Donnerstag, 11. Februar 2006

WM 2006

11 : 0
(4:0, 1:0, 6:0)
Kanada Lettland

Matchbericht



Lettisches Debakel gegen Kanada

Von Martin Merk

Der Gastgeber Lettland erlebte gegen Kanada ein Debakel und unterlag vor rund 9000 Zuschauern 0:11. Es war die höchste Niederlage der lettischen Nationalmannschaft seit dem Aufstieg 1996. Sündenbock der lettischen Fans war der Schiedsrichter Rick Looker, welcher 16 Zweiminuten-Strafen gegen die Hausherren aussprach. Die Partie musste zwei Mal wegen Wurfgegenständen für längere Zeit unterbrochen werden.

Die Letten überraschten vor Spielbeginn noch mit Blutauffrischung: Der heute nachnominierte Nachwuchsstürmer Kaspars Daugavins (17) wurde für den NLB-Stürmer Grigorijs Pantelejevs (Martigny) in die erste Sturmreihe nominiert. Daugavins gehört zu den grössten Nachwuchstalenten des Landes, wurde aber trotz guter Testspiele erst heute für die Zwischenrunde angemeldet.

Die lettischen Fans feuerten ihre Mannschaft wie üblich mit lautem Getöse an. Doch gegen den letztjährigen Vizeweltmeister Kanada kamen die Letten zu keinem Offensivspektakel. Immer wieder wussten sie sich zu Spielbeginn nur mit pingelig sanktionierten Strafen zu helfen und zwei Mal wurde es dabei mucksmäuschenstill in der Arena Riga. Es waren jene Momente, in denen die kanadische Übermacht im Powerplay zu Toren genutzt wurden durch Jason Williams und Sidney Crosby. Nach weiteren Powerplay-Toren durch Brad Boyes und Patrice Bergeron hatten einige Zuschauer genug gesehen und der amerikanische Schiedsrichter Rick Looker wurde zum Buhmann. Looker ist der erste Profischiedsrichter in der DEL und hatte sich in Deutschland sowie an den bisherigen WM-Spielen (unter anderem Schweiz-Italien) den Ruf als äusserst kleinlich pfeifender Schiedsrichter erarbeitet. Nachdem die Wut mit Wurfgegenständen minutenlang ausgelassen wurde, musste das Startdrittel nach 18 Minuten vorzeitig beendet werden.

Die lettische Nationalmannschaft kassierte zwar im Mitteldrittel einen weiteren Gegentreffer zum 5:0, liess aber den Kopf nicht hängen und suchte mit Offensivaktionen die Wiedergutmachung. Doch wirkten die Bemühungen zu limitiert, wie brotlose Kunst gegenüber den Kanadiern. Zu weich und unbeweglich war die Verteidigung der Letten.

Und auch das letzte Drittel brachte den Gastgebern kein Glück. Die Kanadier nutzten Strafen zu drei Toren innerhalb der ersten drei Minuten. Die Letten wurden im letzten Drittel regelrecht auseinander genommen und sorgten schliesslich mit 0:11 für die höchste Niederlage des diesjährigen Turniers und ihrer höchsten WM-Niederlage der Neuzeit überhaupt.

Dazwischen gab es während 20 Minuten eine dritte Pause wegen erneuten Wurfgegenständen. Der Stürmer Janis Sprukts beruhigte dabei die Fans mit den nicht gerade diplomatischen Worten: «Natürlich macht der Schiedsrichter viele Fehler und wir sind auch nicht glücklich, aber werft bitte keine Gegenstände aufs Eis.» Auch auf kanadischer Seite machte man sich über den Spielverlauf lustig, so fasste ein kanadischer Medienbeauftragte die Partie mit «Looker 11, Latvia 0» zusammen.

Die Letten hatten zweifellos Mühe mit der Regelauslegung, welche in ihren Ligen in Lettland und Weissrussland nicht angewandt wurde, zumal sie einen Schiedsrichter erhielten, dessen Linie auch schon als «Unter-Nulltoleranz» belächelt wurde. Doch auch so war der Klassenunterschied zu gross, um je für einen Punkt gegen Kanada in Frage zu kommen.



Stimmen:

Marc Habscheid, Headcoach Kanada: «Es war ein guter Sieg und wir spielten wie eine komplette Mannschaft. Wir hatten viel Respekt vor Lettland nach dem knappen Resultat letztes Jahr. Die lettischen Fans sind sehr gut und leidenschaftlich, es waren nur ein paar wenige, welche Gegenstände leider geworfen haben.»

Petr Vorobjev, Headcoach Lettland: «Kanada war eine Klasse besser und unsere Spieler waren psychologisch nicht bereit für so einen Gegner. Die kanadischen Spieler wissen, wie sie bei einem solchen Schiedsrichter spielen müssen und unsere nicht. Es war ein grosser Unterschied zwischen den Mannschaften und man sollte nicht den Schiedsrichter als Hauptursache hinstellen.»



Telegramm:

Arena Riga. – 8389 Zuschauer. – SR: Looker (USA), Lesnjak (SLN) / Pouzar (CZE). – Tore: 5:41 Williams (Stuart/Ausschluss Vasiljevs) 1:0. 8:49 Crosby (Williams/Ausschlüsse ) 2:0. 14:40 Boyes (Williams/Ausschluss Rekis) 3:0. 17:43 Bergeron (Boyes, Crosby/Ausschluss Rekis) 4:0. 25:58 Shanahan (Williams, Cammalleri/Ausschluss Saviels) 5:0. 40:24 Carter (Calder, Schultz/Ausschlüsse Hamhuis; Jerofejevs) 6:0. 41:18 Pettinger (Daley, Metropolit/Ausschlüsse Jerofejevs, Tambijevs) 7:0. 42:24 Richards (Stewart, Carter/Ausschluss Tambijevs) 8:0. 45:59 Calder (Ausschluss Semjonovs) 9:0. 46:31 Calder (Hamhuis, Richards) 10:0. 50:07 Hartnell (Metropolit/Ausschluss Glavins) 11:0. – Strafen: 8-mal 2 Minuten gegen Kanada, 16-mal 2 Minuten gegen Lettland.

Kanada: Denis (Ersatz: Auld); Robidas, Hamhuis; Seabrook, Daley; Stuart, Dupont; Schultz; Pettinger, Metropolit, Hartnell; Crosby, Bergeron, Boyes; Cammalleri, Comrie, Shanahan; Calder, Richards, Carter; Williams.

Lettland: Naumovs (15:20 Raitums); Rekis, Saviels; Jass, Tribuncovs; Pujacs, Galvins; Astasenko, Jerofejevs; Cipulis, Sprukts, Daugavins; Tambijevs, Nizivijs, Semjonovs; Sirokovs, Redlihs, Blinovs; Darzins, Vasiljevs, Stals.

Bemerkungen: Lettland ohne Pantelejevs (überzählig). – 18:00 Drittel wegen Wurfgegenständen vorzeitig beendet. 44:50 Zwanzigminütiger Spielunterbruch wegen Wurfgegenständen. – Schüsse aufs Tor: 40:26 (16:5, 11:11, 13:10). – Zu den besten Spielern gewählt: Kyle Calder; Alexanders Jerofejevs.


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Fotos von Thomas Oswald


















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