Olympi-JA! Frauen-Nati nach PyeongChang!

Von Martin Merk

Der Kanton Graubünden mag zwar Nein zu den Olympischen Winterspielen gestimmt haben, doch für die Frauen-Nationalmannschaft gab es in Arosa ein Ja. Nach dem 4:1-Sieg im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Tschechien qualifizieren sich die Schweizerinnen für PyeongChang 2018 und werden dort in der „unteren“ Gruppe B mit Schweden, dem anderen Qualifikanten Japan und dem Gastgeber Südkorea starten und um einen Viertelfinalplatz gegen Teams wie Finnland und Russland kämpfen. Damit wird die Schweiz zum vierten Mal in Folge mit zwei Eishockey-Mannschaften an den Olympischen Winterspielen teilnehmen.

Es war von Beginn an die erwartet knappe Partie zwischen den letztmaligen Bronze-Gewinnerinnen und den in den letzten Jahren aufstrebenden Tschechinnen. Vorne machten das Powerplay und jene Stürmerinnen den Unterschied, die schon während des gesamten Turniers gut harmonierten. Alina Müller sorgte nach einem Rückstand im Startdrittel für den Ausgleich und den Treffer zum 3:1, Lara Stalder brachte davor die Schweiz mit ihrem siebten Treffer des Turniers in Führung und erzielte ihren achten Treffer zum Schluss ins leere Gehäuse.

„Am Anfang war es ein Krampf. Wir wissen, wie gut sie sind und waren sehr nervös. Es hat sich wieder gezeigt, dass unser Powerplay gut ist und die Spezialsituationen machen es manchmal aus. Es war eine super Teamleistung und nun gehen wir an die Olympiade“, sagte Stalder mit Erleichterung in ihrer Stimme. „Es war schon letztes Mal ein Traum dabei zu sein und ich hatte die ganze Zeit gehofft, dass es gut kommt. Es ist unglaublich. Es war cool es mit so vielen Fans in den Rücken zu schaffen und Flo [Schelling] hat super gehalten.“

30 Minuten ausgeglichen

Die beiden Teams starteten mit Hauruck-Hockey, flüssigem Spiel mit wenig Unterbrechungen, jedoch auch wenige Tormöglichkeiten ins Spiel.

In der 8. Minute hatte Anna Zikova die vielleicht grösste Chance der Anfangsphase, als sie während eines Powerplays aus wenigen Metern freie Schussbahn hatte, jedoch verzog. Erst in der 14. Minute musste Florence Schelling erstmals einen Puck fangen, in dieser Zeit hatten die Schweizerinnen vier Schüsse aufs Tor. Der 0:0-Zwischenstand entsprach dem Spielverlauf.

Dass mit Evelina Raselli eine Stürmerin des ersten Block ausschied, als an der Bande eine Gegenspielerin auswich und sie in die Bande stürzte, half der Mission Olympia auch nicht besonders, immerhin konnte sie fürs Mitteldrittel aber wieder zurückkehren.

Die Tschechinnen hatten mehr Glück bei einem Angriff zwei Minuten vor Drittelsende. Katerina Mrazova durchlief die Schweizer Abwehr und scheiterte zweimal an Florence Schelling, doch Aneta Ledlova verwertete einen Abpraller zum Führungstreffer für die Gäste. Am Schluss mussten die Schweizerinnen nach zwei Strafen und doppelter Unterzahl in der letzten Minute froh sein, dass sie mit nur einem Tor Rückstand ins Mitteldrittel gingen und dort die Strafen unbeschadet überstanden.

„Ich hatte nicht sehr viel mehr zu tun als in den anderen Spielen, aber für uns war es mental schon härter, weil Olympia auf dem Spiel stand“, sagte Schelling, die zur besten Schweizerin der Partie und zur besten Torhüterin des Qualifikationsturniers gewählt wurde.

Schelling und Bullo könnten nun zum vierten Mal an die Olympischen Spiele gehen. Sind sie fit, scheinen beide gesetzt.

„Ich machte mir nie gedanken, wie oft ich an die Olympischen Spiele gehen würde, aber es war immer ein Traum zu gehen. Jetzt ist es umso präsenter“, sagte Schelling. „Jetzt möchte ich hart trainieren, dass ich es auch in die Mannschaft mache, die an Olympia geht.“

Wende im Mitteldrittel

Im Mitteldrittel liessen die Schweizerinnen ihre Gegnerinnen kaum zu Chancen kommen und drehten vor allem ab der zweiten Drittelshälfte auf. In der 31. Minute hatte Stalder die bislang grösste Schweizer Chance des Spiels, doch der Abwehrriegel der Tschechinnen war eng, ihre Spielweise aggressiv. Für die Hattrick-Schützin der beiden anderen Spielen gab es wie auch für ihre Teamkolleginen bei fünf gegen fünf oftmals kein Durchkommen.

Ein Powerplay brachte den Schweizerinnen in der 35. Minute die Erlösung. Die Tschechinnen wehrten sich zwar vor dem Tor wortwörtlich mit Fäusten und Füssen, doch zwei Sekunden nach Ablauf der Strafe fand Müller mit ihrem Schuss aus schiefem Winkel von rechts die Lücke zum Ausgleich und liess die 1342 Zuschauern, die in der kleinen Halle für eine Heimatmosphäre sorgten, erstmals jubeln.

In den Schlussminuten des Mitteldrittels kam es nochmals zu Überzahlsituationen. Zuerst weil Nina Waidacher unnötig der tschechischen Torhüterin Klara Peslarova in die Beine fuhr, danach weil die Tschechinnen in Überzahl zuviele Spielerinnen auf dem Eis hatten. Die erfolgreiche zweite Linie stach dabei erneut zu. Diesmal mit Müller als Passgeberin zu Stalder, welche von der blauen Linie aus den Puck zur 2:1-Führung ins Gehäuse hämmerte.

„Wir gaben alles, sind müde und glücklich, dass es nun auf diese Art zu Ende ging. Ich bin so glücklich, dass nun jede im Team an den Olympischen Winterspielen teilnehmen kann, wo wir hoffentlich wieder erfolgreich sein werden“, sagte Müller nach dem Spiel.

„Wir hatten viele Strafen und sie auch, hatten das Glück, dass wir im Powerplay trafen und sie nicht. Wir haben gekämpft, unsere Linie war viel auf dem Eis, nun sind wir recht fertig.“

Im Schlussdrittel gerieten die Schweizerinnen zeitweise unter Druck, doch ihr erstes Powerplay nutzte die Schweizer Formation wieder erfolgreich. Samantha Kolowratova hielt Sandra Thalmann zurück und nach nur 14 Sekunden war das Powerplay bereits vorüber. Christine Meier passte zu Müller an der roten Linie und schon wieder traf die bei den Novizen des EHC Kloten spielende Stürmerin von rechts aus spitzem Winkel, diesmal mit einem präzisen Handgelenkschuss unter die Lattenkante. Es war das 3:1 in der 50. Minute.

Die Tschechinnen mussten nun reagieren und hatten einen kurzen Hoffnungsschimmer als die Schiedsrichterinnen für einen ihrer Schüsse das Video konsultierten, doch der Schuss von Simona Studentova ging an die Latte. Die weiteren Bemühungen blieben erfolglos und Stalder erzielte ihr zweites Tor des Spiels in der Schlussminute ins leere Tor.

Zukunftsplanungen für PyeongChang

Für viele der Schweizer Nationalspielerinnen beginnen nun die Zukunftsplanungen jetzt wo sie wissen, dass die Schweiz in PyeongChang dabei ist. Für die zwischen Weltklasse und Amateurstatus spielenden Schweizerinnen ist es dabei nicht immer so einfach alles unter einen Hut zu bringen.

Etwa bei der zur besten Stürmerin gewählten Topscorerin Stalder ist die Zukunft noch offen. Von der Olympiaqualifikation hing es ab, ob sie voll auf Eishockey setzen wollte. „Jetzt ist der Fokus voll auf Olympia. Wo ich genau spiele, entscheide ich noch“, sagte sie. Ihre Karriere im College-Hockey geht nach vier Saisons bei der University of Minnesota-Duluth demnächst zu Ende. Die Profiliga NWHL, wo das Team Boston Pride sie gedraftet hat, schliesst sie nicht aus, denkt vor allem an Nordamerika.

Wie bei Stalder geht auch für Müller diese Saison ein Kapitel zu Ende, wenn die 18-Jährige aus Altersgründen nicht mehr bei den Elite Novizen beim EHC Kloten spielen darf. In der Schweizer Frauenliga wäre die Winterthurerin unterfordert. Um sich weiterzuentwickeln, bleibt wohl fast nur der Schritt ins Ausland oder eine neue Lösung im Männerhockey. Wo sie spielen wird, ist aber noch offen.

Schelling, unsere wertvollste Spielerin beim Bronze-Gewinn 2014 in Sotschi, wird in Linköping bleiben, wo sie bei einem der besten Teams Schwedens spielt. Mit einer Fangquote von 96,32 Prozent hat sie die beste Fangquote von den regelmässig eingesetzten Torhüterinnen.

In PyeongChang spielen die Schweizerinnen in der „unteren“ Gruppe B gegen Schweden, den anderen Qualifikanten Japan und den Gastgeber Südkorea um einen der beiden Plätze der Gruppe fürs Viertelfinale, wo Finnland oder Russland wahrscheinliche Gegner im Kampf um die Teilnahme zu den Medaillenspiele wären.

Bei der nächsten Frauen-WM im Plymouth (USA, 31.3.-7.4.), einem Vorort von Detroit, steht die Schweiz dieses Jahr vor einem ähnlichen Szenario, wobei die Gegner in der Grupp B Schweden, Tschechien und Deutschland sind.

Schweiz – Tschechien 4:1 (0:1, 2:0, 2:0)

Sport- und Kongresszentrum, Arosa. – 1342 Zuschauer. – SR: Allen (USA) / Ariano-Lortie (CAN), Johansson (SWE) / Linnek (D).

Tore: 17:57 Ledlova (Mrazova, Krizova) 0:1. 34:19 Müller (Stalder, Raselli) 1:1. 39:42 Stalder (Müller, Meier / Ausschluss Hymlarova) 2:1. 49:06 Müller (Meier, Stalder / Ausschluss Kolowratova) 3:1. 59:26 Stalder (Müller / ins leere Tor) 4:1.

Strafen: 8-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 6-mal 2 Minuten gegen Tschechien.

Schweiz: Schelling (Ersatz: Brändli); Bullo, Altmann; Forster, Meier; Zollinger, Benz; Staiger; Staenz; Raselli, Stiefel; Thalmann, Müller, Stalder; Nina Waidacher, Rüegg, Isabel Waidacher; Rüedi, Allemann.

Tschechien: Peslarova (Ersatz: Blahova); Tejralova, Zikova; Horalkova, Herzigova; Kolowratova, Zednikova; Skrdlova; Polenska, Hymlarova, Studentova; Krizova, Mrazova, Ledlova; Vanisova, Pejzlova, Pribylova; Povova, Manhartova.

Bemerkungen: Schweiz ohne Bolinger (3. Torhüterin). – 13:50 Raselli ausgeschieden, kehrte fürs Mitteldrittel wieder zurück. – 50:21 Lattenschuss Studentova. – 57:42 Time-out Tschechien. – Tschechien von 57:51 bis 58:29 und ab 58:45 ohne Torhüterin. – Schüsse aufs Tor: 21:20 (5:6, 12:2, 4:12).

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