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Schweiz: Verjüngtes Team vor Zerreissprobe
Von Martin Merk
Viel wurde berichtet aus der Schweizer Nationalmannschaft vor dem WM-Start - zumeist keine positiven Botschaften. Aufgrund Verletzungen und Lustlosigkeiten musste drei Monate nach den erfolgreichen Olympischen Winterspielen in Turin die halbe Mannschaft ausgewechselt werden. Das gibt Platz für neue Kräfte, welche mit ihrer Motivation womöglich die grössere Hilfe sind als Spieler, welche mit Begründungen absagen, wie dass man nach der Saison nicht mehr trainierte. Denn Touristen im Team braucht Ralph Krueger nicht.
Es ist einer der markantesten Schnitte unter Krueger. In Hinblick auf seine Fernziele, die Heim-WM 2009 und die Olympischen Spiele 2010, erhalten damit neue Kräfte ihre Bewährungschancen. Für Spieler wie Raffaele Sannitz, Thomas Déruns oder Kevin Romy. Von einem Neubeginn allerdings kann nicht die Rede sein. Der Stamm der Nationalmannschaft aus den vergangenen Jahren ist immer noch zusammengeblieben und es sind genug Länderspiel-erfahrene Profis im Team.
Trotzdem ist eine gewisse Nervosität zu spüren. Man weiss nicht so genau, wo man nach diesem Einschnitt steht. Die Vorbereitung liess nicht andeuten, dass sich die übliche Klassierung zwischen den Rängen 5 bis 8 nicht wiederholbar sein soll. Trotzdem gibt es gewisse Umstellungen. Bis wenige Tage vor WM-Beginn waren aufgrund der NHL viele Fragen offen, die erst jetzt in die Teamstrategie einfliessen. Als nomineller Nummer-1-Torhüter landete gestern David Aebischer in Riga. Mit Marco Bührer und Jonas Hiller stehen zwei Torhüter bereit, die in der Vorbereitung gute Leistungen zeigten.
Auch in der Abwehr gab es Fragezeichen, welche sich vor allem um Captain Mark Streit drehten. Der Teamkollege Aebischers bei Montréal trainierte gestern ebenfalls erstmals mit - dafür hatte der SEHV das gestrige Training auf den späteren Nachmittag verschieben lassen. Für den Abwehrpatron wird es allerdings einen neuen Back-Partner brauchen nach dem Rücktritt seines bisherigen Linienkameraden Olivier Keller. Gut möglich, dass dies der andere NHL-Verteidiger im Team sein wird. Timo Helbling hatte in mehreren Anläufen den Sprung ins WM-Kader bislang nie geschafft. Doch Krueger ist beeindruckt von Helblings Willensstärke. Seit knapp sechs Jahren spielt Helbling nun in Übersee, die Lockout-Saison in Kloten abgesehen. Diese Saison klappte es auch endlich mit dem NHL-Debüt und Helbling kam zu immerhin neun Spielen und einem ersten Assistpunkt.
Das grosse Fragezeichen bleibt einmal mehr der Sturm. Die Offensivausbeute war selten die Stärke der Schweizer Nationalmannschaft. Die Olympischen Spiele waren da noch ein Lichtblick, doch mit Patrick Fischer, Marcel Jenni und Paul Di Pietro fehlen grosse Namen, von den Streitigkeiten mit Reto von Arx und Michel Riesen ganz abgesehen. Es wäre eine Überraschung, wenn ihre "Ersatzleute" die Ineffizienz vor dem Tor beheben könnten. Doch schliesslich hat auch vor acht Jahren in Zürich und Basel niemand mit der Halbfinal-Teilnahme beim damaligen, jungen Team gerechnet.
Durch den gefestigten achten Rang in der IIHF-Vierjahresweltrangliste haben die Schweizer jedenfalls auf Jahre eine günstige Gruppenkonstellation als Nation im zweiten Topf. Gegen den Aufsteiger Italien und den sich auf den absteigenden Ast befindenden Ukrainern sind die Schweizer Favoriten. Im dritten Spiel hat man mit Schweden einen Gruppenfavoriten, gegen welchen man zuletzt zwei Mal in Serie im Viertelfinale ausschied. In der Zwischenrunde können die Slowakei und Russland erwartet werden sowie als dritter Gegner Weissrussland oder Kasachstan. Um in die Viertelfinals zu gelangen, dürfen sich aus diesem Pool an Gegnern nach der Zwischenrunde höchstens drei Nationen vor der Schweiz klassieren.
Weiterer Artikel: Mit Patric Della Rossa vor dem WM-Start
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