„Jetzt wollen wir erst recht etwas reissen“
Schweiz
Tschechien
Spielbericht
Die Schweiz steht im Halbfinale! Nach dem erkämpften 2:1-Sieg im Viertelfinale über Tschechien ist die Schweiz dabei, seiner eigenen Hockeygeschichte eine neue Story hinzuzufügen. „Jetzt wollen wir erst recht etwas reissen“, sagt beispielsweise Philippe Furrer und Reto Suri doppelt nach: „Nach acht Siegen in Folge müssen uns die Amerikaner zuerst schlagen.“
Dass die Tschechen im Viertelfinal einiges besser waren als noch in der Gruppenphase, das zeigte sich rasch. Sie agierten deutlich agiler und schienen dadurch auch automatisch gefährlicher. So konnten sie zu Beginn des ersten Drittels die Schweiz sogar ein bisschen einschnüren und damit den besseren Start erwischen. Der Gruppensieger liess sich davon aber nicht verunsichern und spielte in der Defensive einerseits stabil, während mit schnellen Vorstössen auch immer wieder Abschlussmöglich generiert werden konnten. In der sechsten Minute blieb es aber nicht einmal nur bei der Möglichkeit. Nach einem Pass in die Spitze von Severin Blindenbacher auf Denis Hollenstein startete der zweitgenannte durch, preschte ins gegnerische Drittel und suchte rasch den Abschluss. Beim Abpraller kümmerte er sich gleich selber um die Arbeit, stocherte gegen Pavelec erfolgreich nach und bejubelte in der Folge das Führungstor im Viertelfinal gegen Tschechien. Ein bisschen kam dieses Tor aber schon entgegen dem Spielverlauf, denn obwohl die Schweizer zwei Schüsse mehr auf das gegnerische Tor abfeuern konnten, hatten sie insbesondere aufgrund von drei Strafen weniger von der Offensive als die Tschechen, die diese Möglichkeiten aber bis zum Ende des Abschnittes allesamt nicht ausnutzen konnten.
Im zweiten Abschnitt drehte sich eigentlich nur etwas: Die Strafenauslegung. Während die Schweiz drei Mal in Unterzahl agierte im ersten Abschnitt, war dies nun den Tschechen vergönnt. Damit gab es für den tabellarischen Aussenseiter aber ein Problem: Die Schweizer hatten mit einer Auswertung von satten 36 Prozent das beste Powerplay der Gruppenphase und dies erhielten die Tschechen beim zweiten Anlauf dann zu spüren. Nachdem Raphael Diaz eine Scheibe an der Bande ausgrub kam Roman Josi auf der anderen Seite via Ryan Gardner an die Scheibe. Der Offensivverteidiger flackerte nicht lange und hämmerte die Scheibe zum 2:0 in die Maschen. Auch wenn die Tschechen in den folgenden Minuten teilweise auf den Anschlusstreffer drängten und die Schweizer einschnürten, waren diese beinahe unbezwingbar. Mit einer soliden Defensivleistung und einem sicheren Rückhalten werten sie Angriffswelle für Angriffswelle ab. Bis sie gegen Schluss selber Druck entwickeln konnten und eine weitere Strafe herausholen konnten.
Die Strafe ging bis ins zweite Drittel hinüber, weshalb die Schweizer in Überzahl starten konnten. Genutzt hat es nichts, denn letztlich war es eine andere Strafe, welche die Spieldynamik nachhaltig veränderte. Nach einem Foul in der offensiven Zone musste Reto Suri auf die Strafbank und gab damit den Tschechen die Möglichkeit, zurück ins Spiel zu finden. Nach einem Plekanec-Schuss, einem Abpraller von Gerber und einem Nachschuss von Zdenek Kutlak stand es auf einmal 2:1. Damit begann schliesslich auch das grosse Zittern für die Schweizer Nati, die in der Folge mehrfach Mühe hatte, die Scheibe aus dem eigenen Drittel zu befreien. „Wir wurden etwas nervös nach dem 2:1 und haben auch da zu viele Strafen genommen. Da muss auch ich mich an der eigenen Nase nehmen“, beschrieb nach dem Spiel Reto Suri die Situation. Die Sekunden verstrichen aber und selbst in Überzahl und ohne Torwart gelang den Tschechen den Ausgleich im Schlussabschnitt nicht mehr. „Es war bis ganz zum Schluss ein Kampf. Wir haben nie daran gedacht, dass die Halbfinalqualifikation nahe wäre. Und letztlich hat vor allem unser Torwart ein unglaubliches Spiel abgeliefert“, sagte Philippe Furrer nach dem Spiel.
Die Schweiz hat es damit tatsächlich geschafft und mit viel Kampf und Einsatz das scheinbar übermächtige Tschechien aus dem Turnier zu kicken. „Sowas habe ich erst in der Juniorennationalmannschaft erleben können. Das ist wirklich super“, sagte Nino Niederreiter nach dem Spiel. „Nun müssen wir wohl zuerst einmal in die Garderobe gehen um das zu realisieren. Das ist ein unglaublich“, beschrieb Reto Suri. Für alle ist aber eines klar: „Das war eine super Teamleistung“, so der allgemeine Tenor, „wir hatten den besseren Teamspirit“, sagte beispielsweise Philippe Furrer.
Schweiz – Tschechien 2:1 (1:0, 1:0, 0:1)
Globe Arena. – 2237 Zuschauer. – SR: Olenin/Vinnerborg, Dahmen/Scharder. – Tore: 6. Hollenstein (Blindenbacher, Suri) 1:0. 34. Josi (Gardner, Diaz/Ausschluss Hubacek) 2:0. 46. Kutlak (Plekanec, Voracek/Ausschluss Suri) 2:1. – Strafen: 6mal 2 Minuten gegen Schweiz. 3mal 2 Minuten gegen Tschechien.
Schweiz: Gerber; Vauclair, Seger; Blindenbacher, Furrer; von Gunten, Josi; Diaz; Niederreiter, Plüss, Moser; Cunti, Bodenmann, Hollenstein; Ambühl, Suri, Gardner; Trachsler, Bieber, Walker; Monnet.
Tschechien: Pavelec; Caslava, Zidlicky; Michalek, Smid; Hejda, Nakladal; Kutlkak; Fleischmann, Tlusty, Plekanec; Hudler, Hertl, Voracek; Vrbata, Hanzal, Koukal; Novotny, Irgl, Tenkrat; Hubacek.
Bemerkungen: Schweiz ohne Blum, Bürgler, Grossmann und Stephan (alle überzählig). Tschechien ohne Kovar, Salak und Vrana. 58:52-60:00 Tschechien ohne Torwart zu Gunsten eines sechsten Feldspielers.
