Mayers (St. Louis/NHL), Jay McClement (St. Louis/NHL), Jason Chimera (Columbus/NHL).
4. Block: Mike Cammalleri (Los Angeles/NHL), Eric Staal (Carolina/NHL), Jordan Staal (Pittsburgh/NHL).
Trainer: Andy Murray (San Jose/NHL), Assistenten: Mike Johnston (Ass. Los Angeles/NHL), Gerard Gallant (Columbus/NHL).
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Kanada-Trainer Andy Murray und seiner Spieler


Kanadas Topscorer Rick Nash
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