Das ist einfach nur geil!

Von Leroy Ryser
Schweiz
5
1 - 1 - 3
Tschechien
2
0 - 2 - 0
06.05.2013
A-Nationalmannschaft
1:0‧1:2‧3:0
Spielbericht

Die Hockeywelt steht Kopf, das Schweizer Eishockeymärchen geht weiter! Nach Schweden und Kanada besiegen die Schweizer auch die Tschechen mit 5:2.

Nach nur einem Drittel konnte man bereits sagen: Das Märchen geht weiter! Denn zu diesem Zeitpunkt war es zwar nicht egal, welcher Ausgang die Partie nahm, aber erneut zeigten die Schweizer eine sehr ansprechende Leistung und verblüfften die anwesenden Zuschauer. Denn nicht das grossgehandelte Tschechien brillierte gegen die kleine Nation Schweiz. Erneut konnten dies die Eisgenossen mit diszipliniertem Defensivspiel und effizientem offensivem Auftreten verhindern. Mit dem Selbstbewusstsein aus den letzten Siegen und einer überraschend hohen Spritzigkeit obwohl sie gestern bereits ein Spiel absolvierten traten die Herren mit dem weissen Kreuz frech und ehrgeizig gegen die Tschechen an. Als sie dann in Überzahl sogar für ihre Anstrengungen und Mühen belohnt wurden, kam erstmals wirklich ernsthaft die Frage auf, wie weit kann das noch gehen? Josi löste dabei den Angriff aus, Gardner, der über rechts lief, bediente in der Mitte den freistehenden Ambühl, der kaltblütig und direkt gegen Salak zum Drittelsresultat von 1:0 einschob.

Daran änderte sich auch im zweiten Abschnitt nicht viel. Die Tschechen schienen rat- und indeenlos, während die Schweizer das Offensivspiel nun sogar diktieren und dominieren konnten. Nur wenig nach einer weiteren Powerplaysituation wurde es erneut gefährlich, als Ryan Gardner einen aufbauenden Pass eines Tschechen abfangen konnte. Martin Plüss bediente schliesslich Nino Niederreiter, der im zweiten Anlauf auf 2:0 erhöhte. Bei der darauffolgenden Werbepause wusste dann nicht einmal mehr der Tschechische Trainer Alois Hadamczik, was er seinen Spielern raten sollte.

Im zweiten Teil des Mittelabschnittes waren es dann die Tschechen, welche Druck ausübten und auf eine Reaktion auf die beiden Gegentore drängten. Das Anrennen brachte sie aber eher zum Verzweifeln, als denn zum Jubeln. Reto Berra leistete nämlich genau gleich wie zwei Spiele zuvor Martin Gerber tadellose Arbeit und blockierte Scheibe für Scheibe. Erst in Überzahl nach dem vierten Weitschussversuch der Tschechen musste sich der ehemalige Biel-Torwart geschlagen geben und das 1:2 von Jiri Hudler hinnehmen, wobei die Strafe, die gegen Martin Plüss ausgesprochen wurde, sehr fraglich gewesen war. Fortan blieben die Tschechen hartnäckig in der Offensive und Berra schien etwas unsicherer zu werden. Die Quittung vom Starensemlbe kam prompt: 48 Sekunden vor der zweiten Pause traf Jiri Hudler von den Calgary Flames mit einem Ablenker im Slot zum Ausgleich.

Direkt nach der Pause waren es dann erneut die Tschechen, die den Druck erhöhen konnten. Nach nur 44 Sekunden musste Simon Moser schliesslich auch auf die Strafbank. Die Schweizer wehrten sich aber in den darauffolgenden Minuten erneut herausragend und konnten zuerst das Resultat halten, bis sie selber zu diversen Chancen kamen. Eine der ersten nutzte dann Simon Moser mit einer kickverdächtigen Bewegung, welche der Schiedsrichter übersah, konsequent aus und brachte sein Team damit erneut in Führung. Damit aber noch nicht genug: Kurz vor dem Beginn einer heissen Schlussphase setzten sich Denis Holenstein und Simon Bodenmann im Slot gegen ihre Gegner durch, sodass der zweitgenannte Kloten-Stürmer zum vorentscheidenden 4:2 einschieben konnte. Während die über 3000 Fans auf der Tribüne der erneuten Sensation entgegenfieberten, nahm der Tschechische Trainer ein Time-Out und nahm zugleich bei 3:16 bereits den Torwart heraus. Doch da war es schon zu spät: Reto Suri erzielte 39 Sekunden vor Schluss mit seinem Schuss aufs leere Tor die Entscheidung. Damit stürzen die Schweizer bereits den dritten Mitfavoriten und stellen die Eishockeywelt Kopf.

Wenig verwunderlich war es schliesslich als bei den Interviews die Schweizer über alle Backen strahlen konnten. „Wir haben nun die Möglichkeit diese Triumphe ein bisschen zu geniessen“, erklärte Roman Josi nach dem Spiel. Gerade in der Garderobe und auch morgen noch ein bisschen habe man dazu schon Gelegenheit, bis man sich wieder auf die nächsten Partien vorbereiten würde. Auf die Frage was diese Mannschaft denn so stark mache, hatte der Verteidiger und Best-Player gegen Tschechien eine plausible Antwort: „Das Team. Wir treten als Einheit auf und alle stehen zusammen. Vom Torwart bis zum Stürmer ist alles einfach wirklich gut.“ Die Ziele wollte der Nashville-Spieler aber nicht gleich ändern, weiterhin sei man auf die Viertelfinals fokussiert. „Wir dürfen nichts ändern und müssen auch als Favorit gegen die vermeintlich schwächeren Teams genau gleich spielen.“

Schweiz – Tschechien 5:2 (1:0, 1:2, 3:0)

Globe Arena. – 3537 Zuschauer. – SR: Croft/Ronn, Suominen/Woodworth. – Tore: 18. Ambühl (Gardner, Josi/Ausschluss Caslava) 1:0. 27. Niederreiter (Moser, Plüss) 2:0. 34. Hudler (Tlusty, Voracek/Ausschluss Plüss) 2:1. 40. Hudler (Irgl) 2:2. 46. Moser (Plüss) 3:2. 54. Bodenmann (Hollenstein, Cunti) 4:2. 60. Suri (Walker, Vauclair/ins leere Tor) 5:2. – Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Schweiz. 2mal 2 Minuten gegen Tschechien.

Schweiz: Berra; Vauclair, Seger; Blindenbacher, Furrer; von Gunten, Josi; Blum, Grossmann; Niederreiter, Plüss, Moser; Cunti, Bodenmann, Hollenstein; Ambühl, Suri, Gardner; Trachsler, Bieber, Walker.

Tschechien: Salak; Michalek, Smid; Hejda, Nakladal; Caslava, Kutlak; Fleischmann, Vrbata, Hanzal; Tlusty, Hudler, Voracek; Kovar, Tenkrat, Hertl; Vrana, Novotny, Irgl; Hubacek.

Bemerkungen: Schweiz ohne Stephan, Monnet und Bürgler (alle überzählig). 57. Time-Out Tschechien. 56:44-57:05 und 57:22-59:21 Tschechien ohne Torwart zu Gunsten eines sechsten Feldspieler.

Resultat:

5:2