Schweiz siegt im Nachbarschafts-Spektakel

Von Martin Merk

Es war eine Partie mit Höhen und Tiefen, zuerst mit Kampf und Krampf, und später mit einem offenen Schlagabtausch. Die über 6000 Fans in Krefeld bekamen etwas fürs Geld. Am Schluss gewann die Schweiz 4:3 nach Verlängerung. Pius Suter war schon davor der Mann des Spiels und traf eine halbe Sekunde vor Ablauf der Verlängerung zum Sieg!

Die Partie glich aus Schweizer Sicht ein bisschen jener vom Donnerstag. Die Deutschen hatten zu Beginn mehr vom Spiel und gingen – im Gegensatz zu den Slowaken vor zwei Tagen – auch verdient in Führung. Die Schweizer mussten damit erstmals einem Rückstand hinterherlaufen, doch sie steigerten sich im Spielverlauf. Ab dem Schlussdrittel war es ein offener Schlagabtausch mit guten Chancen, keinen Strafen und mit knappem Ausgang zu Gunsten der Schweizer.

„Es war ein spezielles Spiel. Wir probierten etwas aus, wollten sie stark unter Druck setzen, auch wenn wir es zuwenig gemacht haben am Anfang. Was eindrücklich war, ist, dass als sie am Schluss Druck machten und in Führung gingen, es doch geschafft haben. Und dass wir relativ wenig Chancen dafür benötigten“, sagte der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer.

„Gegen Deutschlanld zu spielen, ist immer noch sehr speziell, sie sind unser grosser Nachbar. Dass wir sie letztes Jahr packten und es erneut schafften, ist toll. Es war ein Spiel um 13 Uhr mit volles Haus, es macht Spass so, es war ein guter Nachmitag für die Spieler.“

Pius Suter schoss in letzter Sekunde seinen zweiten Treffer. Noah Rod gab den Pass und er rannte begleitet von Dominik Egli zum Tor. Gut, dass er nicht passte, denn es sollte die letzte Sekunde anbrechen. Egli sorgte für Zusatzfokus beim Gegner und Suter konnte eine halbe Sekunde vor der Sirene das Siegestor erzielen.

„Der Noah machte einen super Play hinten, schlug zwei, legte den Puck hin. Ich rannte mit der letzten Kraft nach vorne, wusste nicht, wieviel Zeit noch blieb, und war einfach froh, dass wir gewonnen haben“, sagte Suter nach dem Spiel. „Wir konnten den Schaden in Grenzen halten, als sie aufkamen, und kamen dann besser ins Spiel. Sie versuchten sehr hart zu spielen, es ist eine gewisse Rivalität vorhanden. Wir kennen sie seit der U16 und es sind immer ungefähr dieselben Jungs. Sie schenkten uns nichts.“

Das Spiel begann zu Gunsten der Gastgeber. Nach zwei Minuten hatte Deutschland das erste Powerplay und nutzte es kurz vor Ablauf auch aus. Frederik Tiffels bezwang einen Joren van Pottelberghe mit verdeckter Sicht zur Führung nach knapp vier Minuten Spielzeit.

Auf der anderen Seite standen die Schweizer ihrem Gegner im Kreieren von Tormöglichkeiten zwar in nichts nach, hatten aber weder bei fünf gegen fünf noch in Überzahl Glück vor Niklas Treutles Tor. Ansonsten? Ein typisches Duell dieser Nachbarn auf der Europakarte und der Weltrangliste, die es im letzten Kalenderjahr jeweils sensationell zu Silber bei der WM beziehungsweise den Olympischen Winterspielen schafften. Kampf, Krampf und manchmal kleine Gehässigkeiten prägten den Spielbeginn.

Ins Mitteldrittel startete die Schweiz in Unterzahl, doch kaum war diese vorüber, hatte Raphael Prassl die grosse Chance mit einem Alleingang. Auch Jason Fuchs hatte bei Spielmitte im Powerplay eine gute Chance, als er an den Deutschen wie im Slalom vorbeifuhr, jedoch im Abschluss nicht dieselbe Gefährlichkeit an den Tag brachte. Wenig später klappte es dann aber doch noch. Nach einem Pass in die Tiefe von Suter kam Thierry Bader vor dem Tor zum Abschluss, traf jedoch nur Treutles Schoner. Luca Fazzini brachte den Puck von hinter dem Tor jedoch zurück zum Slot, wo Rod zum Ausgleich in der 33. Minute traf.

Beide Nationen nutzten den Anlass um auch jüngere Spieler im Hinblick auf die WM zu testen, doch für Deutschland ging es vor heimischem Publikum natürlich auch um mehr. Die Deutschen traten in Krefeld mit einem Kader mit zehn Spielern mit 20 Länderspielen oder mehr an Erfahrung an, die Schweiz bloss mit zwei. Dass die Schweizer damit nicht unbedingt in der Favoritenrolle waren, konnte man sich daher denken, zumal die Deutschen auch bei Vollbesetzung die Schweiz in der Weltrangliste überholt hat und Siebter ist.

Im Schlussdrittel gingen die Schweizer erstmals in Führung als Suter einen Weitschuss von Dominik Egli nach 75 gespielten Sekunden ablenkte. Nun waren die Deutschen gefragt – und glichen sechs Minuten später aus. Van Pottelberghe vermochte einen Schuss von Daniel Fischbuch noch abzublocken, doch Daniel Pietta kam an die Scheibe um traf zum viel umjubelten Ausgleich.

Nun gaben die Deutschen den Takt an und in der 51. Minute kam Fischbuch erneut frei zum Schuss – und traf diesmal zur 3:2-Führung für die Deutschen. Doch als die Fans noch am Jubeln waren, sorgten die Schweizer für Action. Suter leitete Fazzini für einen schnellen Angriff ein. Pass zu Fuchs, zurück zu Fazzini und der Tessiner stellte den Ausgleich wieder her.

„Es ist wichtig, dass wir es schafften. Deutschland spielte vor einer vollen Eishalle. Wir mussten auch etwas physischer spielen, passten uns gut an und gewannen am Schluss. Wir haben Charakter gezeigt“, sagte Rod.

In der Verlängerung lief lange wenig bis Suter von Rod zu einem letzten Angriff lanciert wurde – und eine halbe Sekunde vor Ablauf traf! Es war sein zweites Tor neben einem Assist (offiziell durch eine Fehleingabe im Spielrapport sogar zwei Assists) – was für ein Nachmittag für den ZSC-Stürmer!

Deutschland – Schweiz 3:4 (1:0, 0:1, 2:2, 0:1) n.V.

Yayla Arena, Krefeld. – 6217 Zuschauer. – SR: Kohlmüller/Westhaus, Jürgens/Ponomarjow (alle D).

Tore: 3:51 Tiffels (Kastner, Kammerer / Ausschluss Le Coultre) 1:0. 32:09 Rod (Fazzini, Bader / Ausschluss Sezemsky) 1:1. 41:15 Suter (Egli, Paschoud) 1:2. 47:22 Pietta (Fischbuch, Noebels) 2:2. 51:13 Fischbuch (Pietta, Nowak) 3:2. 52:09 Fazzini (Fuchs, Suter) 3:3. 64:59 Suter (Rod, Egli) 3:4.

Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Deutschland, 5-mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Torschüsse: 33:33 (11:8, 9:13, 11:9, 2:3)

Deutschland: Treutle (Ersatz: Reich); Nowak, Ebner; Wagner, Sezemsky; Ugbekile, Müller; Bittner, Brandt; Fischbuch, Pietta, Noebels; Tiffels, Kastner, Kammerer; Oblinger, Schütz, Dumont; Wolgemuth, Eder, Daubner.

Schweiz: Van Pottelberghe (Ersatza: Nyffeler); Egli, Paschoud; Rathgeb, Karrer; Kreis, Glauser; Le Coultre, Heldner; Fazzini, Fuchs, Suter; Moy, Prassl, Rod; Bertaggia, Müller, Simion; Maillard, Bader, Jäger.

Bemerkungen: 58:36 Time-out Schweiz.

09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Noah Rod (Schweiz, 2. von links) jubelt bei seimen t das Tor zum 1:1. Im Bild noch von links: Thierry Bader (Schweiz), Andreas Eder (Deutschland),Torhüter Niklas Treutle (Deutschland), Felix Schütz (Deutschland) und Pius Suter (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Yayla Arena vor dem Spiel.
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Noah Rod (Schweiz) gegen Simon Sezemsky (Deutschland) und Torhüter Niklas Treutle (Deutschland).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Simon Sezemsky (Deutschland) gegen Ken Jäger (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Pius Suter (Schweiz). Im Bild noch Colin Ugbekile (Deutschland, unten) und Felix Schütz (Deutschland, oben).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Alessio Bertaggia (Schweiz) wir mit 2 + 2 Minuten beschtraft. Im Bild noch Claude-Curdin Paschoud (Schweiz) und Dominik Egli (Schweiz, rechts).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Noah Rod (Schweiz, 2. von links) schiesst das Tor zum 1:1. Im Bild noch von links: Guillaume Maillard (Schweiz), Luca Fazzini (Schweiz), Torhüter Niklas Treutle (Deutschland), Marcel Brandt (Deutschland), Felix Schütz (Deutschland), Fabio Wagner (Deutschland) und Pius Suter (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Ken Jäger (Schweiz) gegen Torhüter Niklas Treutle (Deutschland) und Colin Ugbekile (Deutschland).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Schuss von Raphael Prassl (Schweiz) gegen Simon Sezemsky (Deutschland).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Deutschland feiert das Tor zum 3-2 mit Marcel Noebels (Deutschland, rechts) und Daniel Pietta (Deutschland). Unten Noah Rod (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Jubel beim Tor zum 3:3 von Luca Fazzini (Schweiz). Von links: Pius Suter (Schweiz), Luca Fazzini (Schweiz), Jason Fuchs (Schweiz), Simon Le Coultre (Schweiz) und Fabian Heldner (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Pius Suter (Schweiz) beim Schuss zum Siegestor in der Verlängerung. Im Bild noch Daniel Pietta (Deutschland).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Pius Suter (Schweiz, oben) beim Schuss zum Siegestor in der Verlängerung. Im Bild noch Daniel Pietta (Deutschland), Torhüter Niklas Treutle (Deutschland) und Dominik Egli (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Pius Suter (Schweiz) beim Siegestor in der Verlängerung. Im Bild noch Daniel Pietta (Deutschland) und Dominik Egli (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Pius Suter (Schweiz) und Noah Rod (Schweiz, rechts) beim Siegestor in der Verlängerung. Hinten Dominik Egli (Schweiz).
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz,
09.11.2019, Krefeld, Yayla Arena, DCUP: Deutschland - Schweiz, Jubel bei der Schweiz nach dem Tor in der Verlängerung.
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