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Slowakei – Eine Mannschaft mit dem bestimmten etwas

Von Urs Berger

Die Slowakei entwickelt sich zu einem guten und unbeliebten Gegner für die Schweizer. Unvergessen bleiben die beiden knappen Niederlagen in den letzen beiden Jahren in den Viertelfinals. Beide Male verloren die Schweizer gegen die Slowaken nach sehr guten Leistungen mit 3 zu 1. Nun treffen die Schweizer zum Ersten Mal in der Zwischenrunde auf das Team um Miroslav Satan. Können die Schweizer einen Erfolg feiern und die Slowaken düpieren oder verlieren die Eisgenossen wiederum? Fragen, welche wir nicht beantworten können, dafür aber eine Analyse des slowakischen Teams anbieten.

Torhüter

Wer wird gegen die Schweizer im Tor stehen? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Schweizer Presse, sondern auch die Slowakische. Mit den beiden guten Torhütern Ratislav Stana und Jan Lasak verfügen die Slowaken über einen ähnlichen Rückhalt wie die Tschechen. Die beiden Torhüter sind schwer zu bezwingen, können das Spiel entscheiden und das berühmte Zünglein an der Waage spielen. Mit Weitschüssen sind sie kaum zu bezwingen. Die einzige Möglichkeit bei den Slowaken ein Tor zu erzwingen, ist mit konsequenter harter Arbeit im Slot.

Verteidigung

Der "Verteidigungsgeneral" bei den Slowaken ist 203 Zentimeter gross, 118 Kilogramm schwer und in der NHL einer der gefürchtesten Checker. Zdeno Chara ist mit seiner Grösse sein eigener Feind. Setzt er zu einem Check an, kann ein Schiedsrichter selten von einem richtigen Check oder von einem Ellbogencheck oder einem hohen Stock unterscheiden und Chara bekommt deshalb viel Strafen aufgebrummt, welche eigentlich keine sind. Aber auch die anderen Verteidiger sind nicht zu unterschätzen. Sie spielen präzise und schnelle Pässe aus dem Drittel und kreieren so die besten Chancen für Ihre Stürmer. Schnell und präzise wird auch vor dem Tor aufgeräumt und der Slot verteidigt. Im Boxplay ist kaum ein durchkommen und die aggressive Verteidigung lässt dem angreifenden Team kaum Zeit zum Aufbau des Powerplays zu. Die Schweizer sollten schauen, dass die Slowaken nicht zu Konterchancen in Unterzahl kommen. Auch hier sind sie sehr gefährlich und mit direktem Zug auf das Tor. Bei den Schweizern ist somit viel Geduld gefragt und das hoffen auf einen Torhüterfehler.

Sturm

Der Sturm der Slowaken ist bestens mit NHL–Spielern bestückt. Diese beherrschen das laufen lassen und die Kontrolle der Scheibe. Zuweilen erscheinen sie auch etwas puckverliebt und spielen lieber noch einmal einen Pass als den direkten Abschluss zu suchen. Zudem verfügen die Slowaken über ausgezeichnete Konterspieler, welche das Spiel gut lesen und dadurch gefährliche Torchancen kreieren können. Dazu werden sie mit schnellen und genauen Pässen von den Verteidigern auf die Reise geschickt und sind dann kaum von der Scheibe zu trennen. Auch den Körper setzen die Slowaken, im Gegensatz zu früheren Jahren, konsequenter und härter ein. Stockteschnisch und auch läuferisch ist es eine Augenweide ihnen zu zusehen. Die Schweizer müssen sich also mehrheitlich auf defensive Aufgaben beschränken und mit viel Geduld spielen. Des Weiteren sollten sie sich nicht dazu verleiten lassen, zu viele Strafen zu bekommen, laufen sie doch ansonsten in Gefahr, im Boxplay überfordert zu sein.

Trainer

Was kann man noch über Frantisek Hossa sagen? Wer die internationale Eishockeyszene verfolgt, der kennt ihn bestens. Der an der Bande temperamentvolle Coach weiss, was er mit seiner Mannschaft erreichen will. Wer nicht spurt, der riskiert eine Abfuhr mit Worten. Doch neben dem Eis wirkt er fast ruhig und freundlich. Manchmal gemahnt er einem an einen Vater, der seinen Zöglingen die Fehler rasch verzeiht.

Spielsystem

Die Slowaken spielen eine Mischung aus kanadischem Power- und Tempo-Hockey, gepaart mit einer, für ehemalige Ostblockländer typischem, filigran technischen Stockhandhabung. 1 zu 1 sind sie kaum auszuspielen und auch bei Angriffen mit einer Übermacht von ein oder zwei Spielern, ist die Endstation meistens der Verteidiger oder der Torwart. Die Schweizer müssen als Mannschaft über die ganze Spieldauer mit viel Geduld, viel Leidenschaft und mit einer Prise Cleverness auftreten. Dann stellt sich nicht die Frage wer als Sieger vom Platz geht, sondern, ob das Unentschieden so lange wie möglich gehalten werden kann. Keine leichte Aufgabe für die Krüger-Boys, dennoch ist sie, wenn die Tagesform stimmt, lösbar.


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