Wie im Märchen: Schweizer kämpfen um WM-Gold
Schweiz
USA
Spielbericht
Das ist besser als jede Hollywood-Story: Die Schweiz wird morgen Sonntag gegen den Gastgeber Schweden um Weltmeisterschaftsgold kämpfen. Nach dem 3:0-Sieg über die Amerikaner stehen die Schweizer überraschend ohne Niederlage im Final.
Da staunt man nicht schlecht: Im Halbfinalspiel gegen die Amerikaner haben die Schweizer im ersten Abschnitt schlicht und einfach dominiert. Ja, man kann dank dem Schuss-aufs-Tor-Verhältnis von 18:9 nach einem Drittel sogar sagen es war Ein-Weg-Eishockey mit seltenem Auftauchen der Amerikaner vor Reto Berra. Die Schweiz hat nämlich von Beginn an ein enormes Tempo angeschlagen, den Gegner rasch unter Druck gesetzt und sich dadurch auch mehrfach im gegnerischen Drittel festgesetzt. Schon nach einer Minute konnte Julian Walker einen Lattenschuss verzeichnen, nach fünf Minuten scheiterte Nino Niederreiter überraschend alleine vor dem Tor. Einziger Minuspunkt war eine Strafe gegen Philippe Furrer, welche die Schweizer aber problemlos praktisch problemlos überstehen konnten. Während die ebenfalls überlegenen Schweizerfans bereits frenetisch sangen: „Die Nummer eins der Welt sind wir“, fehlte in einem starken Startdrittel der Eisgenossen eigentlich nur ein Tor.
Der Traum hielt auch im zweiten Abschnitt bestand, wenn auch auf beiden Seiten die wirklich guten Torchancen weniger wurden. Der Druck der Schweizer hat so auch etwas abgenommen, dennoch hatten die Eisgenossen erneut die besseren Chancen und dadurch auch das Spiel unter Kontrolle. Nach einem Lattenschuss in der zweiten Drittelsminute und einem Powerplay war es dann endlich soweit. An der Bande eroberte Martin Plüss in der 31. Minute die Scheibe und spielte sie im gegnerischen Drittel quer auf Nino Niederreiter. Der Bündner fackelte nicht lange, nahm die Scheibe an und schoss sie via Torwarthandschuh in die gegnerischen Maschen zum 1:0. Die längst verdiente Führung war damit da und weiterhin waren die Schweizer etwas besser als ihr Gegenüber. Die eigentlich ach so kleine Schweiz hatte die Partie offensichtlich gegen das grosse Amerika im Griff.
Wer im letzten Abschnitt auf eine Antwort der Amerikaner gewartet hatte, der wartete vergebens. Die Schweizer hatten das Spiel fest im Griff und liessen von ihrem Gegner kaum Chancen zu. Dazu kam dass die eigentlichen Favoriten begannen, zu viele Strafen zu nehmen. Dort offenbarte sich hingegen der einzige Minuspunkt im Schweizerspiel: Trotz des besten Powerplays an diesem Turnier scheiterte man bei knapp sechs Minuten Überzahlspiel. Nur wenig als dann die letzte Möglichkeit beendet war, entstand aus der harten Arbeit doch noch Ertrag. Nach einem Bullygewinn ging es sofort nach vorne: Simon Moser bediente Julian Walker der alleine auf das gegnerische Tor zulief und mit einem Slapshot unter die Latte auf 2:0 erhöhen konnte. Kaum zu glauben aber wahr: Die Amerikaner fanden auch in der Folge kein Rezept um gegen die Schweizer anzukämpfen, aus Sicht der Schweizer schien schlicht und einfach alles nach Plan zu laufen. Selbst ohne Torwart gelang den Amerikanern nicht einmal der Anschlusstreffer. Reto Suri gelang schliesslich der Schlusspunkt in dieser Partie als er zum 3:0 ins leere Tor einschob und die Partie damit 19 Sekunden vor Schluss entschied.
„Das ist einfach unglaublich“, versuchte nach dem Spiel Martin Plüss diesen Erfolg in Worte zu beschreiben. „Wir haben ein ganz starkes erstes Drittel gezeigt. Wir haben aber gesehen, dass wenn die Amerikaner eine Chance erhielten, sie sehr direkt waren.“ Nach den zahlreichen Chancen sei es gelungen, die Geduld zu behalten und genau gleich weiter zu spielen. „Wir konnten den Druck hochhalten, weil wir mit vier Linien agieren konnten.“ Der Sieg haben die Schweizer sich verdient, ist sich Plüss sicher. „So wie wir spielen gehören wir an diesem Turnier wirklich unter die besten zwei.“
Schweiz – USA 3:0 (0:0, 1:0, 2:0)
Globe Arena. – 7136 Zuschauer. – SR: Brueggmann/Jerabek, Carlson/Suominen. – Tore: 31. Niederreiter (Plüss) 1:0. 51. Walker (Moser, Furrer) 2:0. 60. Suri (Niederreiter/aufs leere Tor) 3:0. – Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Schweiz. 4mal 2 Minuten gegen USA.
Schweiz: Berra; Vauclair, Seger; Blindenbacher, Furrer; Diaz, Josi; Von Gunten, Blum; Niederreiter, Plüss, Moser; Cunti, Bodenmann, Hollenstein; Ambühl, Suri, Gardner; Trachsler, Bieber, Walker.
USA: Gibson; Carle, Faulk; Johnson, Hunwick; Petry, Chris Butler; McBain, Trouba; Smith, Moss, Stastny; Stapleton, Galchenyuk, Oshie; Gionta, Carter, Thompson; Kristo, Bjugstad, Palushaj.
Bemerkungen: Schweiz ohne Bürgler, Grossmann, Monnet und Stephan (alle überzählig). USA ohne Bobby Butler, LeBlanc und Heeter. 1. Lattenschuss Walker. 22. Pfostenschuss Moser. 57:41-59:41 USA ohne Torwat zu Gunsten eines sechsten Feldspielers.
