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Vladimir Jursinov: Neuland in der alten Heimat
Von Martin Merk, Fotos von Thomas Oswald
Vladimir Jursinov ist als Trainer in der Schweiz bestens bekannt, stand er doch jahrelang bei den Kloten Flyers hinter der Bande. Am Sonntag trifft er als Assistent der russischen Nationalmannschaft auf die Schweiz.
Vladimir Jursinov, Russland ist mit sehr unterschiedlichen Siegen ins Turnier gestartet, was ist Ihr Fazit?
Vladimir Jursinov: Es ist schwierig zu sagen, bei Russland weiss man nie, wie es heute oder morgen spielt. Es kann gutes oder auch weniger gutes Niveau mit zu wenig Konzentration sein.
Diese Unkonstanz ist eine Herausforderung für den Trainerstab, woher kommt sie?
Ja, das ist eine Herausforderung. Die ganze Mannschaft spielt in der russischen Liga, bis auf einer, Alexander Ovechkin. Es ist eine gute Liga. Aber es sind viele junge Spieler in der Mannschaft. Sie haben alle das Potenzial, um in der NHL zu spielen.
Ihr habt nur einen Spieler aus der NHL. Ist das für euch ein Nachteil oder sogar ein Vorteil?
Meiner Meinung nach einerseits ein Nachteil. Aber unsere jungen Spieler müssen immer den Wunsch haben, für die Nationalmannschaft zu spielen und mit ihr in der Profikarriere sich weiterentwickeln. Diese Mannschaft hat mehr motivierte Spieler, welche für uns spielen möchten. Die Resultate werden es zeigen.
Sie waren ja mehrere Jahre als Kloten-Trainer in der Schweiz. Was ist es Ihnen seither ergangen?
Ich habe eine sehr interessante Saison in Russland und mit der Nationalmannschaft gehabt. Als ich nach Russland zurückkam, war es ein anderes Land, als ich damals ging. Ich ging 1992 nach Finnland, danach in die Schweiz. Für mich ist Russland ein neues Land. Ich habe aber viele interessante Sachen gesehen. Eishockey ist nun nicht mehr nur in Moskau populär, auch etwa in Sibirien, im Ural, wo es früher nicht so gute Mannschaften gab. Es kommen auch viele Zuschauer und Sponsoren, es gibt neue Eishockey-Zentren. Es gab in den letzten Jahren auch viele neue Hallen, zum Beispiel in Kasan, Mytishi, Nizhnekamsk, bald auch Magnitogorsk und Cherepovez. Mit den neuen Eishallen gibt es eine andere Kultur, es kommen viele Leute in diese modernen Eishallen. Kasan hatte jeweils 10'000, früher 2000 bis 3000 Zuschauer. Es sind auch viele junge Zuschauer und Kinder. Das russische Eishockey hat grosses Potenzial. Es werden für Spieler auch gute Löhne gezahlt, es gibt eigene Farmteams mit jungen Spielern, Hockeyschulen. Aber wir haben in Russland nicht so gute Organisationen und die Ausbildungsqualität für junge Spieler ist nicht so gut.
Sie haben in Russland vor allem zu Sowjet-Zeiten trainiert. Nun sind Sie Trainer in einer neuen Ära. War die Umstellung am Anfang für Sie ein Problem?
Es sind nun andere Beziehungen zu den Spielern, vieles ist anders. Ich arbeite nun für Lokomotiv Jaroslawl mit einer neuen, modernen Eishalle, die mit 8500 Zuschauern immer voll ist. Ich arbeite mit jungen Spielern, wir haben fast die jüngste Mannschaft in Russland. Ich habe gute Assistenten. Für mich gibt das neue Möglichkeiten.
Gehen Sie mit den Spielern anders um als sie früher Trainer in Russland waren?
Ja, anders. Viele Spieler sind nun reiche Spieler, nicht so wie früher. Andere Spieler spielen nun in der NHL oder versuchen es, Ausländer spielen hier. Die Spieler wollen nicht so viel trainieren wie früher, aber es wird gut trainiert. Es gibt auch eine andere Kultur mit ausländischen Trainern. Aber Russland muss mehr arbeiten und den eigenen, jungen Spielern Vertrauen schenken.
Sie haben also in Jaroslawl also eine ähnliche Rolle als Ausbildner wie in Kloten?
Ja, ich möchte das so. Wir haben noch viele Trainer der alten Schule, die gut arbeiten. Es gibt aber bei der Trainerausbildung noch viel zu tun.
Sie spielen nun gegen die Schweiz. Wird das für Sie speziell sein?
Ja, sehr. Ich bin glücklich, dass etwa an der Olympiade Spieler dabei waren, die ich in Kloten trainiert habe. Es sind etwa sechs junge Spieler, die für mich gespielt haben und das ist für mich eine Ehre. Ich habe auch gute Beziehungen zu Krüeger und Kölliker. Ich bin froh, dass diese Spieler sich weiterentwickelt haben. Die Schweizer Nationalmannschaft hat gutes Niveau.
Was für ein Spiel erwarten Sie gegen die Schweiz aus russischer Sicht?
Es wird für uns sehr schwierig. Letztes Jahr spielten wir 3:3, es war ein hartes Spiel. Die Situation ist anders als früher. Die Schweizer Nationalmannschaft ist auf hohem Niveau und etwa ein gleich starker Gegner. Die Schweiz hat gute Chancen gegen jede Mannschaft, was man an der Olympiade gegen Kanada und Tschechien sah.
Besten Dank für das Interview und viel Glück an der WM.
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