Schweizer schlagen auch die Kanadier

Von Leroy Ryser
Schweiz
3
1 - 0 - 1
Kanada
2
0 - 1 - 1
05.05.2013
A-Nationalmannschaft
1:0‧0:1‧1:1
Spielbericht

Die Schweizer besiegen die Kanadier mit 3:2 nach Penaltyschiessen. Während Martin Gerber erneut eine unglaubliche Partie ablieferte, traf Reto Suri als einziger im Penaltyschiessen zwei Mal. Damit führt die Schweiz das Stockholm-Tableau zwischenzeitlich an.

Nach der Nationalhymne war für die Schweizer im Spiel gegen die Kanadier für längere Zeit die Schockstarre beendet. Von Beginn an zeigten die Schweizer eine sehr disziplinierte Leistung und liessen dabei den Kanadier nur wenig Raum. Sie setzten den Scheibenführenden Gegenspieler rasch unter Druck und konnten dadurch zahlreiche Scheiben erobern. Als dann Stephane Robidas wegen einem hohen Stock gleich vier Minuten auf die Strafbank gehen musste, sah es erstmals wirklich gut aus für die Schweizer. Zwar verstrich die Überzahl ungenutzt, die leichte Überlegenheit aufgrund des Powerplays schien aber bestehen. Kanada hatte Mühe Antworten auf das Spiel der Schweizer zu finden, insbesondere der Aufbau gelang überhaupt nicht, was in 20 Minuten nur zu drei Torschüssen auf Martin Gerber führte. Eine weitere Puckeroberung gelang in der 14. Minute schliesslich Morris Trachsler

in der neutralen Zone, während die Kanadier in der Vorwärtsbewegung waren. Julian Walker übernahm und legte auf für Dennis Holenstein. Dieser machte sich die zwischenzeitliche Kanadische Unterzahl zunutze, feuerte die Scheibe in Richtung Tor und liess die Schweizer jubeln. Die kleine Schweiz überraschte nach dem Sieg gegen Schweden ein weiteres Mal und führte gegen das grosse Team Kanada nach einem Drittel.

Wer nun Kanadier erwartete, die vehement den Ausgleich suchten und die Partie so rasch als möglich zu wenden versuchten, der wurde zwar nicht komplett enttäuscht, aber auch nicht zufriedengestellt. Trotz zwei Überzahlsituationen während Strafen gegen Andres Ambühl und Severin Blindenbacher waren die Kanadier lange Zeit kaum im Angriff. Erst in der Mitte des Drittels erhielt Martin Gerber gleich zahlreiche Schüsse zu halten, erneut meisterte der Routinier diese Aufgabe aber absolut genial und durfte zugleich auch über eine wichtige Portion Glück erfreuen, als Matt Read bei seinem Dribbling aus nächster Nähe das Tor nicht traf. Der Druck blieb aber auf einem konstant hohen Level, bis es in der 35. Minute doch so weit war. Nach einem Pass in die Mitte von Luke Schenn musste Andrew Ladd nur noch ablenken und erzielte damit den mittlerweilen verdienten Ausgleich.

Im letzten Abschnitt spielten die Kanadier dann ein sehr geduldiges Spiel. Denn während die Schweizer weiterhin sehr defensiv agierten und versuchten möglichst viele Abschlusspositionen zu verhindern, erhöhte der Favorit der Druck merklich, aber lange Zeit nicht effektiv. Je länger diese Phase dauerte, desto mehr war der Führungstreffer der Kanadier eine Frage der Zeit, die sich dann in der 48. Minute tatsächlich selbst beantwortete. Matt Read war es, der aus spitzem Winkel Martin Gerber überlistete und ins hohe nahe Eck zum 2:1 für die Kanadier traf. Die Schweizer gaben sich aber nicht geschlagen und blieben ihrem System treu. Die Chancen, die nicht gerade zahlreich vorhanden waren, mussten aber ausgenutzt werden – und genau das tat schliesslich Nino Niederreiter. In einem Gewühl vor dem Tor in der 54. Minute stocherte er die Scheibe zwar mit dem Bein, aber ohne Kickbewegung, ins gegnerische Gehäuse und liess die Hoffnungen der Schweizer dadurch erneut aufleben.

In einer spannenden Schlussphase hätte das Tor schliesslich auf beiden Seiten fallen können. Einerseits hatte Simon Moser für die Schweizer eine gute Chance nach einem Sprint über rechts, auf der anderen Seite hatte Martin Gerber zugleich einiges zu tun. Letztlich brachte die erneut disziplinierte Haltung der Schweizer das Team von Sean Simpson sogar in die Verlängerung, sodass ein weiterer nicht unbedingt budgetierter Punkt bereits notiert werden durfte.

Die Verlängerung wurde schliesslich ohne Tore und auch ohne Schüsse auf die beiden Tore nach fünf Minuten beendet. So kam es zum Penaltyschiessen, in welchem die Kanadier auf Grund der grossen Namen durchaus einen Vorteil auf ihrer Seite hatten. Hätte man denken können. Denn erneut war es Martin Gerber, der gegen die grossen Stars brillieren konnte und von acht Schüssen, sieben abwehrte. Für die Schweizer traf einer hingegen gleich zwei Mal: Reto Suri. „Nach dem ersten Treffer, hatte ich Zeit, den Torwart zu betrachten und zu schauen wie er sich bewegt. Als ich beim zweiten Mal anlief, wusste ich was ich tun würde“, erklärte der Penalty-Sieger. Letztlich sei eben alles aufgegangen, der Sieg sei aber ein Produkt des ganzen Teams. „Ohne die Tore von Dennis und Nino hätte man nie über das Penaltyschiessen zu sprechen gebraucht“, so Suri weiter. Ausserdem verriet der Zuger, dass er in der NLA beim EVZ nur einen Penalty geschossen hatte. „Ich habe ihn sogar verschossen“; schmunzelte der 24-jährige. Damit gewinnen die Schweizer nach dem Sieg über Schweden auch gegen Kanada und überrascht sowie begeistert weiterhin.

Schweiz – Kanada 3:2 (1:0, 0:1, 1:1, 0:0, 1:0) n.P.

Globe Arena. – 6107 Zuschauer. – SR: Baluska/Olenin, Shelyanin/Woodworth. – Tore: 14. Hollenstein (Walker, Trachsler) 1:0. 35. Ladd (Schenn, Stamkos) 1:1. 48. Read (Eberle) 1:2. 54. Niederreiter 2:2. – Penaltyschiessen: Kanada beginnt. Eberle; Gerber hält, 0:0. Niederrreiter; Smith hält, 0:0. Giroux; Gerber hält, 0:0. Suri; trifft, 1:0. Duchene; trifft, 1:1. Gardner; Smith hält, 1:1. Plüss; Smith hält, 1:1. Stamkos; Gerber hält, 1:1. Ambühl; scheitert, 1:1. Duchene; Gerber hält, 1:1. Hollenstein; Smith hält, 1:1. Eberle; Gerber hält, 1:1. Bodenmann; Smith hält, 1:1. Read; Gerber hält, 1:1. Suri; trifft, 2:1. Duchene; Gerber hält, 2:1. – Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Schweiz. 4mal 2 Minuten gegen Kanada.

Schweiz: Gerber; Vauclair, Seger; Blindenbacher, Furrer; von Gunten, Josi; Blum, Grossmann; Niederreiter, Plüss, Moser; Cunti, Bodenmann, Hollenstein; Ambühl, Suri, Gardner; Trachsler, Bieber, Walker.

Kanada: Smith; Robidas, Dillon; Schenn, Campbell; Schultz, Harrison; Brodie; Staal Jordan, Staal Eric, Simmonds; Ladd, Giroux, Stamkos; Hall, Duchene, Eberle; Read, Skinner, O’Reilly.

Bemerkungen: Schweiz ohne Stephan, Bürgler und Monnet (überzählig).

Resultat:

3:2 nP