Fokussierte Slowaken kosten die Schweiz die Turnierführung

Von Julia Obst

Die Schweizer zeigten zum Finaltag in Augsburg eine desolate Leistung gegen die Slowakei und verlor 4:0. Besonders negativ eine unübersichtliche Situation am Ende des zweiten Drittels auf, als Simon Moser gleich mit zwei Spieldauerdisziplinarstrafen vom Eis ging.

Am letzten Tag des Deutschland Cups starteten als erstes die Slowakei gegen die Schweiz. Diesmal war es der slowakische Trainer Zdeno Ciger, der nach dem Debakel vom Vortag seine Mannschaft umstellte. Vor allem zählte er diesmal von Anfang an auf Michal Dzubina im Tor. John Fust wechselte lediglich im Tor wieder von Sandro Zurkirchen auf Benjamin Conz.. Julian Walker kehrte anders als erwartet nicht ins Team zurück. In diesem Spiel hatte Robin Grossman die Rolle als Captain für die Schweiz inne. Ein Blick in die Turniertabelle verriet, die Schweiz auf Platz zwei hinter den USA, die Slowakei bisher ohne Sieg hinter Deutschland auf dem letzten Platz. Für die Schweiz ging es also um den Turniersieg, allerdings war sie da auch abhängig von Team Deutschland.

Slowakei schockte Schweizer

Man erwartete als kämpferische Schweizer. Ob dazu zählte nach 45 Sekunden in Unterzahl zu geraten sei dahin gestellt. Und es brannte sofort um Conz. Innerhalb von Sekunden musste er drei Grosschancen der Slowaken abwehren. Dies meisterte er aber mit Bravour. Die Schweiz überstand die erste Unterzahlsituation unbeschadet. Im Gegensatz zum Vortag waren die Slowaken aber präsent. Tomas Zigos Schuss nach drei Minuten knapp am Tor vorbei wäre für Conz unhaltbar gewesen. Aber auch die Schweiz kam zu Möglichkeiten. Vincent Praplans Schuss war hart, traf Dzubina aber nur in der Körpermitte. Derweil nervten sich die Fans immer mehr ab der Face Offs, die immer wieder wiederholt werden mussten. Dies zeichnete sich über den Turnierverlauf immer mehr ab. Nach elf gespielten Minuten traf Andrej Stastny dann zur 1:0 Führung. Ärgerlich für die Schweiz, denn der Linesman hatte zuvor ein Offside übersehen. Bis Drittelsende ereignete sich nicht mehr viel. Die Schweiz hatte im Vergleich zu den ersten zwei Spielen des Turniers an Antrieb eingebüsst. Mit einem nicht gerechtfertigtem Tor für die Slowakei ging es 1:0 in die Pause.

Strafenflut im zweiten Drittel

Diesmal waren es die Slowaken, die schon nach wenigen Sekunden eine Strafe kassierten. Aber da das Powerplay der Schweizer an diesem Tag nicht auf der Höhe war, konnte sich Michal Hlinka befreien und auf Conz stürmen. Ein Abschluss gelang ihm dennoch nicht. Stattdessen übernahmen die Schweizer wieder und Lukas Frick konterte gegen Dzubina. Wenig später gerieten Torschütze Stastny und Alessandro Chiesa vor dem Schweizer Tor aneinander, wofür der Tessiner in die Box wanderte. Marcinko nutzte dies auch direkt, um die Führung zu einem 2:0 auszubauen. Die nächsten beiden Strafen gegen Romain Loeffel und Mike Künzle können übersprungen werden. Was nämlich vor kurz vor dem Ende des zweiten Drittels passierte war ein echter Tiefpunkt. Nicht, dass die Schweizer schon mit zwei Toren im Rückstand waren. Nein, Simon Moser verlor auch noch komplett die Nerven und jeglichen Anstand. Er checkte Martin Reway Kopf voran in die Bande und hakte dann noch unsportlich nach. Das brachte ihm ganze zwei Spieldauerdisziplinarstrafen ein. Diese Bestrafung ist selten und überaus hart, aber Danny Kurmann bestätigte die Richtigkeit umgehend. Damit war der Titel für die Schweiz vermutlich weg.

Zwölf Minuten am Stück in Unterzahl

Das Team von Fust startete also ins letzte Drittel mit einer zehnminütigen Strafe, die Phil Baltisberger für Moser absitzen musste. Zu allem Übel flog auch noch Gregory Hofmann vom Eis. Und wie zu erwarten führte dies zum 3:0 durch Vladimir Dravecky. 46 Minuten waren gespielt, als das Torgestänge Conz retten musste. Er konnte die Scheibe nicht selber unter Kontrolle bringen. Und dann wurde es eng auf der Schweizer Strafbank. Inti Pestoni bekam eine Strafe wegen Stockschlags und Grossmann musste einen Wechselfehler absitzen. Der Vollständigkeit sei gesagt, auch die Slowaken wurden um einen Mann dezimiert. Zwei Minuten gegen Marek Bartanus. Damit hatte das Chaos aber noch lange kein Ende. Selbst für die Stadiontechnik waren die Strafen zu viel und sie setzte aus. Verbleibende Strafminuten würde nun über den Stadionsprecher bekannt gegeben. Ganz die alte Schule. Und da immer noch ein Powerplay im Gange war, wurde Pestoni am zurückkommen gehindert. Dann nach zwölf Minuten im letzten Drittel waren die Schweizer endlich wieder komplett. Das half aber auch nicht mehr viel. In der 58. Minute reihte sich auch noch Eduard Sedivy in die Liste der Torschützen ein, als er zum 4:0 Endstand scorte.

Selbst nach dem Spiel war die Verwirrung noch gross. Etienne Froidevaux stellte fest, dass er sowas noch nicht erlebt hatte. Zwei Spieldauerdisziplinarstrafen gegen einen Spieler in einem Spiel waren auch ihm neu. Mit der Leistung des Teams war allerdings auch er nicht zufrieden. Man sei müde gewesen und daher mental nicht gut vorbereitet. Aber ob das in einem Spiel um den Turniersieg zählt, ist fraglich.

Froidevaux selber ist dennoch stolz, im mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust auflaufen zu dürfen. Es sei ihm eine Ehre, die Schweiz an internationalen Turnieren zu vertreten. Positiv erwähnte er ausserdem seinen Kollegen Gregory Hofmann. Er hätte sich am Deutschland Cup sehr hervorgetan und überzeugt.

Statistik

Torschüsse (9:8; 6:8; 7:9)

Strafen (4:4; 4:56; 6:6)

Best Player Slowakei:Martin Reway

Best Player Schweiz:Lukas Frick

Aufstellung

Slowakei Dzubina (Ersatz: Baros); Daloga, Kotvan; Janosik, Stajnoch; Luza, Sedivy; Jurcina, Zigo; Dravecky, Bartanus, Marcinko; Kukumberg, Miklik, Lusnak; Reway, Stastny, Skalicky; Preisinger, Hrnka, Hlinka

Schweiz Conz (Ersatz: Zurkirchen); Loeffel, Leeger; Chiesa, Grossmann; Frick, Stoop; Baltisberger, Künzle; Cunti, Suri, Martschini; Praplan, Moser, Mottet; Hofmann, Pestoni, Froidevaux; Lammer, Fuchs

Milan Jurcina (68), Etienne Froidevaux (40) und Eduard Sedivy (12)
Robin Grossmann (77)
Michal Dzubina (31)
Gregory Hofmann (15)
Killian Mottet (97)
Headcoach John Fust
Lukas Frick (38)
Alessandro Chiesa (2) und Pavol Skalcky (82)
Benjamin Conz (50) erneut geschlagen
Glück für Benjamin Conz (50)
© Christoph Perren

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Sonntag, 8. November 2015

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