 Background U20-WM 2006/07
Zurück zur Übersicht U20-WM
Volle Hütte und Erinnerung an Forsberg
Von Martin Merk und Ulf Andersson
Wenn morgen in den schwedischen Städtchen Mora und Leksand die 31. U20-Weltmeisterschaft eröffnet wird, werden viele Schweden an die vergangene Austragung im eigenen Lande zurückdenken und Medaillenhoffnung hegen. Kein Wunder läuft der Ticketverkauf, im Gegensatz zur U18-WM im Frühjahr, gut an. Während sich die Schweden zu den Geheimfavoriten zählen, werden die Schweizer zu den Abstiegskandidaten eingestuft.
Für das Turnier am idyllischen Siljan-See hat der schwedische Verband 35'000 Tickets budgetiert. "Das Interesse ist wirklich gross, wir können hoffentlich die Marke von 50'000 Zuschauer erreichen", sagt der Marketing-Assistent Patrik Wigelius. Das ist zwar "nichts" im Vergleich zu Austragungen in Kanada oder den USA, doch dürfte in Schweden ein Zuschauerrekord gebrochen werden. Für das morgige Spiel zwischen Schweden und Titelverteidiger Kanada sind über 7000 der 7650 verfügbaren Plätze in Leksand bereits abgesetzt worden. Der bisherige Rekord stammt aus einem Spiel gegen Finnland an der U20-WM 1992/93 in Gävle. Das morgige Spiel kommt dabei einer Revanche gleich: Schweden galt damals zwar über das Turnier gesehen als bestes Teams, unterlag im Finale aber Kanada. Schwedens Peter Forsberg war der dominierende Mann des Turniers und ist auch heute noch die Nummer eins in der ewigen Scorerliste der U20-Weltmeisterschaften geblieben. Damals bildete er eine Linie mit Markus Näslund und Niklas Sundström. Viele Schweden erinnern sich gerne zurück und wollen während ihrer Ferien die Spiele im "Herzen Schwedens", wie sich die Region drei Fahrtstunden nordwestlich Stockholms gerne selbst nennt, live ansehen. Wie damals werden auch diese Saison sämtliche Spiele der Schweden auch in die gute Stube übertragen. Auch für Live-Übertragungen nach Kanada, Finnland und Russland sind Verträge abgeschlossen. Das Interesse der heimischen Fans konzentriert sich vor allem auf die Spieler mit schwedischer Beteiligung, wobei auch das Spiel der Titelfavoriten Kanada-USA im Vorverkauf gut läuft. Auch Schwedens U20-Nationaltrainer Torgny Bendelin freut sich über die guten News aus der Ticketfront: "Die Organisatoren haben einen unglaublichen Job gemacht!" Man hat beim Verband von Fehlern bei der quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragenen U18-WM im Frühjahr gelernt und die Marketing-Aktivitäten deutlich erhöht. Neben den vielen Fans werden auch 260 Journalisten, 150 Scouts und 12 General Manager von NHL-Teams erwartet.
Eishockey-Kultur im "Herzen Schwedens"
Hauptspielort ist die kleinere der beiden Kleinstädte, Leksand. Dieser Spielort hat mehr Tradition im Spitzenhockey und auch die bessere Halle. Die 2005 an der alten Spielstätte erbaute Ejendals Arena zählt zu den modernsten des Landes, verfügt über Logen, Restaurants und auch eine Sauna darf natürlich nicht fehlen. Der fünffache Meister Leksands IF gehört zu den populärsten Clubs Schwedens, ist jedoch letztes Frühjahr wie schon zuvor 2004 und 2001, zum Bedauern der meisten Konkurrenten aus der Elitserien, in die zweithöchste Spielklasse abgestiegen, und hat auch dort einen Zuschauerschnitt von über 4000. Der Zweitspielort, an dem auch die Schweizer die meisten Spiele austragen, ist Mora, rund 60 weitere Kilometer in den spärlich besiedelten Norden des Landes. In der FM Mattsson Arena finden rund 4500 Fans Platz und sie strahlt auch ungefähr den Charme älterer Schweizer Hallen dieser Grössenordnung aus. Der Mora IK, Leksands Erzrivale, spielt erst seit drei Jahren wieder in der höchsten Liga Schwedens - und in der kleinsten Halle der Elitserien. Hierfür wurde die Halle 2004 auch etwas renoviert. Der MIK nutzt bekanntlich die Zeit der belegte Halle zum Exil am Spengler Cup in Davos. Beiden Eishockey-Städten ist gemeinsam, dass sie für ihr Interesse und Wissen für das Eishockey berühmt sind.
Neu mit Drei-Punkte-Regel
Die 31. Austragung der U20-Weltmeisterschaft wird das erste wichtige Länderturnier des IIHF sein, an welchem die Drei-Punkte-Regel angewandt wird. Diese wird gleich angewandt wie in der Schweiz, auch wird die Verlängerung mit maximal vier Feldspielern pro Mannschaft gespielt. In den Playoffs dauert die Verlängerung, anstatt fünf, maximal zehn Minuten; im Finale bis zu zwanzig Minuten. Im Penaltyschiessen treten je drei Spieler an, danach solange nötig jeweils einer.
Favoriten und Abstiegsängste
Zu den meistgenannten Favoriten zählen Kanada und die USA, auch wenn Russland ohne Alexander Ovechkin und Evgeny Malkin nicht zu unterschätzen ist. Die Schweden als Gastgeber machen sich Hoffnungen auf den zweiten Gold-Gewinn nach 1981. Es wäre der nächste Höhepunkt nach Olymipa- und WM-Gold in der vergangenen Saison. WM-Bronze an der U18-WM vor zwei Jahren ist schon einmal kein schlechter Indikator für die Stärke der Schweden. Weniger gut ist dieser Indikator aus Schweizer Sicht: Jener Jahrgang, der ab Mittwoch an der U20-WM in Einsatz steht, stieg damals ab. Kein Wunder zählen die Schweizer mit den starken Aufsteigern Deutschland und Weissrussland zu den Abstiegskandidaten. Dass die Schweizer in den Freundschaftsspielen gegen die Deutschen nur ein Spiel gewannen, jedoch deren vier verloren, zeigt, wie verbissen die Schweizer um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Dass man in den meisten anderen Spielen gut mit den Topnationen mitzuhalten vermochte, macht hingegen Hoffnung auf eine positive Überraschung. Als weitere Schweizer nehmen auch der Schiedsrichter Danny Kurmann und der Linienrichter Peter Küng am Turnier teil.
|
|