Russen verteidigen Deutschland Cup

Von Martin Merk

Die Schweiz verpasste den erstmaligen Gewinn des Deutschland Cups seit 2007. Gegen Russlands zweite Garde gaben die Schweizer eine 2:1-Führung nach dem ersten Drittel aus der Hand und verloren 2:4, womit die Russen den Titel verteidigten. Die Schweizer beenden das Turnier auf dem zweiten Platz – die beste Klassierung seit 2014.

Roger Karrer und Christoph Bertschy brauchten die Schweizer im ersten Drittel mit ihren ersten Länderspieltoren in Führung, doch nach Spielhälfe schien ihnen der Schnauf auszugehen.

«Wir hätten gerne gewinnen wollen. Ich hätte es den Spielern gegönnt; sie haben die ganze Woche hart gearbeitet, zeigten am Donnerstag und gestern gute Spiele. Wir hatten heute 6:1-Torchancen gegen die Russen und brachen ein», sagte der Nationaltrainer Patrick Fischer nach dem Spiel.

Die beiden Verteidiger Michael Fora und Christian Marti sowie der Stürmer Samuel Walser waren angeschlagen, hoffen aber am Dienstag in der National League wieder spielen zu können. Die Zuger Lino Martschini und Dario Simion wurden geschont, weil sie ansonsten inklusive Champions Hockey League auf vier Spiele in sechs Tagen gekommen wäre. Im Gegensatz zu den Russen starteten die Schweizer damit mit nur drei kompletten Linien.

«Wir wussten, dass es gegen Ende Woche eng werden könnte. Wir wollten Spielern, welche in der Champions Hockey League spielten, hier nicht mehr als zwei Spiele [beim Deutschland Cup] geben. Wir mussten hoffen, dass wir nicht zu viele Spieler verloren, doch danach ging uns die Kraft aus», so Fischer.

Erstmals in der Neuzeit trat die Schweiz offiziell gegen eine B-Auswahl Russlands an. Die «Olimpijskaja Sbornaja», wie sie in Russland genannt wird, wurde vor Sotschi 2014 als alte Tradition wiederbelebt und gilt als Sichtungsteam für Olympische Spiele. Da sie letztes Jahr den Deutschland Cup gewann, durfte sie keineswegs unterschätzt werden.

Zum Start landete Bertschy nach 34 Sekunden wegen eines Kniechecks auf der Strafbank und die Russen schlugen darauf Kapital. Danil Ilin lenkte vor Gilles Senns Tor einen Weitschuss von Rushan Rafikov zum Führungstreffer hoch ins Netz. Doch die Schweiz blieb dran und revanchierte sich ihrerseits im ersten Powerplay. Als Andrei Svetlakov wegen Stockschlags raus musste, trafen die Schweizer bereits nach sieben Sekunden. Zuerst vermochten die Russen das Schweizer Gewitter abzuwehren, doch als es unübersichtlich vor ihrem Tor wurde traf Roger Karrer mit einem Nachschuss aus dem Gewühl erstmals für die Herren-Nationalmannschaft.

«Es war ein hartes Spiel, wir kämpften gut. Vielleicht war das Glück auf ihrer Seite und sie hatten mehr Kraft am Schluss. Nach dem zweiten Drittel spielten wir nur mit fünf Verteidigern nachdem Heldner unter die Dusche geschickt wurde, aber das ist keine Ausrede», bilanziert Karrer das Spiel.

Es blieb jedoch spannend, denn die Russen hatten die nächste grössere Chance und schaffen es sich gefährlich freizuspielen. Pavel Padakin wurde bei einem Alleingang leicht zurückgehalten – Penaltyschuss! Doch Senn hielt gegen Konstantin Okulov dicht.

Zweieinhalb Minuten später erzielten die Schweizer den ersten Treffer bei fünf gegen fünf. Samuel Kreis überliess nach der blauen den Puck Bertschy, der mit einem satten Schuss aus rund elf Metern an zwei Gegenspielern vorbei links ins hohe Eck traf. Der sehr aktiven Bertschy war mit einem Tor und vier Assists der Topscorer der Schweizer und vor dem letzten Spiel auch des Turniers.

Die Schweizer versuchten die russische Spielfreude mit Härte zu bekämpfen. Die Aggressivität stieg im Mitteldrittel auf beiden Seiten. Danil Ilin etwa musste für einen Check gegen den Kopf für zwei plus 10 Minuten auf die Bank. Später schien sich Svetlakov am Kopf verletzt zu haben (er spielte aber bald wieder), sein Kontrahent Fabien Heldner wurde von den Schiedsrichtern ebenso unter die Dusche geschickt wie Pavel Padakin, der eine Schlägerei startete. Fischer musste damit mit nur noch fünf Verteidigern agieren und war gar nicht glücklich über die Strafe für was er als konformen Open-Ice-Hit bezeichnete.

Nachdem die Gemüter etwas abgekühlt waren trafen die Russen nach 14 Sekunden. Der Verteidiger Artyom Zemchyonok konnte sich freispielen und bezwang Senn aus nächster Nähe zwischen den Schonern zum 2:2-Ausgleich.

Das Schlussdrittel begann mit einem Alleingang von Nikolai Prokhorkin, der bei Senn endete. Die Russen waren immer gut für schnelle Angriffe.

«Es ist ein hoher Rhythmus. Man muss einfach spielen und nicht viel überlegen und darf ihnen nicht viel Chancen geben, da sie gute Einzelspieler sind», sagte der Verteidiger Andrea Glauser, der sich allgemein glücklich über den Deutschland Cup zeigte. «Für die Schweiz zu spielen ist das Schönste, das es gibt. Man muss es geniessen.»

Geniessen konnten das Spiel auch die Russen, welche im Schlussdrittel frischer wirkten und das Spiel für sich entschieden. Mit einem Powerplay-Treffer gingen sie in der 44. Minute durch einen Weitschuss Roman Abrosimovs in Führung. Die Schweizer liessen ihrerseits Powerplay-Zeit ungenutzt während Dmitri Yudin nach einem Abpraller auf 4:2 erhöhte. Noch etwas über acht Minuten waren zu spielen und Patrick Fischer nahm sein Time-out. Doch die Tormöglichkeiten gab es vor allem auf russischer Seite. Als die Schweizer eineinhalb Minuten vor Schluss den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzen, waren die Russen zweimal nahe am fünften Tor. Am Schluss blieb es beim 4:2-Sieg für die Russen, welche die neu gestaltete Trophäe des Deutschland Cups überreicht erhielten.

Schweiz – Russland B 2:4 (2:1, 0:1, 0:2)

Königpalast, Krefeld. – 3665 Zuschauer. – SR: Bauer (D) / Schrader (D), Klima (D) / Laguzov (D).

Tore: 2:11 Ilin (Rafikov, Kayumov / Ausschluss Bertschy) 0:1. 11:54 Karrer (Riat / Ausschluss Svetlakov) 1:1. 17:05 Bertschy (Kreis) 2:1. 31:16 Zemchyonok (Tkachyov / Ausschlüsse Heldner; Padakin) 2:2. 43:20 Abrosimov (Tkachyov, Prokhorkin / Ausschluss Riat) 2:3. 51:38 Yudin (Prokhorkin, Rafikov / Ausschlüsse Riat; Tkachyov) 2:4.

Strafen: 7-mal 2 plus 5 Minuten und Spieldauer-Disziplinarstrafe (Heldner) gegen die Schweiz, 4-mal 2 plus 10 (Ilin) plus 5 Minuten und Spieldauer-Disziplinarstrafe (Padakin) gegen Russland.

Torschüsse: 27:40 (10:14, 10:10, 7:16)

Schweiz: Senn (Ersatz: Flüeler); Karrer, Frick; Glauser, Kreis; Heldner, Paschoud; Riat, Fuchs, Pestoni; Bertschy, Rod, Bachofner; Mottet, Richard, Herren; Albrecht, Miranda.

Russland: Bobkov (Ersatz: Demchenko); Zemchyonok, Abrosimov; Demidov, Isayev; Rafikov, Yudin; Yermakov, Sharipzyanov; Chibsov, Prokhorkin, Tkachyov; Okulov, Svetlakov, Padakin; Kayumov, Ilin, Kazakov; Manukyan, Maltsev, Mikhailov.

Bemerkungen: Schweiz ohne Fora, Marti, Walser (alle angeschlagen), Martschini und Simion (beide geschont). – 14:28 Okulov scheitert mit Penaltyschuss. – Time-outs: 51:38 Schweiz, 58:55 Russland. – 57:34 Tor von Russland aberkannt (vorher abgepfiffen). – Schweiz ab 58:26 ohne Torhüter und mit sechs Feldspielern.

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